Demonstration gegen Antisemitismus
Demonstration gegen Antisemitismus
Islamischer Religionsunterricht
Islamischer Religionsunterricht

17.03.2015

Antisemitismus unter muslimischen Jugendlichen nimmt zu Mehr Dialogarbeit in Lehrpläne

Antisemitismus unter muslimischen Jugendlichen in Europa nimmt nach Auffassung des Islamwissenschaftlers Michael Kiefer seit Jahren deutlich zu. Im domradio-Interview fordert er ein Umdenken in der Bildungspolitik.

domradio.de: Woran machen Sie die Zunahme antisemitischer Haltungen oder gar Taten bei jungen Muslimen in Deutschland fest?

Kiefer: In der Tat haben wir hier keine präzisen Zahlen. Aber wir können feststellen, dass es zunehmend Übergriffe gegen jüdische Einrichtungen und Personen gibt. Es begann im Jahr 2000: in Düsseldorf der Anschlag auf die Synagoge, in Essen der Vorfall vor der Gedenkstätte. So kann man seither einen Vorfall zum anderen hinzuaddieren. Insgesamt gesehen ist das das Problem in den letzten Jahren angewachsen. Allerdings ist es kein gesamtmuslimisches Phänomen. Wir haben es immer noch mit einer kleinen Zahl von Muslimen zu tun, die hier offensichtlich antisemitischen Ansichten anhängen.

domradio.de: Der Antisemitismus der jungen Muslime bezieht sich hierzulande meist auf Israel - da kann man sich ja ganz naiv fragen: Die meisten dieser Muslime sind Türken - was haben die mit Israel, was haben die mit den Palästinensern zu tun?

Kiefer: Das stimmt. Seit dem Gaza-Krieg im letzten Sommer haben wir es hier verstärkt mit einer Solidarisierung im Bereich der türkischstämmigen Muslime zu tun, die es so vorher nicht gab. Bis zum Jahr 2000 gab es faktisch keine Übergriffe gegen jüdische Einrichtungen und Juden. Das hat viel auch damit zu tun, wie der Palästina-Konflikt medial inszeniert wird. Ab Mitte der 90er Jahre findet das verstärkt über Satelliten-TV und Internet statt. Eine hochemotionalisierte Berichterstattung hat dann diese Folgen.

domradio.de: Würden Sie denn sagen, dass dieser nach Deutschland importierte Nahostkonflikt zum Ventil allgemeiner Frustration von nicht integrierten Jugendlichen wird?

Kiefer: Es spielt sicher auch eine Rolle, dass viele Jugendliche hier in Deutschland Erfahrungen mit Diskriminierung gemacht haben. Es gibt aber auch Menschen, die keine konkreten Diskriminierung erlitten haben und trotzdem antisemitisches Verhalten an den Tag legen.

domradio.de: Wie kann man da gegensteuern?

Kiefer: Das ist schwierig, weil der Antisemitismus in Deutschland ja kein neues Phänomen ist. Gegen den Antisemitismus in der Migrationsgesellschaft haben die muslimischen Gemeinden zu wenig getan. Aber auch unser Bildungssystem hat nicht genug getan.

Seit einigen Jahren nun sind die Gemeinden in dieser Richtung aber sehr aktiv. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime Aiman Mazyek fordert ja deutlich von den Gemeinden eine Abgrenzung gegenüber jeglichem Antisemitismus. Wir müssen aber auch über die Schulfächer Religion und Werteerziehung noch mal neu nachdenken. Hier ist mehr Dialogarbeit und Begegnungsarbeit notwendig. Das muss mehr in den Lehrplänen verankert werden.

domradio.de: Ist das ein gesamteuropäischer Trend? Bei den jüngsten Anschlägen in Paris haben schließlich auch junge Muslime ganz gezielt Juden angegriffen und getötet?

Kiefer: Das ist eindeutig ein gesamteuropäisches Phänomen. Gerade in Frankreich ist es in den vergangenen Jahren zu schlimmen antisemitischen Anschlägen gekommen, aber auch in Belgien und Dänemark hatten wir diese Taten. Die Liste der Anschläge wächst, daran kann man erkennen, dass für jüdische Gemeinden in ganz Europa eine beträchtliche Gefahr besteht.

domradio.de: Es gibt ja in Deutschland die Debatte, ob sich Juden in bestimmten Stadtteilen mit hohem muslimischen Bevölkerungsanteil nicht mehr als Juden zu erkennen geben sollten.

Kiefer: Ich halte das für keinen Weg. Das wäre ja eine Kapitulation, wenn Menschen sich nicht mehr zu ihrer Religion bekennen könnten. Wenn diese Probleme bestehen, müssen sie angegangen werden. Das ist die Antwort. Eine Vermeidung von religiösen Symbolen kann nicht die Antwort sein.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Mit Schwester Katharina durch die Osterzeit

Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen durch die Fasten- und Osterzeit.

Das neue Bischofsquartett

Endlich: Die aktualisierte neue Auflage des Bestsellers ist da! Ab sofort ist das neue Bischofsquartett bestellbar.

Glockenkarte Kölner Dom

Verschicken Sie pünktlich zum Pfingsfest eine ganz besondere Grußkarte mit dem Geläut des Kölner Doms!

Team der Woche

Sie sind ein tolles Team? Sie tun etwas für andere Menschen? Dann werden Sie unser Team der Woche!

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 26.05.
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

  • Judith Döker - Drei Fragen:Glück
  • KJG und ihre ungewöhnliche Verlosungsaktion
  • Filmfestspiele von Cannes und die Ökumenische Jury
  • Infos aus Äthiopien – Interview mit Erzbischof Heße
  • 40 Jahre Altentheater im Freien Werkstatt Theater zu Köln
07:20 - 07:20 Uhr

WunderBar

07:50 - 07:55 Uhr

Wort des Bischofs

09:40 - 09:45 Uhr

Kirche2Go

11:00 - 18:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

11:00 - 18:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

12:40 - 12:45 Uhr

WunderBar

16:00 - 17:00 Uhr

DOMRADIO Kopfhörer

17:50 - 17:55 Uhr

Wort des Bischofs

11:00 - 18:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

18:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Menschen

19:00 - 20:00 Uhr

DOMRADIO Kopfhörer

20:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Musica

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff