Die Heilige Familie in einer Krippe
Die Heilige Familie in einer Krippe

19.03.2021

Zum Fest des heiligen Josef Der Schweigsame im Hintergrund

In der heiligen Familie scheint er eher eine Nebenrolle zu spielen. Dabei kann der heilige Josef gerade durch sein unscheinbares Wirken und sein Gespür für Gerechtigkeit ein großes Vorbild sein.

Längst nicht nur für die katholische Welt war es ein Schock, als sich am 29. September 1978 die Nachricht vom plötzlichen Ableben des Papstes Johannes Paul I. verbreitete. Nur 33 Tage zuvor war der Patriarch von Venedig, Albino Luciani, zum neuen Pontifex gewählt worden. Und nun, nur einen knappen Monat später, sollte das Kardinalskollegium erneut zusammentreten.

Nicht viel konnte Johannes Paul I. in seinem sehr kurzen Pontifikat erreichen. Die Zeit war zu knapp, um größere Lehrschreiben zu verfassen oder gar Auslandsbesuche zu tätigen. Dennoch hat sich Luciani aufgrund seiner Herzlichkeit, die ihn auszeichnete, als "Papa del sorriso", als "Papst des Lächelns", einen Platz in den Herzen vieler Gläubiger gesichert. Nach seinem Tod wurde daher auch die Grabinschrift zitiert, die einst für Leo XI. verfasst worden war: "Ostensus magis quam datus - Er hat mehr gezeigt als gegeben".

Fest des Heiligen Josef

Diese lateinische Inschrift trifft irgendwie auch auf den heiligen Josef zu, dessen Fest die Kirche am 19. März feiert. Auch von Josef kann gesagt werden: Er hat mehr gezeigt als gegeben. Große Reden sind von ihm ebenso wenig überliefert, wie Episoden, die sich um sein Leben ranken würden. Josef ist in den Evangelien eine Nebenfigur, eine undankbare noch dazu.

Denn was er alles durchstehen und mitmachen muss, ist nicht ohne.

Besonderes Augenmerk legen die Evangelisten Lukas und Matthäus auf die Kindheitsgeschichte Jesu: In ihr bewährt sich Josef als gütiger Ziehvater, der sich vor allem dadurch auszeichnet, dass er zu seiner Verlobten Maria steht. Und das, obwohl ihre Schwangerschaft mehr als rätselhaft ist. Josef verlässt sie nicht, er zieht mit ihr zusammen nach Bethlehem hinab. Und wahrscheinlich hat er später, in Nazareth, auch eine tragende Rolle in der Erziehung des jungen Jesus übernommen. Zumindest heißt es im Lukasevangelium, dass Jesus seinen Eltern untertan war.

Josef hat mehr gezeigt als gegeben: Er hat nicht die großen Worte gebraucht, um das zu zeigen, was ihm wichtig war. Bei Matthäus heißt es, dass Josef gerecht war. Ein Gerechter, das war ganz im Sinne des Alten Testaments einer, der sich auf Gott verlassen hat, der Freude hat an seinem Wort und der ganz nach dem Gesetz lebt. Die Gerechtigkeit des Josef wird nicht in seinen großen Worten erkennbar - solche sind von ihm gar nicht überliefert.

Dass Josef gerecht war, das zeigt sich in seinem Handeln. Gerechtigkeit lässt sich an seinem Leben ablesen, wenn er Maria nicht vom Hof jagt, sondern sich ihrer und des Kindes liebevoll annimmt.

Seine Gerechtigkeit wird dort deutlich, wo Josef sein eigenes Schicksal hintan stellt, um seiner Verlobten und dem Kind das Wohlergehen zu garantieren. Josef sagt nicht, was für ihn heißt, gerecht zu sein. Aber er zeigt es, indem er die Gerechtigkeit mit Leben erfüllt.

Der Schweigsame im Hintergrund

Josef hat mehr gezeigt als gegeben: Er ist der Schweigsame, der im Hintergrund wirkt. Er ist der, der nichts überstürzt, der sich Zeit nimmt, um Entscheidungen zu treffen. Als er überlegt, sich von Maria zu trennen, da schläft er sogar eine Nacht drüber, bevor er sich für eine Handlungsoption entscheidet. Josef ist da. Und mehr braucht es eigentlich doch gar nicht. Denn alleine durch sein Dasein weist Josef auf den hin, der hinter allem steht und der letztlich so großes gewirkt hat: der "Ich bin".

Dass Josef mehr gezeigt als gegeben hat, stimmt eigentlich nicht wirklich. Denn der unscheinbar wirkende Josef zeigt mit seinem heiligmäßigen Leben sehr viel, und gerade darin hat er den Christen doch auch etwas gegeben: ein Beispiel, wie wir selber leben sollen.

In Josef ist allen Menschen ein Vorbild gegeben, wie ein gerechtes Leben aussehen kann. Wie man sich hoffnungsvoll und zuversichtlich in Gottes Pläne einfügt - auch wenn sie einem manchmal verborgen sind.

All das gibt Josef, und deshalb ist sein Fest eine Einladung, immer neu auf ihn zu schauen und von seinem Leben zu lernen.

Fabian Brand
(KNA)

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