Darstellung des Heiligen Ignatius von Loyola im Petersdom
Darstellung des Heiligen Ignatius von Loyola im Petersdom

20.05.2020

Was wir von Ignatius von Loyola lernen können Lebenswende in der Isolation

Wer in der jetzigen Corona-Krise die Uhr um knapp ein halbes Jahrtausend zurückdreht, findet erstaunliche Parallelen zum Schicksal des heiligen Ignatius von Loyola - und kann von dem Spanier lernen.

Die Gesundheit war, wie derzeit für alle von uns, auch für Ignatius von Loyola in jenem Schicksalsjahr 1521 das alles beherrschende Thema. Auch der gebürtige Baske verbrachte gegen seine Pläne und seinen Willen längere Zeit zuhause. Auch er erlebte, wie seine Welt still stand. Die Umstände brachten Gedankenkarussells in Schwung, die ihn das Gestern und Morgen überdenken ließen. Die neue Situation öffnete ihm die Augen - und uns?

Blicken wir zunächst in Zusammenhänge und Chronologie. Es geschah am 20. Mai 1521, als sich das Leben des damals 20-jährigen Ignatius für immer verändern sollte. Als Soldat im Dienst des Vizekönigs von Navarra war er an der Verteidigung der Festung von Pamplona gegen die Franzosen beteiligt. Doch eine Kanonenkugel zertrümmerte seine Beine - und damit auch seine Hoffnung auf eine Karriere am Hof.

Rhythmus des Lebens verändert

Nach der Erstversorgung schaffte man ihn auf einem Tragbett ins heimatliche Turmhaus nach Loyola, ein Dorf im Hinterland der baskischen Atlantikküste. Die Behandlungen der Ärzte und Chirurgen, die ihm die Knochen richteten, empfand er als "Schlächterei", wie er später im autobiografischen "Bericht des Pilgers" bemerkte. Er war dem Tode nahe, erholte sich aber.

Die Gegebenheiten zwangen ihn - wie viele Menschen gearde jetzt - den Rhythmus des Lebens von Hundert auf Null herunterzufahren. Statt weiter die Welt zu erkunden und sich ritterlicher Kampfeslust hinzugegeben, fand er Zeit und Muße für Ungewohntes. Er vertiefte sich - auch das zunächst gezwungenermaßen, weil im Haus nichts anderes vorhanden war - in Erbauungsliteratur des Spätmittelalters: die "Vita Christi" des Ludolf von Sachsen und die "Legenda aurea", eine Sammlung von Heiligenlegenden des Jacobus de Voragine. Er las, ließ es sich in sich arbeiten, füllte 300 Seiten mit eigenen Abschriften. Schließlich fasste Ignatius den Plan, den großen Heiligen nacheifern zu wollen. So ebnete ihm der andersartige Lebensrahmen unversehens den Weg in die Tiefe des Glaubens.

Chancen in der Krise

Krisen, Katastrophen und vermeintliche Leeren bergen, so sehr das zunächst Negative überwiegen mag, auch ihre Chancen. Folgt man der Biografie des Jesuiten Stefan Kiechle, übertrug Ignatius während der Rekonvaleszenz im Grunde nur seine ritterlichen Ideale auf Heilige - aber warum nicht? Es diente dem Guten, machte ihn letztlich zum Gründervater der Jesuiten.

Was wir von Ignatius lernen können? Impulse zulassen, so ungewöhnlich sie sein mögen. Die Isolation durchhalten, getragen vom Glauben an sich selbst, und vom Glauben an Christus. Ins Innere horchen, Anstöße reflektieren, die heute dank der vielen digitalen Fenster zur Welt schier unendlich sind. Inwieweit man dabei Grenzen auslotet, Ideale verändert, die spirituelle Kraft ergründet, kommt auf den Einzelnen an.

Radikale Kehrtwende

Das Resultat muss ja nicht gleich eine radikale Kehrtwende des Lebens wie bei Ignatius sein. Ebenso wichtig als Lerneffekt: das Licht der Hoffnung bewahren, im Geiste die Zeit vorspulen, an das Hoch nach dem Gang durch die Talsohle denken, Pläne schmieden. Das kann der nächste Urlaub sein oder eine Pilgerschaft.

Leicht ums Herz wurde es Ignatius, wenn er betete oder auf Fantasiereise aufbrach ("barfuß nach Jerusalem"). Und, wie er über sich in der dritten Person im "Bericht des Pilgers" festhielt: "Die größte Tröstung, die er empfing, war, den Himmel zu schauen und die Sterne. Dies tat er viele Male und über lange Zeit; denn dadurch verspürte er in sich einen sehr großen Eifer, Gott unserem Herrn zu dienen."

Mittlerweile ist ein knappes halbes Jahrtausend verstrichen - doch all das können wir heute, auf diese oder jene Weise, dem Heiligen gleichtun. Bleibt zu hoffen, dass die Länge der lastenden Corona-Zeit überschaubar bleibt. Ignatius von Loyola hat unter erschwerten Bedingungen vorgemacht, wie man eine Krise bewältigt. Er war über acht Monate daheim, teils strikt gefesselt ans Krankenbett - und ging gestärkt daraus hervor.

Andreas Drouve
(KNA)

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