Die Woche der Brüderlichkeit beginnt
Immer wieder sind auch Juden Antisemitismus ausgesetzt
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland

28.03.2018 - 00:00

Schuster: Es wächst eine neue Generation von Antisemiten heran "Neue und erschreckende Dimension"

Mit Blick auf jüngste Vorfälle von religiösem Mobbing und Antisemitismus sorgt sich der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster. Er sieht eine neue Generation von Antisemiten in Deutschland heranwachsen.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sorgt sich, "dass eine neue Generation von Antisemiten in Deutschland heranwächst". In einem am Mittwoch online veröffentlichten Interview mit der "Passauer Neuen Presse" benannte Schuster die Zuwanderung von Muslimen als einen Hauptgrund für diese Entwicklung. Leider seien unter diesen "zahlreiche antijüdische Ressentiments vorhanden". Trotzdem warne er davor, "generell Muslime an den Pranger zu stellen".

Mit Nachdruck forderte Schuster die islamischen Verbände auf, "endlich in den eigenen Reihen dafür zu sorgen, dass Imame nicht mehr predigen dürfen, wenn sie zu Hass aufrufen". Hier gebe es "ein erhebliches Defizit". Zugleich seien Lehrer mit religiösem Mobbing und Antisemitismus im Klassenzimmer und auf dem Pausenhof überfordert, "weil wir das bisher so nicht kannten". Die Kultusminister müssten dieses Problem rasch in der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften aufgreifen.

Neue Vorfälle der letzten Zeit

Der Zentralratspräsident sprach von einer "neuen und erschreckenden Dimension" von Vorfällen, die sich in letzter Zeit häuften, "vor allem in Ballungsgebieten mit muslimischen Milieus". Vor wenigen Tagen war ein siebenjähriges jüdisches Mädchen in Berlin von Mitschülern bedroht worden. Solche Berichte gebe es aber auch aus dem Ruhrgebiet, sagte Schuster.  

Als "erschreckend und unfassbar" bezeichnete der Zentralratspräsident den Mord an einer 85-jährigen Holocaust-Überlebenden in Paris. Zum zweiten Mal in diesem Jahr sei in Frankreich ein Mensch getötet worden, weil er jüdischen Glaubens gewesen sei. Die Frau habe zuvor bei der Polizei angezeigt, dass sie bedroht werde, trotzdem sei sie nicht beschützt worden. "Das legt den Verdacht nahe, dass die französischen Behörden blind und taub waren oder sein wollten." In Deutschland könne er sich so etwas nicht vorstellen, fügte Schuster hinzu. "Ich hoffe, dass man mir nicht eines Tages sagt, dass ich mich getäuscht habe."

Keine Einzelfälle

Auch der Generalsekretär der Kurdischen Gemeinde Deutschland, Cahit Basar, erklärte, dass es sich nicht um Einzelfälle handele. "Wer dies so darzustellen versucht, handelt grob fahrlässig, redet eine reelle Gefahr klein und gefährdet damit Menschenleben." Der Nahostkonflikt und "religiöse Indoktrinierung" trügen nun "ihre Früchte und den Hass" auf deutsche Schulhöfe.

Schulen seien verunsichert, so Basar. Religiöse Intoleranz richte sich nicht nur gegen jüdische Schüler. Für die Integrations- und Schulministerien auf Länderebene gebe es jetzt "dringenden Handlungsbedarf, um der religiösen Intoleranz bereits in den Anfängen konsequent zu begegnen".

"Mehr präventive Angebote"

Der religionspolitische Sprecher der Grünen, Konstantin von Notz, forderte "sehr viel mehr Angebote, die präventiv gegen religiöses Mobbing jedweder Art wirken". Dazu müsse auch die pädagogische Auseinandersetzung in Bildungseinrichtungen ausgebaut werden.

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt forderte in der "Bild"-Zeitung: "Wir brauchen endlich eine Null-Toleranz-Strategie gegen den Schulhof-Islamismus - mit maximaler Konsequenz bei Religionsmobbing bis hin zum Schulverweis, zusätzlichen Kräften zur Unterstützung unserer Lehrer und einer konsequenten Vermittlung unserer Leitkultur im Unterricht."

Die frühere Berliner Ausländerbeauftragte, Barbara John (CDU), ist für ein besonnenes und entschiedenes Vorgehen. Gleichwohl müsse man Vorfälle ernst nehmen, sagte sie im Deutschlandfunk. "Ich glaube, wir machen uns Illusionen, wenn wir annehmen, dass Menschen, die hier herkommen, ihre Vergangenheit und ihre Konflikte und vor allem ihre Identität erst einmal hinter sich lassen, wenn sie die Länder verlassen haben."

(KNA)

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