Satiremagazin Charlie Hebdo
Satiremagazin Charlie Hebdo

07.01.2015

Das Magazin "Charlie Hebdo" und sein Verhältnis zur Religion Blasphemischer Bleistift

Islam, Christentum, Judentum: Keine Religion ist sicher vor den giftigen Bleistiftstrichen des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo". Die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen sorgte für große Entrüstung.

Religiöse Satire ist ein fester Bestandteil - so lautet das Credo der 1992 gegründeten Zeitschrift mit einer Auflage von rund 140.000 Exemplaren. Spätestens seit der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen im Jahr 2006 stand jedoch besonders die Islamkritik des Magazins im Fokus der medialen Aufmerksamkeit.

Deftige Zeichnungen, Obszönitäten, Drohungen und zuletzt auch Gewalt sorgten immer wieder für öffentliche Aufschreie. Mit dem Anschlag auf die Pariser Redaktion des Satireblatts am Mittwoch, bei dem mindestens zwölf Menschen erschossen und vier schwer verletzt worden, ist eine neue Eskalationsstufe erreicht.

2006: Nachdruck der Mohammed-Karikaturen

Der Nachdruck der umstrittenen zwölf Mohammed-Karikaturen der dänischen Zeitung "Jyllands Posten" und der weitere eigene Karikaturen sorgten bereits 2006 für einen teils gewalttätigen Sturm der Entrüstung in der islamischen Welt. Die Zeichnungen zeigten Mohammed unter anderem mit einem Turban in Form einer Bombe mit brennender Zündschnur. Eine von der Satirezeitschrift selbst in Auftrag gegebene Zeichnung stellt Mohammed dar, wie er den Kopf auf die Hände stützt, mit der Sprechblase: "Es ist hart, von Idioten geliebt zu werden."

Die Pariser Moschee und die Vereinigung der islamischen Organisationen Frankreichs (UOIF) klagten damals gegen das Magazin. Die Richter sprachen den damaligen Herausgeber des Blatts, Philippe Val, jedoch vom Vorwurf der Beleidigung frei.

Brandanschlag im November 2011

Eine neue Ebene erreichte der Konflikt im November 2011. Kurz vor der Veröffentlichung einer islamkritischen Ausgabe wurden die Redaktionsräume von "Charlie Hebdo" durch einen Brandanschlag teilweise zerstört. Zuvor hatte die Zeitung eine Sonderausgabe mit dem Titel "Charia hebdo" (deutsch etwa: "wöchentliches islamisches Strafgericht") angekündigt.

Das Titelblatt zeigte den Propheten Mohammed mit einer Sprechblase "100 Stockschläge, wenn Sie sich nicht totlachen". Auf der Rückseite sollte unter anderem eine Zeichnung Mohammeds mit einer roten Clownsnase und der Bildunterschrift "Der Islam ist mit dem Humor vereinbar" gezeigt werden. Und auch 2012 wieder Mohammed - diesmal nackt. Demonstrationen und ein Hackerangriff auf die Internetseite des Magazins waren die Folge.

Doch auch mit anderen Religionen geht das Magazin keineswegs zimperlich um. Wegen Kritik an Papst und Christentum stand die Zeitung 2009 vor Gericht. Die konservative "Allgemeine Allianz gegen Rassismus und für Respekt der französischen und christlichen Identität" (Agrif) hatte dem Blatt unter anderem vorgeworfen, in einem Beitrag die Jesus-Äußerung "Lasset die Kinder zu mir kommen" in einen pädophil-pornografischen Kontext gerückt zu haben.

Konklave als Schwulentreffen karikiert

Das Konklave zur Papstwahl 2013 karikierte "Charlie Hebdo" als Schwulentreffen. Die Zeichnung, die Kardinäle nackt beim Kreistanz mit hochgezogenen Gewändern zeigt, untertitelte die Redaktion mit "Gay-Lobby im Konklave - Wann kommt der Rauch denn?"

Um angeblich antisemitische Äußerungen des Karikaturisten Sine ging es 2011, als dieser sich zur geplanten Hochzeit von Jean Sarkozy, Sohn des ehemaligen französischen Staatspräsidenten, mit Jessica Sebaou, der jüdischen Erbin der Kaufhauskette Darty, äußerte.

Dass der blasphemische Bleistiftstrich des Magazins auch in den vergangenen Monaten nicht weicher geworden ist, zeigt ein Blick auf seine Facebook-Seite. "Scheiße" brüllt dort dem Betrachter ein hässliches Jesuskind zu Weihnachten aus der Krippe entgegen. Und zum neuen Jahr übermittelt ein karikierter Abu Bakr al-Baghdadi, Anführer der Terrororganisation "Islamischer Staat", die besten Wünsche, und "... vor allem Gesundheit".

Inga Kilian
(KNA)

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