Duisburg: Besuch der Moschee
Duisburg: Besuch der Moschee
Es geht bergauf im Dialog: Präses Schneider mit Ali Kizilkaya und Bekir Alboga in der Duisburger Moschee
Es geht bergauf im Dialog: Präses Schneider mit Ali Kizilkaya und Bekir Alboga in der Duisburger Moschee

22.06.2012

Evangelische Kirche und Islamverbände vereinbaren engeren Dialog Durststrecke beendet

Nach Jahren der Funkstille kamen Vertreter der evangelischen Kirche und der Islamverbände am Donnerstag erstmals wieder auf Spitzenebene zusammen. Der Dialog soll künftig enger werden. Im domradio.de-Interview bewertet Präses Nikolaus Schneider die Gespräche als Aufbruch.

Die evangelische Kirche und die Islamverbände wollen künftig einen intensiven Dialog führen und sich zu wichtigen Fragen auch gemeinsam äußern. Dabei könne es um Krisen und "schlimme Ereignisse", aber auch um Themen wie soziale Gerechtigkeit oder
Umwelt- und Klimaschutz gehen, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, am Donnerstag nach einem Treffen des Koordinationsrates der Muslime und der EKD in Duisburg. Das letzte Gespräch dieser Art hatte vor knapp vier Jahren stattgefunden.

"Wir wollen eine verbindliche Struktur auf Spitzen- und Arbeitsebene etablieren und in der Lage sein, künftig gemeinsam öffentlich zu reden und aufzutreten", kündigte Schneider an. Das Gespräch mit den Vertretern der Islamverbände in der Duisburger Merkez-Moschee habe "auf Augenhöhe und von Respekt geprägt" stattgefunden. Auch "kitzlige Fragen" wie der Umgang mit dem Salafismus seien nicht ausgespart worden. Hier seien sich beide Seiten einig gewesen, dass gewalttätige Übergriffe nicht geduldet werden dürften.

Koranverteilungen durch Salafisten in der Kritik
Der Koordinationsrat der Muslime habe zugestimmt, dass Religion "nicht missbraucht werden darf für andere Zwecke", sagte Schneider und nannte als Beispiel die Koranverteilungen durch Salafisten. Sie habe auch den Vertretern des Koordinationsrates nicht gefallen.
Während sich Schneider auch eine gemeinsame Erklärung zum Thema Salafismus vorstellen kann, sieht der Sprecher des Koordinationsrates, Ali Kizilkaya, dafür keinen Anlass. Die Islamverbände hätte dazu schon Stellung genommen.

Kizilkaya hofft nach dem Gespräch mit der EKD-Delegation auf einen "Neuanfang für eine bessere Zusammenarbeit mit intensivem Austausch und Dialog". Der "respektvolle Umgang auf Augenhöhe" sei auch ein wichtiger Impuls für die Integration der Muslime und das Zusammenleben in Deutschland.

Laut dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, ist ein gemeinsamer "Knigge" geplant, der Christen und Muslimen den Umgang miteinander erleichtern soll. Zum G-20-Gipfel 2015 in Deutschland solle es eine Konferenz für Religionsvertreter aus aller Welt geben, zu der auch die EKD und die Islamverbände mit einladen wollen.

Vor dem Treffen hatte auf Spitzenebene zumindest öffentlich lange Funkstille geherrscht: Zuletzt gab es vor knapp vier Jahren in Berlin einen Austausch zwischen der EKD und den Islamverbänden. Damals ging es unter anderem um das EKD-Papier "Klarheit und gute Nachbarschaft" zum christlich-muslimischen Dialog aus dem Jahr 2006, das bei den islamischen Verbänden für Verstimmung gesorgt hatte.

Nicht zurück schauen
Das sei "Schnee von gestern", jetzt werde nach vorne geschaut, hieß es dazu am Donnerstag. Die Spitzenvertreter von EKD und Koordinationsrat wollen am 25. Juni kommenden Jahres in Berlin erneut zusammenkommen. Bis dahin sollen Arbeitsgruppen vielen Sachthemen erörtern.

Vor dem Treffen hatte der Berliner Islamwissenschaftler Ralph Ghadban in einem epd-Gespräch von der EKD gefordert, sie müsse bei den Muslimen auf eine Klärung der theologischen Probleme in ihrer Religion dringen. "Die Haltung des Koordinationsrates im Blick auf die Salafisten ist fragwürdig", sagte Ghadban. Fragen der Gewaltanwendung und die radikale Koranauslegung würden innerhalb des Koordinationsrates ausgeklammert.

An dem Treffen nahmen auch EKD-Auslandsbischof Martin Schindehütte und die Chefs der vier großen Islamverbände Türkisch-Islamische Union (DITIB), Islamrat, Zentralrat der Muslime und Verband der Islamischen Kulturzentren teil. Sie hatten sich 2007 im Koordinationsrat zusammengeschlossen und repräsentieren gemeinsam die große Mehrzahl der rund 2.500 Moscheevereine in Deutschland.

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