Man nennt sie auch "Die gelben Engel".
Man nennt sie auch "Die gelben Engel".
Für Yvonne Willicks ist die Kirche nicht chancenlos.
Für Yvonne Willicks ist die Kirche nicht chancenlos.

03.09.2019

Moderatorin Yvonne Willicks über die Sehnsucht nach Gott Was der ADAC besser macht als die Kirche

Was der Pannendienst leistet, weiß jeder. Auch Kirche sollte verständlich agieren, sagt TV-Moderatorin und Buchautorin Yvonne Willicks. Auch wünscht sie sich mehr Persönlichkeit von Priestern.

Bonifatiuswerk: Viele denken darüber nach, aus der Kirche auszutreten. Was hält Sie in der katholischen Kirche?

Yvonne Willicks (TV-Moderatorin und Buchautorin): Mich hält die Gemeinschaft in der Kirche. Das Gefühl, dass ganz viele Menschen etwas Ähnliches empfinden, wenn ich im Gottesdienst bin, finde ich toll. Ich mag die Liturgie. Außerdem verbinde ich immer noch mehr Positives als Negatives mit der Kirche. Das hat auch mit meiner Geschichte zu tun. Ich hatte fast nur positive Erfahrungen. Ich möchte lieber jemand sein, der versucht, die Sache von innen besser zu machen, als von außen zu kritisieren.

Bonifatiuswerk: Wie kann Glaube im Alltag ganz praktisch Raum gegeben werden?

Willicks: Tatsächlich ist es so, dass ich bei Glaubenssachen eher weniger nach praktischen Tipps gefragt werde, sondern diese Fragen erst immer kommen, wenn man Kölsch getrunken hat und an der Theke steht. Mein Rat lautet dann: Macht euch ein bisschen lockerer. Ihr müsst euch nicht betrinken, damit ihr wieder Vertrauen habt, über den Glauben zu sprechen oder das Thema anzugehen, sondern dass man einfach - wie nach drei Kölsch - lockerer und entspannter wird. Ich stelle oft fest, dass es eine Sehnsucht gibt, wieder etwas zu haben, was Halt gibt. Viele Leute, die aus der Kirche ausgetreten sind, sagen: Mit der Kirche will ich nichts am Hut haben, aber ich sehne mich nach einer Beziehung zu Gott. Ihnen sage ich: Blendet das mal aus, was jetzt in den Schlagzeilen steht und fühlt nur in euch hinein, was ihr euch gerne wünschen würdet. Erinnert euch daran, wie ihr euch gefühlt habt, als eure Oma euch früher ein Segenszeichen auf die Stirn gemacht hat. Die meisten Leute werden sich an ein gutes Gefühl erinnern.

Bonifatiuswerk: Wie sieht für Sie Kirche der Zukunft aus?

Willicks: Ich glaube, dass der Mehrwert deutlicher werden muss. Was habe ich davon, wenn ich in die Kirche gehe? Der einzige Verein in Deutschland, der ständig zulaufende Mitgliederzahlen hat, ist der ADAC, weil man da genau weiß, was man bekommt. Ich habe eine Panne, dann kann ich den ADAC anrufen. Wenn ich mir aber Kirche angucke, dann ist nicht ganz klar, was ich dort eigentlich erhalte. Bekomme ich etwas Esoterisches? Bekomme ich etwas übergestülpt? Was bekomme ich da eigentlich? Ich glaube, es muss deutlicher werden, dass es ein Glück ist, wenn man sich auf den Glaubensweg einlässt.

Mit Blick auf eine Zukunftsvision der Kirche denke ich, dass die Mitgliederzahlen noch ein ganzes Stück weiter zurückgehen werden und es irgendwann doch nur noch einen kleinen elitären Haufen gibt. Da bin ich ehrlich gesagt ein wenig pessimistisch. Mit diesem riesengroßen Tanker, der sich so langsam bewegt, ist es schwierig, neue Dinge aufzubrechen. Andererseits bin ich wieder positiv gestimmt, wenn ich mir zum Beispiel das Event SilentMOD anschaue, bei dem es zehntausende Besucher in den Kölner Dom gezogen hat (Anm. d. Red.: Licht-, Klang- und Duftinstallation mit Techno-Künstlern). Solche Chancen muss man einfach besser nutzen.

Außerdem ist es unabdingbar, dass sich die Verantwortlichen in der Kirche mehr auf die Sprache der Menschen einlassen. Es ist ganz wichtig, authentisch zu bleiben. Ich habe oft das Gefühl, dass viele Priester sich hinter ihrem Theologiestudium verstecken. Da kommt dann zu theologischen Texten wenig Eigenes hervor. Das finde ich altbacken und lockt auch niemanden hinter dem Ofen hervor.

Das Interview führten Simon Rüffin und Theresa Meier (Bonifatiuswerk).

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