Beten soll gegen Angst helfen
Symbolbild: Betende Hände
...und Frauen in ihrem
Jüdinnen beten in abgegrenztem Bereich an der Klagemauer
Gericht billigt Kopftuchverbot im Krankenhaus
Muslima mit Kopftuch

16.11.2016

Podium zu Gleichberechtigung der Frau in den Religionen Interreligiöse Frauenpower

Ob Christin, Jüdin oder Muslimin - um die Gleichberechtigung ist es in all diesen Religionen nicht optimal bestellt. Der Bayerische Frauenrat wollte deshalb wissen, wie willkommen Frau in ihrer jeweiligen Religion ist.

Die monotheistischen Weltreligionen haben den Ruf, männerzentriert zu sein: Die Männer geben die Richtung im Kultus vor, die Frauen sollen sich fügen. So tragen etliche Musliminnen Kopftuch, Katholikinnen bleiben Weiheämter verwehrt und auch Jüdinnen sind in orthodoxen Synagogen nicht gleichberechtigt. Dabei ist Engagement in der Religion meist Frauensache. Der Bayerische Landesfrauenrat lud nun in München zu einem Fachgespräch und wollte wissen, wie willkommen Frauen in ihren Religionen sind.

Widersprüche aushalten

"Willkommen in der katholischen Kirche. Sie können bei uns wie sonst in keiner Religion lernen, Widersprüche auszuhalten", sagte die Regensburger Kirchenrechtlerin Sabine Demel. Bei Jesu Tod und Auferstehung seien die Frauen anwesend gewesen, während sich die Männer vorsichtig im Hintergrund bewegt hätten. Deshalb dürfe man darüber "staunen und zweifeln", dass Frauen wegen ihres Geschlechts kein Weiheamt empfangen könnten. Papst Franziskus habe erst jüngst erneut betont, dass Johannes Paul II. diese Frage mit abschließender Gültigkeit entschieden habe. Dass Frauen gleichwertig seien, aber keine gleichen Rechte besäßen, sei "nicht logisch und auch nicht theologisch", findet Demel.

Die evangelische Landeskirche in Bayern führte die Frauenordination 1975 ein. Aktuell seien rund 30 Prozent der Pfarrstellen von einer Frau besetzt, berichtete Johanna Beyer, bis Juni Frauengleichstellungsbeauftragte ihrer Kirche. Diese seien eine Bereicherung der Seelsorge. "Aber auch wir sind noch nicht am Ende der Fahnenstange angekommen", erklärte Beyer. Ein Desiderat bleibe etwa die Verwendung der Bibel in geschlechtergerechter Sprache, was in der Liturgie der evangelischen Gemeinden kaum passiere.

Koran begründet keine Geschlechterdiskriminierung

"Frauen aller Religionen, vereinigt euch!", forderte die Muslimin Rabeya Müller. Die Konvertitin, die ihr Abitur an einer Schule von Ordensfrauen abgelegt hat, ist heute Imamin einer liberalen Gemeinde in ihrer Heimatstadt Köln. "Bei uns haben die Männer kein Problem damit, dass eine Frau vorbetet", so Müller. In ihrer Gemeinde würden Musliminnen auch mit andersgläubigen Männern getraut, was in konservativen Kreisen nicht gehe. Allerdings sei der liberale Islam mit vier Gemeinden in Deutschland in der Minderheit.

Geschlechterdiskriminierung lasse sich nicht durch den Koran begründen, so Müller. So habe Gott im Arabischen männliche und auch weibliche Namen. Allerdings sei der Islam 1.400 Jahre patriarchal ausgelegt worden. So mache Saudi-Arabien seinen wirtschaftlichen Einfluss geltend und hole junge Männer zum Theologiestudium ins Land.

Wenn diese dann gut alimentiert in ihre Heimat zurückkehrten, verträten sie den besonders streng konservativen wahabitischen Islam der Saudis, kritisierte Müller: "Es wird Zeit, dass sich Frauen ihre Deutungshoheit des Islams zurückholen."

Große Unzufriedenheit

Lara Dämmig, Mitbegründerin und Co-Vorsitzende der 1998 gegründeten jüdisch-feministischen Initiative Bet Debora, sagte, Jüdinnen in Deutschland hätten vor der Shoa bereits viel an Gleichberechtigung erreicht. So sei 1935 die weltweit erste Rabbinerin Regina Jonas Deutsche gewesen. Nach 1945 sei jüdischer Feminismus in Deutschland kein Thema gewesen, doch habe sich seither ein vielfältiges Judentum herausgebildet. Auch im Zentralrat der Juden seien mittlerweile liberale Gemeinden vertreten. Während in Deutschland nur sechs Rabbinerinnen in liberalen und konservativen Gemeinden wirkten, gebe es in den USA und sogar in Israel bereits Rabbinerinnen in orthodoxen Gemeinden, so Dämmig.

In der anschließenden Diskussion wurde klar, dass viele Frauen mit der Situation nicht zufrieden sind. Zudem ist die Sorge groß, dass sich angesichts einer weltweit zunehmend patriarchalen Stimmung das Klima für die Gleichberechtigung weiter verschlechtern könnte. Die evangelische Christin Beyer plädierte dafür, "den Verführern und Vereinfachern aus der Riege der Genderfeinde Paroli zu bieten".

Dämmig hob den Wert der Vernetzung hervor. Die Katholikin Demel wünschte sich weniger oft die Frage nach dem Dürfen, stattdessen gelte: "Was müssen wir tun, um unserer Berufung gerecht zu werden?"

Gabriele Riffert
(KNA)

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