Kardinal Marx an Fronleichnam
Kardinal Marx an Fronleichnam
Fronleichnam in Köln
Fronleichnam in Köln
Fronleichnamsprozession  2017 in Köln
Fronleichnamsprozession 2017 in Köln
Fronleichnam in Köln
Fronleichnam in Köln

15.06.2017

Zehntausende Katholiken feiern Fronleichnam Bischöfe rufen zum Einsatz für andere auf

Zehntausende Katholiken in Deutschland haben am Donnerstag mit Messen und farbenfrohen Prozessionen das Fronleichnamsfest begangen. Bischöfe riefen zu mehr Engagement auf.

An Fronleichnam haben katholische Bischöfe zum Einsatz für andere aufgerufen. Ausdrücklich hervorgehoben wurde in mehreren Predigten das Engagement für Flüchtlinge, Arme und Benachteiligte. Bei meist strahlendem Sonnenschein fanden in vielen Städten festliche Prozessionen statt. Die katholische Kirche feiert das Fest Fronleichnam stets am zweiten Donnerstag nach Pfingsten.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki prangerte erneut den massenhaften Tod von Flüchtlingen im Mittelmeer an. Allein in den ersten Monaten dieses Jahres seien rund 1.800 Menschen in den Fluten umgekommen, sagte er in einem Gottesdienst vor dem Kölner Dom. In den 52 Wochen seit dem vergangenen Fronleichnamsfest seien erneut unzählige Menschenleben ausgelöscht worden.

Woelki erinnerte an das Flüchtlingsboot, das im vorigen Jahr am selben Ort als Altar gedient hatte. Vielen habe dieses Symbol verdeutlicht, dass Jesu Leib am Kreuz derselbe sei, dem man in den Ärmsten der Armen begegne. Ausdrücklich erwähnte der Kardinal Ertrunkene im Mittelmeer, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, traumatisierte Kinder aus Bürgerkriegsregionen sowie die rund 23 Millionen Hungernden in Südostafrika.

"Fülle des Glaubens bezeugen"

Allein in München nahmen mehr als 10. 000 Menschen an der Messe auf dem Marienplatz vor dem Rathaus teil, wie das Erzbischöfliche Ordinariat mitteilte. Unter blauem Himmel zogen die Gläubigen anschließend zusammen mit Kardinal Reinhard Marx in der Fronleichnamsprozession bis zum Königsplatz. "Katholisch sein bedeutet nicht, gegen andere zu sein, sondern es bedeutet, die Fülle des Glaubens bezeugen zu wollen", so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Gerade am Fest Fronleichnam gelte es deutlich zu machen: "Wir streben die Einheit aller Christen an."

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode rief dazu auf, trotz Terror und Gewalt an der "entwaffnenden Kraft der Liebe" festzuhalten. Christen sollten sich für Frieden einsetzen und sich für Alte und Arme engagieren. Zudem müssten sie sich um Redlichkeit und Echtheit bemühen, so der Bischof. Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen unterstrich, für Christen höre das Kirche-Sein beim Verlassen des Kirchengebäudes nicht auf. Sie seien gesandt, sich im Alltag den Menschen "zur Verfügung zu stellen, die unsere Hilfe und Begleitung nötig haben". Christen müssten Barmherzigkeit, Gnade und Frieden in eine Welt bringen, wo "man einander fertigmacht".

Nicht wegerklären

In Bamberg nannte Erzbischof Ludwig Schick das Fronleichnamsfest ein öffentliches Bekenntnis zu Jesus Christus und damit eine Demonstration für Frieden, Gerechtigkeit und Menschenwürde. Die mitfeiernden Gläubigen setzten ein Zeichen gegen Gewalt und Terror.

Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa betonte, der Begriff Fronleichnam dürfe "unter keinen Umständen wegerklärt werden und verschwinden". Das Hochfest stehe auch für das Gedenken daran, dass Jesus sich als Auferstandener gezeigt habe. Die Resignierten habe er zu einem neuen Aufbruch bewegt.

"Lebendige Monstranzen"

Nach den Worten des Passauer Bischofs Stefan Oster bezeugen die Teilnehmer von Fronleichnamsprozessionen, dass sie "zu denen gehören, denen Christus etwas von sich gegeben hat". Sie sollten so zu "lebendigen Monstranzen" werden, also zu Menschen, denen man anmerke, zu wem sie gehörten. Eine Monstranz ist ein meist kostbar verziertes Schaugefäß für eine geweihte Hostie, in der Christus nach katholischer Überzeugung gegenwärtig ist.

Beim Berliner Fronleichnamsfest mit Erzbischof Heiner Koch nahm erstmals der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, teil. Er betonte in einem Grußwort, es sei seine erste Teilnahme an einem Fronleichnamsgottesdienst überhaupt. Es sei ein Zeichen, "dass es in der Ökumene nicht nur schöne Worte gibt", sondern dass die Kirchen einander achteten, auch in der "schwierigen Frage" des Abendmahls. Zwischen der evangelischen und der katholischen Kirche gibt es aus theologischen Gründen bisher keine Abendmahlsgemeinschaft.

"Kein Kampftag der Konfessionen" mehr

Der evangelische Bischof erinnerte daran, dass der Karfreitag und das Fronleichnamsfest früher "Kampftage der Konfessionen" gewesen seien. Durch wechselseitige Provokationen hätten Protestanten und Katholiken ihre Geringschätzung der unterschiedlichen Frömmigkeitsformen zum Ausdruck gebracht. "Diese Zeiten sind vorbei", betonte Dröge unter Applaus, "auch in Berlin weht ein anderer Geist".

Fronleichnam wurde 1264 von Papst Urban IV. zum offiziellen kirchlichen Fest erklärt. Der Begriff "Fronleichnam" stammt aus dem Mittelhochdeutschen: "fron" bedeutet "Herr" und "lichnam" meint den lebendigen Leib. An Fronleichnam, dem "Hochfest des Leibes und Blutes Christi", zeigen Katholiken öffentlich ihren Glauben an die Gegenwart Christi im Sakrament der Eucharistie

(KNA, dpa)

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