Gloria von Thurn und Taxis
Gloria von Thurn und Taxis
Fürstin Gloria von Thurn und Taxis
Fürstin Gloria von Thurn und Taxis

23.01.2020

Fürstin Gloria entfaltet in 15 TV-Minuten ihr Weltbild "Ich gehöre auf eine Comedybühne"

Zuletzt trat Fürstin Gloria häufiger mit Kardinal Gerhard Ludwig Müller auf, um über Gott und die Welt zu sprechen. Nun gelang es der konservativen Adligen, in 15 Minuten TV-Talk tiefe Einblicke in ihre Welt zu gewähren.

Als "Katholikin und Unternehmerin" ist Fürstin Gloria von Thurn und Taxis in der ARD-Sendung "Maischberger. Die Woche" angekündigt. Ihr Thema: "Machtkampf im Vatikan". Warum auch immer die Redaktion gerade auf diese "Expertin" gekommen ist, bleibt zunächst offen. Offensichtlich war sie Ersatz für den Berliner Erzbischof Heiner Koch, der für die Sendung abgesagt hatte.

Vor allem soll die sehr konservative Regensburger Fürstin Ordnung in die Wirren um das Buch von Kardinal Robert Sarah unter Mitwirkung des emeritierten Papstes Benedikt XVI. bringen. Das Werk, in dem die beiden Kirchenmänner den Pflichtzölibat verteidigen, hatte für erheblichen Wirbel gesorgt; vor allem wegen der Frage nach dem Anteil des 2013 zurückgetretenen Pontifex. Sein Privatsekretär, Erzbischof Georg Gänswein, hatte klargestellt, Benedikt XVI. sei nicht Co-Autor des Buchs, sondern habe "nur" einen Aufsatz beigesteuert.

Auftritt in Schwarz

Ebenso fragten sich einige, ob der weltweit anerkannte Theologieprofessor Joseph Ratzinger seinem Nachfolger auf dem Stuhl Petri in die Parade fahren wollte. Denn bald soll ein Dokument erscheinen, in dem Franziskus im Nachgang zur Amazonas-Synode darlegen wird, ob er in bestimmten Ausnahmefällen verheiratete Priester zulassen würde. Das hatten weite Teile der Synode vorgeschlagen, um den mitunter krassen Priestermangel in den Amazonasgebieten zu mildern.

"Er mischt sich ja nicht wirklich ein", erläutert die ganz in Schwarz gekleidete Fürstin die Absichten von Benedikt XVI., den sie bereits in den 80er Jahren als Münchner Erzbischof kennengelernt hat. "Es ist ein großer Theologe, der natürlich noch völlig da ist und ab und zu noch Texte und wissenschaftliche Arbeiten schreibt", beschwichtigt Gloria.

"Man bedient sich der Indianer"

"Dieser reizende afrikanische Kardinal" Sarah, Leiter der vatikanischen Gottesdienstkongregation und "also einer der Prinzen der Kirche", habe sich mit dem Thema an den 92 Jahre alten Papst gewandt. "Sie wissen, wie Wissenschaftler sind und Professoren", erklärt Gloria. Die wollten ihre Texte "nicht in der Schublade liegen" lassen.

"Wahnsinnig aufgeregt" hätten sich freilich "die Leute, die diese Agenda pushen, dass es verheiratete Priester geben soll", so die Fürstin weiter. Wer denn den Zölibat abschaffen wolle, will Moderatorin Maischberger wissen. "Nicht der Papst, sondern die deutsche Kirche", und dafür bediene man sich sogar der "Indianer", erklärt die Fürstin: "Man kann sagen, der Rhein fließt den Amazonas runter."

Entsakramentalisierung des Priestertums?

Bei einem großen Teil der Kirche sei Missionieren "komplett out", beklagt sie weiter: "Das sind die Jungs, die die verheirateten Priester wollen. Denn verheiratetes Priestertum bedeutet nichts anderes, als dass die Kirche aufhört zu existieren." Die deutsche Kirche wolle "einfach das Priestertum entsakramentalisieren und damit zerstören".

Als "Beweis" zieht sie den - zölibatlosen - Mitbewerber heran: "Die protestantische Kirche ist ja heute nur noch eine politische Vereinigung mit Meditationskomponente." Maischberger, die immer wieder ansetzt, um anzumerken, sie kenne viele Protestanten, die das deutlich anders sähen, wirkt phasenweise fast hilflos gegenüber so viel geballter Meinungskraft.

Die zeigt Gloria auch mit Blick auf den Papst aus Argentinien: "Ich find ihn klasse. Papst Franziskus ist ein ganz toller Typ und der charmanteste Mensch, den es überhaupt gibt." Außerdem wolle er "den Zölibat gar nicht weghaben". Schließlich sei er ein "in der Wolle gefärbter Jesuit und Ordensmann". Über die beiden Päpste weiß Gloria ganz genau: "Die streiten nicht, die sind Freunde. Diese ganze Geschichte ist - pardon, wenn ich das sage - eine Erfindung der Medien, weil die Zeitung verkauft werden muss."

"Nur auf der Comedybühne kann man noch die Wahrheit sagen"

Dann schweift das Gespräch in Richtung Politik, zunächst auf Bayerns Ministerpräsidenten: "Markus Söder ist Protestant, aber sein Herz schlägt katholisch. Ganz toll, wie er immer wieder das Christliche in den Vordergrund stellt, das sind wir so von den Politikern nicht mehr gewöhnt." Dass Baden-Württembergs Landesvater Winfried Kretschmann katholisch ist und betet, findet sie gut. Dennoch: "Ich? Wählen? Die Grünen? Niemals", ruft Gloria fast erschrocken aus. "Weil ich ja schon grün bin. Wenn man Bauer und Forstwirt ist, ist man grün", so die Waldbesitzerin.

Selbst in die Politik gehen wolle sie keinesfalls. "Ich sag meine Meinung, ich gehöre vielleicht auf eine Comedybühne", betont die Fürstin: "Die Comedybühne, der einzige Ort, wo man heute noch die Wahrheit sagen darf!" Ihre Viertelstunde bei Maischberger wirkte bereits wie ein Probelauf. Und zeigte einmal mehr, dass auch auf der Talkshowbühne Unterhaltungswert und Meinungsfreude oft schwerer wiegen als echtes Interesse an Fakten und Hintergründen.

Sabine Kleyboldt
(KNA)

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