Babysegnungen bereiten oft den Weg zur Taufe
Babysegnungen bereiten oft den Weg zur Taufe
Dr. Britta Ortmans, Pastoralreferentin in St. Antonius in Herten
Dr. Britta Ortmans, Pastoralreferentin in St. Antonius in Herten

23.04.2021

Pastoralreferentin sieht Babysegnungen positiv "Das ist sehr vielversprechend"

Babysegnung statt Taufe? Für Kritiker wäre dies ein Schritt hin zur Verwässerung des christlichen Glaubens. Für die Pastoralreferentin Britta Ortmans hingegen schließen sich Segnung und Taufe nicht aus. Denn das eine führt meist zum anderen.

DOMRADIO.DE: Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen?

Dr. Britta Ortmans (Pastoralreferentin in St. Antonius in Herten): Die Idee stammt aus dem Bistum Essen. Da gibt es im Rahmen des Strategieprozesses "Zukunftsbild Bistum Essen" den Ansatz "Willkommen im Leben, kleiner Segen". Und wir in Herten gehören ja zum Ruhrgebiet, allerdings vom Bistum Münster. Ich habe in der Nachbarschaft entsprechende Plakate gesehen, die mich wirklich angesprochen haben. Dann habe ich Kontakt aufgenommen zu dem Projektleiter im Bistum Essen.

DOMRADIO.DE: Jetzt kennen viele vielleicht gar nicht den Unterschied zwischen Taufe und Babysegnung. Wo liegt denn dieser Unterschied?

Ortmans: Der Ansatz bei einer Babysegnung ist niederschwellig. Das heißt, wir gratulieren den Eltern zur Geburt ihres Kindes und laden ein zu einer Segensfeier. Das wird hier im Ruhrgebiet sehr gut angenommen.

DOMRADIO.DE: Wie läuft das ganz praktisch ab?

Ortmans: Die Segnung findet in der Kirche statt. Das ist eine Art Wortgottesdienst. Ganz am Ende findet dann der Segen statt. Wir hier in Herten haben das so gemacht, dass wir anschließend auch noch die Eltern einladen. Vor Corona haben wir sie zu einem Kaffee und ein paar Plätzchen eingeladen, wo wir mit den Eltern ins Gespräch gekommen sind. Die Eltern selbst waren meistens ganz froh, andere Eltern mit Kindern im ähnlichen Alter kennenzulernen.

Sie haben auch die Gelegenheit, sich nach der Taufe zu erkundigen. Von daher ist das für mich kein Widerspruch, sondern ein Ansatzpunkt, um mit Eltern in Kontakt zu kommen und dann auch Infos darüber zu geben, was die Taufe überhaupt ist, wie man Kontakt zur Pfarrgemeinde aufnimmt und ähnliche Fragen. Das ist sehr vielversprechend, finde ich.

DOMRADIO.DE: Jetzt gibt es ja Theologen, die diese Segensfeiern für Neugeborene kritisch sehen. Sie befürchten ein Zweiklassenchristentum. Wie sehen Sie das?

Ortmans: Wir sehen das genau anders. Es geht darum, erst einmal wieder mit Eltern in Kontakt zu kommen und sozusagen den Weg zu bereiten.

DOMRADIO.DE: Hatten Sie schon mal den Fall, dass dann auch Leute die Kinder hinterher noch haben taufen lassen?

Ortmans: Ja, mehrfach. Was die Anzahl der Interessierten anbetrifft, haben wir hier in Herten die Erfahrung gemacht, dass es vom Standort abhängt. Dass die Kirche barrierefrei zugänglich ist, ist wichtig, weil viele mit Kinderwagen kommen. Zudem müssen Parkplätze in der Nähe vorhanden sein. Deswegen sind wir nach Disteln ausgewichen. Da hatten wir mehrfach sogar unter Corona-Bedingungen recht viele Familien. Also beim ersten Mal, als wir es in Disteln gemacht haben, waren 15 Familien, also ungefähr 60 Personen mit dabei.

Das Interview führte Heike Sicconi.

(DR)

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