Jude mit Kippa bei einer Kundgebung vor dem Brandenburger Tor
Jude mit Kippa bei einer Kundgebung vor dem Brandenburger Tor
Jüdisches Neujahrfest
Der Kongress will jüdischem Leben ein Forum geben
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland
Mit dabei der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster
Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung: Felix Klein
Ebenso der Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung: Felix Klein

05.11.2018

Jüdischer Zukunftskongress: Blick nach vorn und Erinnerung "Weil ich hier leben will"

Jüdische Menschen arbeiten in Politik und Wissenschaft, sind in Vereinen aktiv und machen Kunst. Doch das Wissen um jüdisches Leben in Deutschland ist begrenzt. Wer will, kann das ändern: An diesem Montag beginnt der Jüdische Zukunftskongress.

Das Motto klingt entschlossen: "Weil ich hier leben will". So ist der erste Jüdische Zukunftskongress überschrieben, der vom 5. bis zum 11. November in Berlin geplant ist. Erwartet werden um die tausend Teilnehmer. Die Veranstalter wünschen sich, dass die Tagung Anstöße für eine Festigung und Erneuerung jüdischen Lebens hierzulande in "seiner ganzen Vielfalt" geben könne. Der Blick nach vorn ist verschränkt mit dem 80. Jahrestag der NS-Novemberpogrome.

Dabei entlud sich am 9. November 1938 Gewalt gegen Juden, Synagogen und Geschäfte. 80 Jahre später ist jüdisches Leben in Berlin nach den Worten der Kongressveranstalter "so vielfältig, wie es nach Zweitem Weltkrieg und Schoah kaum vorstellbar war". Die Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung jüdischen Lebens treffe heutzutage auf eine "dynamische jüdische Zivilgesellschaft".

Auch junge Intellektuelle und Künstler mit dabei

Damit ist gemeint, dass Juden sich nicht nur in ihrer eigenen Gemeinschaft, sondern auch in der Gesamtgesellschaft einbringen: in Religion, Kultur, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. So sind als Teilnehmer nicht nur Prominente wie der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, oder der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik zu dem Kongress eingeladen.

Es kommen auch junge Intellektuelle und Künstler, die über ihr Leben und Wirken sprechen wollen. Auf dem Programm stehen etwa Vorträge, Diskussionen, die Vorstellung eines neuen Buches mit "Jüdischen Stimmen zur Zukunft Deutschlands und Europas" sowie die Verleihung des neuen Dagesh-Kunstpreises an Liat Grayver, Yair Kira und Amir Shpilman. Und rund um den 9. November eben die Erinnerung an die Pogrome von 1938 in Wort und Musik.

Nach vorne schauen

Inhaltlich geht es um das Selbstverständnis von Juden in Deutschland, um das Miteinander in der vielfältigen jüdischen Gemeinschaft, die Frage jüdischen Lebens innerhalb und außerhalb der Gemeinden und was das Erinnern bedeutet. Zudem beschäftigen sich die Teilnehmer mit der Annäherung zwischen Minderheiten, vor allem mit dem jüdisch- muslimischen Dialog.

"Es ist für uns wichtig, nach vorne zu gucken", sagt Rabbiner Walter Homolka - vor dem Hintergrund aber auch des 80. Jahrestages der Novemberpogrome. Homolka ist Vorstand der Leo Baeck Foundation, die den Kongress angeregt hat und dabei mit der Berliner Senatsverwaltung für Kultur zusammenarbeitet und von der Bundeszentrale für politische Bildung unterstützt wird.

Wunsch nach jüdischem Leben in Deutschland

Die jüdische Gemeinschaft steht nach den Worten Homolkas vor vielen Herausforderungen: "Von außen bedroht sie Antisemitismus, von innen strebt eine wachsende jüdische Zivilgesellschaft nach Teilhabe an den Diskursen und gleichberechtigter Wahrnehmung". Er hofft auf eine positive Sicht am Ende des Kongresses: "dass Juden zuversichtlich in ihre Zukunft schauen, hierbleiben und gestalten möchten. Und dass unsere Gäste Neues lernen und gemeinsam mit uns an dieser Zukunft arbeiten."

Denn vielen jungen Menschen steht bekanntlich die Welt offen. Es sei aber auch wünschenswert, dass Juden in Deutschland für Leben und Arbeiten eine Zukunft sähen, betont Homolka. Er selber zeigt sich in dieser Frage "vorsichtig optimistisch". Angesichts der Überwindung von Problemen wie Antisemitismus meint der Rabbiner: "Das ist kein 100-Meter-Lauf, sondern ein Marathon." Und weil es eben dauere, sei manchmal schon eine "Schicksalsdebatte" unter Juden zu beobachten.

Rabbiner Homolka: Lassen uns nicht wegmobben

Homolka beschreibt die Stimmung unter vielen der rund 120.000 Juden in Deutschland als ein "trotziges 'Dennoch'" und schiebt hinterher: "Wegmobben lassen wir uns nicht." Die Demonstration gegen Ausgrenzung und Rassismus Mitte Oktober in Berlin mit nach Veranstalterangaben mehr als 240.000 Teilnehmern sei ermutigend gewesen. Der Blick solle aber auch über Deutschland hinaus gehen: "Welche Zukunft hat ein europäisches Judentum?"

In der Mehrheitsgesellschaft in Deutschland jedenfalls werde die jüdische Zivilgesellschaft in ihrer Vielfalt oft nicht wahrgenommen, sagt Homolka. Das gelte auch für das Gemeindeleben. Daher: "Jeder kann zu unserem Kongress kommen." Der Eintritt ist frei. "Wir öffnen uns und fordern Offenheit ein, wir möchten an gesellschaftlichen Debatten teilhaben und auch neue anstoßen."

(KNA)

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