Statue der Hl. Teresa in Toldeo
Statue der Hl. Teresa in Toldeo

25.03.2015

Mystik lernen von Teresa von Ávila Mitreißende Agentin Gottes

Was ist christliche Mystik? Vor fast 50 Jahren formulierte der Jesuit Karl Rahner den Satz: "Der Christ von morgen wird ein Mystiker sein, einer, der etwas 'erfahren' hat, oder er wird nicht mehr sein." Teresa von Àvila war solch eine Mystikerin.

In unserer pluralistisch-säkularen Gesellschaft gibt es ein Überangebot an Sinnentwürfen, das eine Orientierung an christlicher Lebensgestaltung erschwert. Gleichzeitig wächst der Hunger nach verlässlichen Lebenshilfen, die längst nicht mehr nur in den Kirchen gesucht werden. Genau in diesen Kontext passt eine Frau, die es als ängstliche Nonne wagt, sich leidenschaftlich ganz auf Gott einzulassen und so zu seiner mitreißenden Agentin wird: Teresa von Ávila.

Ihr abenteuerlicher Lebensweg zeigt, was Mystik als persönlich gelebte Liebesbeziehung zu Gott ist und bewirkt. Zugleich wird deutlich, dass Teresa auch heute noch als Lehrmeisterin des inneren Betens eine ausgezeichnete Begleiterin für Menschen auf der Sinnsuche sein kann.

Zwei Jahrzehnte innerer Zerrissenheit

Teresa wird vor 500 Jahren, am 28. März 1515, in Ávila in einer väterlicherseits jüdischen Familie geboren. Mit 20 Jahren tritt sie in das Karmelitinnenkloster ihrer Heimatstadt ein. Ihre Motive: Angst vor der Ehe und der damaligen Diskriminierung der Frau sowie Höllenangst. Fast zwei Jahrzehnte lebt sie in innerer Zerrissenheit: Nach einer schweren Krankheit (1539) gerät sie in eine längere innere Krise, die 1554 mit einer befreienden Bekehrung vor einem Schmerzensmann endet. Sie macht die tiefe Erfahrung, dass Gott sie so liebt, wie sie ist.

Die tägliche Praxis des inneren Betens

Dieses Erlebnis wird für sie zum Anstoß, auch anderen Menschen ihr neues Gottesbild zu vermitteln. So setzt sie mit wenigen Gleichgesinnten tatkräftig ihre Inspiration eines Neuanfangs am 24. August 1562 im kleinen Kloster San Jose in Ávila um. Es ist ihr erstes Reformkloster nach der ursprünglichen Regel des Karmel. Damit begann unter Schwierigkeiten das Leben der Unbeschuhten Karmelitinnen.

Zwei Wesenszüge charakterisieren die neue Gemeinschaft: Leben in strenger Klausur mit Handarbeit (Freisein von Wohltätern) und die tägliche Praxis des inneren Betens, das ihre Wandlung bewirkt hatte.

„Herumvagabundierendes und unruhiges Weib“

Im Auftrag ihrer Beichtväter schreibt sie ihre geistlichen Erfahrungen nieder. So entstand das „Buch meines Lebens“, in dem Teresa schonungslos offen ihren Lebensweg beschreibt, aber auch in einer glaubwürdigen Natürlichkeit über die mystischen Gnaden spricht, die ihr zuteil wurden. Ab 1567 folgen weitere 15 Frauenklostergründungen in Spanien, ab 1568 mit Johannes vom Kreuz zwei Männerklöster.

Die Umsetzung solcher Neuanfänge war - wie kaum anders zu erwarten - von vielen Schikanen, Verdächtigungen und Verfolgungen begleitet. Der Nuntius bezeichnete sie als „herumvagabundierendes und unruhiges Weib“. Doch Teresa ließ sich durch nichts in ihrem Sendungsbewusstsein beirren und starb am 4. Oktober 1582 als „Tochter der Kirche“ - und nicht als Ketzerin.

Freundschaft als Schlüsselwort

Teresa war eine unabhängige Frau mit einem wachen Gespür für ihre Zeit und einer geerdeten Spiritualität, die die Mystik in den Alltag zu integrieren wusste. So kann sie auch den Menschen unserer Zeit Wegweiserin zu einem vertieften Glaubensleben werden.

„Freundschaft“ ist ein Schlüsselwort zu ihrem Wesen, auch zu ihrer geistlichen Erfahrung. Für Teresa ist Gott ansprechbar im Menschen Jesus, den sie mit „Du“ anredet. Inneres Beten ist deshalb das „Verweilen bei einem Freund, mit dem wir oft allein zusammen sind, weil wir wissen, dass er uns liebt“.

In ihren ersten Klosterjahren spürte sie immer wieder, dass sie dieser Freundschaft nicht entsprach und hörte auf, das innere Beten zu pflegen. Später, nach ihrer Bekehrung gibt sie den weisen Rat:

„Wer mit dem inneren Beten begonnen hat, soll es nicht mehr aufgeben, mag er auch noch soviel Schlechtes tun, denn das Beten ist das Heilmittel, mit dem er sich retten kann, während ohne es alles viel schwerer wird.“

Gelebte Beziehung mitten im Alltag

Hier ist also Ausdauer gefragt und darauf, bei Fehlern und Schwächen auf das Erbarmen Gottes zu vertrauen, der mich in meiner Gebrochenheit annimmt und nicht erst meine Vollkommenheit zur Bedingung seiner Gnade macht. Inneres Beten ist für sie gelebte Beziehung mitten im Alltag: „Der Herr weilt auch zwischen den Kochtöpfen in der Küche.“ Denn nur so werde Mystik konkret und authentisch, wenn der Mensch versuche, Tag für Tag mit dem Gott zu leben, an den er glaube und den er als guten Freund und Meister erfahre in allem, was ihm widerfährt.

Elke Deimel
(KNA)

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