Bartholomaios I.
Bartholomaios I.

09.10.2018

Ökumenisches Patriarchat berät über die Ukraine Diskussion um Eigenständigkeit

Das Leitungsgremium des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel berät seit diesem Dienstag in Istanbul - ein Thema dabei ist die Zukunft der orthodoxen Kirche in der Ukraine. 

Der vom Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, Patriarch Bartholomaios I., geleitete Heilige Synode hatte im September zwei Bischöfe in die Ukraine entsandt. Sie sollen die Bildung einer vereinten, eigenständigen ukrainischen Landeskirche vorbereiten. Gläubige in der Ukraine und Russland warten mit Spannung darauf, ob das Ökumenische Patriarchat weitere Schritte für die Autokephalie (Eigenständigkeit) der Kirche in der Ukraine unternimmt.

Die russisch-orthodoxe Kirche will weiter die Oberhoheit über die ukrainische Kirche behalten. Aus Protest gegen die ihrer Meinung nach unzulässige Ukraine-Initiative des Ökumenischen Patriarchats stellte die russische Kirche die Zusammenarbeit mit Konstantinopel ein. Zudem drohte sie Konstantinopel mit dem vollständigen Bruch der eucharistischen Gemeinschaft.

Aufruf zur Einhaltung des Kirchenrechts

Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. rief am Montag erneut zur Einhaltung des Kirchenrechts auf. "Niemand wird uns davon überzeugen, dass eine Verletzung (des Kirchenrechts) erlaubt ist", sagte er bei einem Gottesdienst in Sergijew Possad bei Moskau. Der ukrainische Staatspräsident Petro Poroschenko und das Parlament des Landes hatten im April Bartholomaios I. offiziell aufgefordert, der orthodoxen Kirche in der Ukraine die Autokephalie zu verleihen.

Der russisch-orthodoxen Kirche warf Poroschenko vor, ein "politisches Werkzeug" von Kreml-Chef Wladimir Putin zu sein. Sie unterstütze "Putins Hybrid-Krieg gegen die Ukraine". In der Ukraine ringen seit 1992 zwei orthodoxe Kirchen um die Vormachtstellung: eine des Moskauer und eine des Kiewer Patriarchats.

Letzteres Patriarchat gründete sich im Zuge der Wiedererlangung der staatlichen Unabhängigkeit. Die Religion spielt in dem osteuropäischen Land traditionell eine große Rolle. Rund 70 Prozent der Bürger sind orthodoxe Christen.

(KNA)

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