Zusammenleben der Religionen: Oftmals konfliktreich
Zusammenleben der Religionen

01.09.2017

Menschenrechtler zur Bedeutung von Religion Wäre die Welt ohne Religionen besser?

Religion gilt oft als Ursache vieler Konflikte. Der frühere UN-Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit, Heiner Bielefeldt, sagt abert: Ohne Religion wär die Welt auch nicht besser; im Gegenteil.

Der frühere UN-Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit, Heiner Bielefeldt, hält die Vorstellung für eine "riesengroße Illusion", dass eine Welt ohne Religionen ein bessere wäre. Religionen machten "menschliches Leben interessant, manchmal auch kompliziert", sagte der Erlanger Professor für Menschenrechte im Interview der Bistumszeitung "Kirche+Leben" (Sonntag) in Münster. Wer auf eine religionsfreie Welt abziele, werde den Menschen nicht gerecht.

Die Ursache für viele der derzeitigen Konflikte in der Welt seien zwar auch religiöser Natur, "aber nie nur religiöser Natur", so Bielefeldt. "Im Nahen Osten ist es offenkundig, dass dort Religion eine sehr große Rolle spielt. Aber zu meinen, man könne den Konflikt nach religiösen oder konfessionellen Ursachen beschreiben, führt in die Irre." Schon der Dreißigjährige Krieg sei nie ein reiner Religionskrieg gewesen.

Jeder Konflikt ist anders

Um die Konflikte zu lösen, müsse man sich klar machen, wie vielschichtig die Ursachen für sie sind, sagte Bielefeldt. Der Nordirland-Konflikt lasse sich nicht auf die Zentralafrikanische Republik übertragen. Wenn es um Gewalt an Lesben und Schwulen in Uganda oder Malaysia gehe, dann sei das wiederum etwas anderes als der Terror des sogenannten Islamischen Staats.

Religionen können friedensstiftend wirken, betonte der Wissenschaftler. Voraussetzung sei, dass ihre Vertreter einander zuhörten. Dann bestehe die Chance, sich gegenseitig kennenzulernen. "Wenn man konkrete Stimmen hört und Augen sieht, dann ist dies das beste Gegenmittel dagegen, dass eine abstrakte Feind- oder Angstpropaganda einfach den Durchmarsch macht."

Weltfriedenstreffen in Osnabrück

Auch interreligiöse Gespräche trügen zum Frieden bei, so Bielefeldt mit Blick auf das Weltfriedenstreffen in Münster und Osnabrück vom 10. bis 12. September. Allerdings müssten die Religionsführer sich Zeit nehmen. "Die kurze Begegnung, der große Fototermin: Das bringt nichts." Es müsse ein Klima vorherrschen, bei dem alle die Chance erhielten, sich zu artikulieren. Bielefeldt warnte in diesem Zusammenhang vor unrealistischen Zielvorstellungen. Es spreche viel dafür, sich eher praktischen Themen zu widmen.

Zum 31. Weltfriedenstreffen der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio werden mehrere tausend Teilnehmer in Münster und Osnabrück erwartet. Hinzu kommen Hunderte Vertreter von Kirchen und Religionen aus aller Welt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird auf der Eröffnungsveranstaltung in Münster sprechen. Im Mittelpunkt bei rund zwei Dutzend Podiumsveranstaltungen mit Vertretern der Religionen stehen die Themen Flucht, Armut, Gerechtigkeit und Umweltschutz.

(KNA)

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