Smartphone
Mit einem Smartphone am Gottesdienst teilnehmen
Pfarrer Rasmus Bertram (Projektleiter bei sublan.tv)
Pfarrer Rasmus Bertram (Projektleiter bei sublan.tv)

01.10.2019

Mit dem Smartphone interaktiv am Gottesdienst teilnehmen Aus der Kirche ins weltweite Netz

Die evangelische Kirche in Hessen und Nassau bietet sogenannte "Sublan-Gottesdienste" an. Sie werden live im Internet übertragen, sodass sie Menschen an unterschiedlichen Orten mitfeiern und interaktiv mitgestalten können. Eine gute Idee?

DOMRADIO.DE: Sie arbeiten bei "sublan.tv". Was ist das denn genau?

Rasmus Bertram (Pfarrer der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und Projektleiter bei "sublan.tv"): Das ist eine Art Software mit deren Hilfe man eingehende SMS-Nachrichten ganz schnell sortieren kann und Beiträge mit dem gleichen Inhalt zu einer Nachricht zusammenfassen kann. Dadurch kann der Empfänger auch bei vielen Nachrichten direkt reagieren, wenn er zum Beispiel eine Frage gestellt bekommt. Oder man sieht was die Leute interessiert und kann darauf eingehen. Das ist natürlich beim Gottesdienst ganz wichtig, weil das Geschehen immer weitergeht. So bekommt man mit, was die Besucher gerade beschäftigt.

DOMRADIO.DE: Sie nutzen das im Gottesdienst?

Bertram: Genau, es ist vor allem für den Gottesdienst entwickelt worden. Denn wir haben gemerkt, dass die meisten Gottesdienste einfach nur ins Internet übertragen wurden und schon spricht man von einem Internetgottesdienst. Aber das stimmt nicht, eigentlich ist es ein Fernsehgottesdienst, der im Internet läuft. Denn Internet heißt mitmachen, beteiligen. Und das ist genau die Komponente, die unser System dann möglich macht.

DOMRADIO.DE: Wie funktioniert das? Die Gottesdienstbesucher sitzen ganz normal in der Kirche und halten zusätzlich das Smartphone in der Hand?

Bertram: Das ist genau die Horrorvorstellung, die alle haben. Sie haben lediglich ihr Smartphone in der Tasche und feiern den Gottesdienst ganz normal mit. Erst in dem Moment, in dem sie sagen, "Mensch, da möchte ich was zu sagen", "Da hab ich doch eine Erfahrung gemacht" oder "Ich hab eine Frage dazu", nehmen sie das Smartphone raus und schreiben in das freie Textfeld auf sublan.tv, was sie gerade beschäftigt. Dann geht das vorne beim Priester ein und er kann darauf reagieren.

DOMRADIO.DE: Wie kann er während des Gottesdienstes darauf reagieren?

Bertram: Er hat sein Tablet in der Hand und da sind drei Spalten eingerichtet: Pro, Kontra und Kurioses. Da sieht er dann immer, was er gerade macht und das ist das Besondere. Uns ist wichtig, dass der Gottesdienst nicht zu einer Diskussionsveranstaltung verkommt, bei der alle durcheinander reden, sondern der Priester und ein Liturg, die den Gottesdienst zusammen gestalten, können sehen, was gerade dran ist. Sie reagieren, wenn sie denken, dass es passt. Oder sie lesen es nicht vor, wenn Sie denken, das ist in diesem Moment nicht hilfreich.

DOMRADIO.DE: Könnte man auf diese Weise Fürbitten einreichen?

Bertram: Genau, ich habe mich jetzt typisch evangelisch auf die Predigt konzentriert, aber man gestaltet natürlich alle Teile des Gottesdienstes mit. Selbstverständlich können sie auch Fürbitten schreiben und unser System sortiert dann gleich. Es erkennt, das ist eine Fürbitte, die kommt erst am Schluss, auch wenn wir jetzt gerade mitten in der Predigt sind. Dadurch wird dieser Gottesdienst, der in der Kirche stattfindet, auch internettauglich. Er wird im Internet übertragen, sodass die Menschen auch außerhalb der Kirchengebäude an diesem Gottesdienst teilnehmen können. Ich glaube, das ist ein wichtiger Beitrag. Denn die Leute suchen heutzutage vor allen Dingen nach Antworten im Netz. Wie schwierig ist es daher, wenn es dort keinen Gottesdienst gibt, der auch Antworten liefert.

DOMRADIO.DE: Aber das ist keine echte Begegnung. Wenn man einen Internet-Gottesdienst mit dem Smartphone verfolgt, dann ist man doch nicht richtig Teil der Gemeinschaft, oder?

Bertram: Das ist die Befürchtung, die viele haben. Aber alle, die mal mitgemacht haben, sind berührt. Unsere Beiträge werden völlig anonymisiert und dadurch kommt es zu einem sehr ehrlichen Austausch, den man sonst so gar nicht hat. Ich würde nicht sagen, dass man nicht dabei ist. Im Gegenteil, man ist sogar sehr persönlich dabei und das berührt, auch wenn man sich nicht direkt sehen kann. So eine Erfahrung hat man auch beim Telefonieren. Man kann ja nicht sagen, ich habe keinen Kontakt zu meiner Tochter, die in Australien wohnt, wenn ich mit ihr einmal die Woche telefoniere. Dann habe ich sehr wohl Kontakt, sogar einen sehr engen.

DOMRADIO.DE: Neue Medien, vorneweg die sozialen Medien oder soziale Netzwerke, bieten die Möglichkeit, Menschen zu verbinden. Aber auch Hass und Populismus finden so ihren Weg durch das Internet. Sind die neuen Medien für Sie eher ein Segen oder Fluch?

Bertram: Auf jeden Fall ein Segen. Wie bei allen neuen Erfindungen gibt es immer schlechte Seiten und man muss gucken, wie man mit denen umgeht. Das Gute an unserem System ist, dadurch dass der Priester und der Moderator, die den Gottesdienst leiten, immer schauen, was sie vorlesen, was sie veröffentlichen und was nicht, können diese Sachen bei uns im Gottesdienst keinen Eingang finden.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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