Weihbischof em. Hans-Jochen Jaschke
Weihbischof em. Hans-Jochen Jaschke

Weihbischof Hans-Jochen Jaschke ist im Erzbistum Hamburg zuständig für die Fragen der Ökumene und für weltkirchliche und gesellschaftliche Aufgaben. Er ist Mitglied der Ökumene-Kommission, der Kommission Weltkirche und Vorsitzender der Unterkommission für den interreligiösen Dialog der Deutschen Bischofskonferenz.

08.01.2015

Weihbischof Jaschke zum Verhältnis von Christentum und Islam "Jede Religion kann gefährlich sein"

Der Islam ist eine Religion, von der die meisten viel zu wenig wissen, meint der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke, Dialogbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz. Ein Interview zur Islam-Feindlicheit, PEGIDA und Stimmungsmache.

domradio.de: Wie schädlich war denn dieser Anschlag für die Stimmung der Menschen gegenüber dem Islam in Deutschland?

Weihbischof Jaschke: Ja, was Angst angeht, da muss man sehr klug urteilen. Angst ist einerseits notwendig. Wir müssen sehen, was so los ist. Angst kann uns vorsichtig machen. Angst kann uns auch auf gute Wege bringen. Aber Angst kann uns auch in Panik versetzen. Wir sind natürlich alle betroffen und schockiert. Und jeder von uns, auch jeder Kirchenmann, wird sagen, "Je suis Charlie", also ich bin ganz auf der Seite des Redakteurs, der Kolleginnen und Kollegen, der Polizisten und ganz auf der Seite der Freiheit. Das muss das erste sein. Dann müssen wir als zweite, denke ich, sehen, wir dürfen jetzt nicht in eine Emotionsspirale hineingeraten. Emotionen sind wichtig, aber können dazu führen, dass wir den Verstand und das Maß verlieren.

domradio.de: Viele Menschen glauben, auch ein wenig unterschwellig, der Islam sei gefährlich. Was für eine Religion ist das Ihrer Meinung nach?

Weihbischof Jaschke: Jede Religion kann gefährlich sein. Jede Religion kennt Fanatiker, auch christliche Fanatiker und Verirrte hat es gegeben und gibt es. Der Islam selber hat viele Seiten. Wenn man den Koran aufmerksam liest und die Deutungen wahrnimmt, die von der Al-Azhar-Universität in Kairo und anderen großen Autoritäten gegeben werden, dann sieht man, der Islam muss solche Form von Gewalt ablehnen. Und erst recht Terror. Das widerspricht dem Islam und ich setze auch darauf, dass es hier noch zu weiteren Klärungen führen wird. Das ist die Theorie des Islam. Wenn wir die Praxis der Muslime in Deutschland nehmen, das sind liebe Mitbürger, Menschen, die keine Gewalt ausüben, Menschen, die sich jetzt wegducken, weil sie jetzt sehen, dass ihnen Islamisten das Leben schwer machen und sie unter einen Pauschalverdacht stellen wollen. Da, denke ich, müssen wir gut im Gespräch sein und müssen sehen, dass wir bei ihnen auch weiterhin die Verständigungsbereitschaft finden. Und, dass wir sie ernst nehmen. Sie gehören zu uns, in unsere Gesellschaft und sie teilen mit uns die Hauptwerte. 

domradio.de: Inwiefern muss sich eigentlich der Islam in Deutschland mit immerhin vier Millionen Anhängern finden? Also inwiefern ist das auch eine nützliche Diskussion, die in den vergangenen Wochen und Monaten aufgekommen ist, um die ganze Gemengelage um PEGIDA, also das Verhältnis von Christen, Juden, Atheisten mit dem Islam zu ordnen?

Weihbischof Jaschke: Ja, fangen wir bei PEGIDA an. Wir Kirchen haben uns ja sehr intensiv damit befasst und auch klar geäußert. So eine Stimmungsmache, die das Wasser auf parteipolitische Mühlen lenkt, die müssen wir in jeder Hinsicht ablehnen, verbunden mit Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Andererseits müssen wir Ängste natürlich ernstnehmen, die viele Menschen haben. Und über Ängste muss man reden. Ich denke, dass wir den Muslimen bei uns im Lande auch zeigen müssen, wir sprechen über die Ängste, die wir haben. Aber wir sehen auch, welche guten Ansätze zur Verständigung es gibt. Insofern kann das Ganze, man darf nie vor so einem schrecklichen Ereignis sagen, nützlich sein, aber es kann das Ganze dazu führen, dass wir ordentlich, vernünftig miteinander umgehen. Und gerade als religiöse Menschen müssen wir doch Gottes Namen Ehre machen. Es ist doch eine Schändung des Namens des Propheten, wenn so etwas geschieht. Und Christen und andere religiöse Menschen werden sagen, wir sind als religiöse, als gläubige Menschen beschämt, wenn in Gottes heiligem Namen so furchtbare Verbrechen begangen werden.

domradio.de: Welche Haltung nehmen Sie denn ein zur angeblichen Islamisierung des Abendlandes?

Weihbischof Jaschke: Das ist so ein Schlagwort. Erstens stimmt es so nicht. Natürlich müssen wir sehen, was der Islam bedeutet und er muss uns herausfordern als Christen, dass wir unsere eigene Identität, die Kultur und das, was uns ausmacht, ernstnehmen und mit Leben erfüllen. Aber, dass eine Islamisierung, die wie eine Welle über uns hereinrollt, jetzt anbricht, das halte ich für Panikmache und Stimmungsmache. Ich denke, damit tun wir keinem einen guten Dienst. 

Das Interview führte Dr. Christian Schlegel.

(DR)

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