P. Meyer leitet die Cappella Lacensis bei Aufnahmen für Domradio.de
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01.03.2020

Warum Pater Philipp mit 24 Jahren ins Kloster ging So mitreißend kann Glaube sein

"Gott macht unruhig - in einer positiven Weise", sagt Pater Philipp Meyer. Gleichzeitig sorgt er sich um das Erscheinungsbild der Kirche. Über den Glauben und seinen Weg ins Kloster hat der Mönch der Abtei Maria Laach jetzt ein Buch geschrieben.

DOMRADIO.DE: Viele Menschen sind heute auf einer spirituellen Suche, manchmal fällt in diesem Zusammenhang das Schlagwort von der "Wellness-Religion", die sich dann manche selbst zusammenbasteln. Ihr Buchtitel klingt da ganz anders: "Gott macht unruhig". Warum diese Überschrift?

Pater Philipp Meyer OSB (Mönch der Benediktinerabtei Maria Laach): Weil ich der Überzeugung bin, dass der christliche Glaube genau das Gegenteil von einer Wellness-Religion ist. Dass es eben nicht darum geht, sich aufs Sofa zu setzen und berieseln zu lassen. Der heilige Augustinus hat gesagt: "Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir, mein Gott." Das liegt als Idee diesem Buch zugrunde, weil ich glaube, dass wir, je mehr wir auf Gott zuschreiten, auf Gott zugehen, im Leben auch unser Herz unruhiger wird. Aber nicht als eine nervöse Unruhe, sondern als eine freudige Unruhe, weil wir ein Ziel haben, auf das wir zugehen können.

DOMRADIO.DE: Wenn man wie Sie in ein Kloster eintritt, dann hat man ein Ziel, nämlich dieses Leben in der Stille, im Gebet, aber auch in der Arbeit zu führen. Ihre Erfahrungen als Mönch spielen natürlich stark in dieses Buch hinein. Warum sind Sie als junger Mensch mit 24 Jahren ins Kloster eingetreten?

Pater Philipp: Ja, ich bin vielleicht auch ein unruhiger Mensch und ein suchender Mensch, und das hat mich ins Kloster geführt. Der mich am meisten ansprechende Satz in der Regel unseres Ordensgründers Benedikt kommt gleich im Prolog. Da geht es nämlich um die Unruhe und um auch das Schwere, das Anstrengende auf dem Weg der Gottsuche.

Aber der heilige Benedikt schreibt: Wenn man diesen Weg geht, konsequent geht, wird einem das Herz weit. Man wird ruhig, und man kommt zu einem Frieden, der größer ist als alles, was die Welt geben kann. Und für den Novizen, dem Neuling im Kloster gilt, und das finde ich auch einen ganz wesentlichen Punkt beim heiligen Benedikt, dass er sagt: Das Allererste, auf das zu schauen und zu fragen ist bei einem, der ins Kloster geht, ist, ob er wirklich Gott sucht. Und das ist auch das Grundanliegen meines Buches, denn wir alle sind Gott-Sucher. Und das sollte eigentlich auch der Grundtenor der Kirche sein.

DOMRADIO.DE: Und wie kann Ihr Buch konkret den Leserinnen und Lesern dabei helfen, Gott in einem ersten Schritt zu suchen, aber vielleicht dann auch zu finden?

Pater Philipp: Ich habe diesem Buch ein Gebet zugrunde gelegt, das Jesus Christus als Quelle des Lebens behandelt. Dieses Gebet ist von Papst Benedikt XVI. Das ist deswegen für mich so beeindruckend, weil er nach 60 Jahren als Priester - das war der Anlass für dieses Gebet - nicht eine große politische Zusammenfassung hält, sondern ganz schlicht und einfach Jesus Christus als die Quelle des Lebens bezeugt. In diesem Gebet formuliert er, dass wir alle die Möglichkeit haben, füreinander und für andere zu einer Quelle zu werden. Das ist eine große Berufung, dass nicht Jesus sagt: "Ich bin die Quelle", sondern dass er sagt: "Auch Ihr seid dazu berufen, Quelle zu sein für andere."

DOMRADIO.DE: Und wie füllen Sie diese Glaubenszusage in Ihrem Buch inhaltlich?

Pater Philipp: Die einzelnen Kapitel haben als Überschrift die einzelnen Sätze dieses Gebetes. Und dann nehme ich jeden einzelnen Satz her und versuche, daraus eine biblisch fundierte spirituelle Sprache zu entwickeln. Da geht es nicht um Anweisungen, da geht es nicht um Richtlinien, sondern mir geht es um mein Suchen, um meine Gedanken, an denen ich andere teilhaben lassen möchte.

DOMRADIO.DE: Wir leben in kirchlich unruhigen Zeiten. Sie sagen mit Blick auf Ihr Buch, dass Sie sich Sorgen um das Erscheinungsbild der Kirche machen. Warum?

Pater Philipp: Wir haben jetzt gerade das päpstliche Schreiben von der Amazonas-Synode vorgelegt bekommen. Ich habe in diesem Zusammenhang gelesen, wie schwer es Papst Franziskus getroffen hat, was in den Medien, was in der Öffentlichkeit über dieses Dokument kolportiert wird. Denn das Wesentliche, das für den Papst entscheidend ist und sein ganzes Pontifikat ausmacht, das wird überhaupt nicht beachtet. Stattdessen meint ein Großteil der Leute, dass bestimmte Reformen jetzt kommen müssen, sonst wird die Kirche zusammenbrechen. Da bin ich genau der gegenteiligen Meinung.

DOMRADIO.DE: Wie meinen Sie das?

Pater Philipp: Es geht mir um die Frage: Was ist das Wesentliche und was ist das Unwesentliche? Und die Fragen, die heute für die Kirche gestellt werden, die werden auch nicht ungerechtfertigt gestellt, aber oft in einem politisch gedachten Kontext. Und es geht da um die Frage "Können wir das und das?" Und wenn alle dafür sind, dann muss diese Reform auch so kommen. Ich wage nicht zu sagen, was irgendwann mal kommen wird in der Kirche oder was auch nie an Reformen passieren wird. Das steht mir auch gar nicht zu, und das steht eigentlich auch überhaupt keinem zu - auch den Bischöfen nicht.

Denn was der Heilige Geist mit seiner Kirche vorhat, das weiß nämlich auch ein Bischof nicht. Und das weiß auch der Papst nicht, und ich glaube, der ist sich auch ganz sicher, dass er das nicht weiß. Und insofern lädt Papst Franziskus dazu ein, und das möchte ich mit diesem Buch auch tun, uns wieder neu einzuwurzeln in Jesus Christus im Evangelium. Denn das ist die Quelle, aus der sich unser ganzer Glaube speist. Und ein wichtiges, kurzes Stoßgebet ist doch das bekannte Wort: "Herr, ändere deine Kirche und fange bei mir an". Denn der Weg zur persönlichen Umkehr, der ist meistens immer noch der allerschwerste.

Das Interview führte Mathias Peter.

(DR)

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