Christen im Nahen Osten
Christen in Pakistan bei einem Protestmarsch
Michaela Koller, Referentin für Religionsfreiheit bei der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte
Michaela Koller, Referentin für Religionsfreiheit bei der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte

31.07.2017

Referentin für Religionsfreiheit über Lage in Pakistan "Sicherheitslage hat sich nicht verbessert"

Michaela Koller, Referentin für Religionsfreiheit bei der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, berichtet im domradio.de-Interview über die Situation für religiöse Minderheiten in Pakistan. Die Lage sei angespannt, so Koller.

domradio.de: Nachfolger des abgesetzten pakistanischen Ministerpräsidenten soll ausgerechnet sein Bruder werden. Das hat in einem demokratischen Land doch zumindest ein Geschmäckle, oder?

Michaela Koller (Referentin für Religionsfreiheit bei der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte): Nun ob der Bruder sein Nachfolger werden wird steht noch nicht fest. Jetzt wird zunächst einmal der ehemalige Öl-Minister zum "Übergangs-Regierungschef" gemacht.

domradio.de: Mehr als 90 Prozent der Einwohner sind Muslime in der Islamischen Republik Pakistan; wie frei oder unfrei können Christen ihren Glauben in dem Land leben?

Koller: Es gibt was den Kultus betrifft, also die religiöse Praxis, keine Beschränkung. Aber die Christen werden in Pakistan gesellschaftlich diskriminiert und benachteiligt. Das hat auch lange zurückreichende soziale und historische Ursachen, weil viele Christen Nachfahren derer sind, die von den Kastenlosen oder den unteren Kasten zum Christentum konvertiert sind. Sie haben sich dadurch mehr Freiheit versprochen, was ihnen aus dem christlichen Menschenbild gesagt wurde.

domradio.de: Wenn wir über Christen in Pakistan sprechen, dann müssen wir auch das "Blasphemie Gesetz" erwähnen. Was hat es damit auf sich?

Koller: Das ist richtig. Das ist eines der Hauptinstrumente zur Marginalisierungsunterdrückung von religiösen Minderheiten. Davon sind nicht nur die 2,7 Prozent der Christen betroffen. Sie erwähnten ja auch schon die Hindus. Aber ganz besonders gibt es auch eigene Gesetze gegen die Ahmadi-Muslime.

domradio.de: Es gab immer wieder verheerende Anschläge auf Christen in den vergangenen Jahren, zum Beispiel Ostern 2016. Wie hat sich die Sicherheitslage entwickelt?

Koller: Das hat sich nicht verbessert, auch wenn wir seltener darauf schauen. Es hat erst vor einer Woche einen verheerenden Anschlag mit 22 Toten in Lahor in Punjab gegeben und im Frühjahr gab es auch Anschläge, die mindestens so blutig waren wie der von Ostern 2016. In einer Woche gab es fünf Anschläge mit jeweils mindestens 13 bis 80 Toten.

domradio.de: Glauben Sie, dass die Absetzung von Nawaz Sharif auch Auswirkungen auf das religiöse Klima in Pakistan haben wird?

Koller: Das glaube ich nicht, dass sich etwas bewegen wird durch diesen Rücktritt. Ich glaube nicht, dass es relevant ist und Auswirkungen hat auf das Verhältnis der Religionsgemeinschaften untereinander. Man muss wissen, dass im Prinzip die Stärke und der stabile Faktor vom Militär her kommt. Es sind keinerlei Anzeichen zu sehen in dieser Situation des Kampfes gegen den Terror etwas an der gesellschaftlichen Zusammensetzung zu ändern. Die ist nun einmal so, dass besonders die Christen der ärmeren Schicht angehören und viele sich sogar in Zwangsarbeitsverhältnissen befinden und durch das Leben kämpfen.

Im Prinzip müsste hier ganz von unten, in der Bildung etwas geändert werden. In den Schulen lernen die muslimischen Kinder schon, dass sie zunächst nur anderen Muslimen trauen können und Angehörigen anderer Gemeinschaften zu misstrauen ist. Dadurch entstehen natürlich Spannungen, die von der Jugend an so anerzogen sind.

(DR)

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