Köln: Menschen mit Flaggen der Türkei warten an einer Absperrung der Polizei
Köln: Menschen mit Flaggen der Türkei warten an einer Absperrung der Polizei
Hannelore Bartscherer
Hannelore Bartscherer

01.10.2018

Moscheeeröffnung und der interreligiöse Dialog in Köln "Gehen Sie bei sich vor Ort in eine Moschee"

Nach der Eröffnung der Zentralmoschee ist das Verhältnis zwischen Ditib und der Stadt Köln zerrüttet. Ein interreligiöser Dialog scheint jetzt besonders schwierig. Aber der Islam ist nicht gleich Ditib, sondern ganz vielfältig in Deutschland.

DOMRADIO.DE: Weder Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet noch die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker waren bei der Einweihung der Ditib-Moschee am Samstag dabei. Das ist jetzt nicht gerade ein Zeichen dafür, dass der Islam zu Deutschland gehört, oder?

Hannelore Bartscherer (Ehemalige Vorsitzende des Katholikenausschusses in der Stadt Köln und ehem. Mitglied des Moscheebeirats): Der Islam ist nicht gleich Ditib, die Ditib ist nicht gleich die Türkei. Es gibt den Islam ganz vielfältig in unserem Land. Aber ob die Ditib zu Köln gehört, ist eine andere Frage. Wenn eine Einweihungsfeier so verläuft und nur auf Türkisch abgehalten wird, dann ist das Ganze nicht mehr offen und transparent. Dann ist das nicht mehr das, was dieser Bau irgendwann mal symbolisch darstellen sollte.

DOMRADIO.DE: Sie selbst waren auch nicht bei der Einweihung – naheliegend nach ihrem Rückzug aus dem Moscheebeirat. Aber Sie haben die Feier natürlich aus der Distanz verfolgt. Was sagen Sie dazu?

Bartscherer: Es interessiert mich. Ich bin irgendwie damit verbunden. Ich bin mit den Menschen in der Ditib verbunden, einige kenne ich persönlich ganz gut. Ich bin auch mit diesem Bauwerk verbunden. Aber diese rein türkische Veranstaltung hat mich schon getroffen. Die Medien sind nur über einen Moderator bedient worden und nicht direkt in deutscher Sprache. Und die Ditib ist nun wirklich lange genug hier in Köln ansässig. Das finde ich ist ein alarmierendes Zeichen.

DOMRADIO.DE: Würden Sie denn jetzt sagen, die Kritiker sind bestätigt, die am Anfang strikt gegen den Bau einer solch großen und repräsentativen Moschee waren?

Bartscherer: Nein, ich bin nicht der Meinung, dass diese Kritik berechtigt war und sie ist auch nicht bestätigt worden. In Köln leben zirka 120.000 Menschen muslimischen Glaubens. Eine repräsentative Moschee ist da ein legitimer Wunsch der Menschen – das habe ich von Anfang an richtig gefunden. Wir haben in Köln ungefähr 80 Moscheen und das sind im Prinzip Hinterhof-Moscheen. Da muss es doch eine repräsentative Moschee geben. Und es ist ja auch ein tolles Bauwerk geworden – entworfen von einem Architekten, der sonst Kirchen baut, und dann ist es real geworden. Das finde ich schon großartig.

DOMRADIO.DE: Wie kann es denn jetzt weitergehen? Wie kann Vertrauen zurückgewonnen werden?

Bartscherer: Der Stand des interreligiösen Dialogs mit der Ditib in Köln ist im Moment schwierig. Aber den interreligiöse Dialog mit anderen muslimischen Gruppierungen, Verbänden und Vertretungen sollten wir nochmal deutlicher in den Blick nehmen. Denn die Ditib ist nicht gleich alle Türken, die Ditib ist nicht gleich alle Muslime – die Ditib ist ein Teil. Es gibt viele Moscheevereine, die integratorisch in ihrem kleinen Umfeld wirken. Es gibt wirklich viele, die im interreligiösen Dialog engagiert sind. Und das hat mit der Ditib zunächst mal nur eingeschränkt zu tun.

DOMRADIO.DE: Kommenden Mittwoch ist Tag der Deutschen Einheit. Dann ist auch der Tag der offenen Moschee. Vor dem Hintergrund, was wir jetzt gerade gesagt haben, finden Sie, dass es sinnvoll sein kann, sich eine Moschee anzugucken?

Bartscherer: Ich halte es für ausgesprochen sinnvoll, denn die Kölnerinnen und Kölner sind eingeladen. Am einfachsten ist es, man geht mit mehreren dahin, lässt sich rumführen und erklären, was das für eine Arbeit ist. Denn keine Moschee ist nur ein Gebetshaus. Die meisten Moscheen, wie ich sie kennengelernt habe, haben darüber hinaus soziale Einrichtungen für Menschen, die Hilfe brauchen. Es sind gesellige Orte. Ich kann nur einladen: Gehen Sie bei sich vor Ort in eine Moschee.

Das Gespräch führte Hilde Regeniter.

(DR)

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