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Kundgebung gegen Judenhass

21.02.2017

Furcht vor Antisemitismus in Deutschland und den USA Das Warnlicht blinkt

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, hat vor einem wachsenden Antisemitismus in Deutschland gewarnt. Gleichzeitig zeigte sich der Jüdische Weltkongress schockiert über Schändungen von jüdischen Grabsteinen in den USA.

Die Gesellschaft dürfe die Entwicklungen am rechten Rand nicht auf die leichte Schulter nehmen, mahnte Schuster am Dienstag im niedersächsischen Landtag: "Gerade weil die NPD nicht verboten wurde, sind jetzt der Staat und die Zivilgesellschaft gefordert, Antisemitismus und Rechtsextremismus zu bekämpfen. Initiativen gegen Rechts brauchen unsere ideelle und finanzielle Unterstützung", so der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland vor den Abgeordneten. Hinzu komme Judenfeindlichkeit unter Muslimen, die ebenfalls thematisiert werden müsse.

"Die jüdische Gemeinschaft lehnt jede Form von Islam-Feindschaft ab", betonte der Zentralratspräsident laut Redemanuskript. "Zum Antisemitismus, den es unter Muslimen gibt, können wir dennoch nicht schweigen." Schuster sprach im Rahmen der Reihe "Parlamentsleben", zu der er von Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU) eingeladen worden war. In jüngster Zeit breite sich ein Gefühl der Unsicherheit in der jüdischen Gemeinschaft aus, sagte er. "Bei uns blinkt inzwischen immer mal wieder ein Warnlicht."

Schuster: Kirchen sind Partner

Zwar stünden derzeit die Muslime stärker im Fokus. "Sie müssen vielerlei Arten von Anfeindungen ertragen, was absolut inakzeptabel ist." Der Antisemitismus sei damit aber nicht verschwunden, betonte Schuster. "Wer denkt, den alten, klassischen Antisemitismus oder die alten Vorurteile gegen Juden gäbe es nicht mehr, braucht nur ins Netz zu schauen, um eines Besseren belehrt zu werden." Auf seiner Facebook-Seite werde der Zentralrat immer wieder mit Hass-Kommentaren konfrontiert.

Die jüdische Gemeinschaft versuche, im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Verhältnisse zu verbessern, Vorurteile und Halbwissen abzubauen. Gerade die beiden großen christlichen Kirchen seien bei der Aufklärungsarbeit wichtige Helfer. "Ohne, dass ich unsere Unterschiede verwischen möchte, kann ich sagen: Aus früheren Feinden sind Partner geworden." In kritischen Situationen seien es häufig die Kirchen, die der jüdischen Gemeinschaft als erstes solidarisch zur Seite stünden.

Ebenfalls Warnungen vor Antisemitismus in den USA

Vor einem wachsenden Antisemitismus in den USA warnt der jüdische Weltkongress. "Die amerikanischen Juden sind besorgt", erklärte der Präsident des Verbandes, Ronald S. Lauder, am Dienstag in New York. Er rief die Politiker auf allen Ebenen auf, angemessene Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Hintergrund ist die Schändung von rund 100 jüdischen Grabsteinen auf einem Friedhof in St. Louis (Bundesstaat Missouri) und eine Reihe von Bombendrohungen gegen jüdische Gemeindezentren in den USA, wie amerikanische Medien berichteten.

Es sei schockierend zu sehen, dass jüdische Friedhöfe erneut das Ziel von Kriminellen seien, fügte Lauder hinzu. Sogar in den Vereinigten Staaten, dem Land mit der stärksten jüdischen Gemeinschaft außerhalb Israels, sei Antisemitismus äußerst agil. Dies sei nicht nur ein Problem für die jüdische Gemeinschaft, es sei "ein Problem für die gesamten USA", sagte Lauder. Er forderte die Strafverfolgungsbehörden dazu auf, ihr Äußerstes zu tun, um die Täter festzunehmen.

Aufruf gegen Rassismus und Fanatismus

Sowohl die politischen Spitzen in Washington als auch Politiker auf Bundes- und regionaler Ebene müssten diese Taten verurteilen, forderte Lauder. Lauder würdigte die aktuelle Reaktion von Ivanka Trump. Die Tochter des US-Präsidenten Donald Trump hatte am Dienstag gewittert, Amerika sei eine Nation, die auf den Prinzipien der religiösen Toleranz aufgebaut sei, man müsse Gotteshäuser und religiöse Einrichtungen schützen.

Bedrohungen und Attacken gegen Synagogen oder andere jüdische Einrichtungen seien so unamerikanisch wie Angriffe auf schwarze Kirchen, so Lauder: "Es ist an der Zeit für alle guten Amerikaner, sich dem Kampf gegen alle Formen von Antijudaismus, Rassismus und Fanatismus anzuschließen." Der 1936 in Genf gegründete Jüdische Weltkongress repräsentiert jüdische Gemeinschaften in rund 100 Ländern.

Trumps Worte gegen Antisemitismus

Auch US-Präsident Donald Trump hat sich mit deutlichen Worten gegen Antisemitismus gewandt. Die jüngste Welle von Drohbotschaften gegen jüdische Einrichtungen im Land bezeichnete er am Dienstag als "schrecklich". Es sei wichtig, "Bigotterie, Intoleranz und Hass in all seinen Formen" zu bekämpfen, so Trump.

Steven Goldstein kritisiert Donald Trumps Äußerungen zu antisemitischen Vorfällen in den USA als zu spät. "Das ist das Schlimmste, das wir je von einer Regierung gesehen haben", sagte der Geschäftsführer des "Anne Frank Zentrums" in New York am Dienstag. Viel zu lange habe Trump sich geweigert, Position zu beziehen. Seine Haltung sei erbärmlich und nach Wochen Dutzender Bombendrohungen gegenüber jüdischen Adressen geradezu herablassend. Trumps Regierung habe den Antisemitismus hoffähig gemacht, so Goldstein.

(epd, KNA)

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