Caritas fordert menschlichen Einsatz digitaler Technik
Online für Politiker beten
Prof. P. Dr. Karl Wallner
Prof. P. Dr. Karl Wallner

12.07.2019

Warum für österreichische Politiker online gebetet wird "Hilfe von oben" zum Wohl des Landes

Auf der Online-Plattform "Prayforaustria" der Unternehmerin Hélène Cuenod kann man in einer politisch turbulenten Zeit für Österreichs Politiker beten. Auch "missio" unterstützt die Initiative. Wie funktioniert das und was steckt hinter der Idee?

"Die Internetseite betet nicht, sie ist eine Möglichkeit und eine Anregung, sich für das Gebet zu entscheiden", sagt die Katholikin und gebürtige Schweizerin Hélène Cuenod. Sie hat die Online-Plattform in Wien ins Leben gerufen, um zum Gebet für politische Verantwortungsträger aufzurufen.

Auslöser für die österreichische Gebetsinitiative "Prayforaustria – Beten für Politiker" ist das Video in der sogenannten "Ibiza-Affäre". FPÖ-Vizekanzler Hans Christian Strache war im Mai aufgrund der Querelen im Nachgang zu den Bildaufnahmen vom Amt des Vizekanzlers und als FPÖ-Parteiobmann zurückgetreten. "Es ist ein bisschen brisant, wenn plötzlich Gebet und konkrete Politiker zusammengebracht werden", sagt Pater Karl Josef Wallner, Nationaldirektor von "missio Austria". Aber auch für Politiker Strache kann in der jeweiligen Gebetsform einer der christlichen Konfessionen auf der Internetseite gebetet werden.

Insgesamt stehen 274 Politiker zur Auswahl, für die Gläubige die Möglichkeit haben, zu beten. Für den österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen ebenso wie für Parteichefs, Landeshauptleute, Mitglieder des derzeit regierenden Expertenkabinetts oder Angehörige des National- oder Bundesrats.

Beten mit System

Die Initiatorin persönlich ist von der Kraft des Gebetes überzeugt: "Ich weiß, dass das Gebet viel bewirkt. Ich erfahre das auch selber, wenn ich Prüfungen habe oder schwere Gespräche, oder traurig bin und merke, dass es einen Unterschied macht. Wenn jemand in einer haarigen Situation ist, bete ich für ihn." Als es Mitte Mai in der österreichischen Regierung turbulenter wurde, wollte sie dies als Schweizerin, Unternehmensberaterin, Projektmanagerin systematisieren. In dem Tool bietet sie daher anderen Menschen in Österreich an, für ihre Politiker zu beten. Da geht es ihr nicht einfach um ein Stoßgebet, sondern um mehr.

Pater Wallner ergänzt, dass es wie bei Fürbitten in der Kirche um ein aktuelles und konkretes Anliegen gehen soll: "Damit es nicht wieder – Entschuldigung – nur so ein kirchlicher Schwulst ist." Ihm ist wichtig, dass für Politiker und nicht gegen sie gebetet wird. Auch hieße die Aktion nicht "Prayforpolitician", sondern "Prayforaustria": Insgesamt gehe es um das Gemeinwohl, um die Wertegemeinschaft, die der österreichische Staat bilden soll. "Wir wählen am 29. September neue Verantwortungsträger und deshalb glaube ich, ist es wichtig, dass wir Christen auch die Hilfe Gottes dazunehmen."

"Besser" beten in Freiwilligkeit

Wer die Politiker ins Gebet einschließen möchte, sucht sich gezielt jemanden aus oder bekommt per Zufallsprinzip eine Person zugeteilt. Initiatorin Cuenod lässt den Betenden völlige Freiheit: "Unser Ziel ist es, dass jeder Politiker auf dieser Liste von Betern, von Menschen im Gebet getragen wird. Jetzt sind Menschen unterschiedlich, manche beten gerne für Leute, die sie gerne haben, manche beten für Leute, die sie nicht so gerne haben. Ich biete ein Tool, ich gebe keine Anweisungen, wie man für wen beten soll. Ich bin wirklich eine große Freundin der Freiheit und finde, je mehr Freiheit man den Leuten gibt, desto besser können sie sich entfalten bzw. desto besser beten sie."

Sie lässt also offen, ob die Interessierten für einen Politiker beten, der ihnen am Herzen liegt oder im Gegenteil, für die es besonders schwer fallen würde, zu beten. Und auch, wie häufig – ob einmal am Tag, einmal in der Woche oder einmal im Monat – gebetet wird.

"missio" unterstützt die Aktion, weil Gebet das Thema des katholischen Hilfswerks sei, sagt Pater Wallner. Dabei beruft er sich auf Papst Franziskus und dessen Wunsch, Werbung für das Gebet zu machen. Dass "Prayforaustria" in Österreich gerade großes Aufsehen erregt, begrüßt er, weil so das Thema des Bittgebets wieder in die Öffentlichkeit komme. Wir vergäßen zu sehr, dass es eine Kraft gebe, die eigentlich die Geschicke dieser Welt lenke: Gott.

Menschen in Verantwortung bräuchten diese Kraft von Gott. Politiker seien oft Menschen, die sich im freien Fall befinden, was Werte und Charakter betrifft.

Hilfe von oben für Politik

"Für Politiker zu beten, ist für Christen absolut nicht ungewöhnlich, sondern konkret für Menschen zu beten, ist für uns eigentlich selbstverständlich", so der "missio"-Nationaldirektor. In Österreich habe es kürzlich einige Politiker gegeben, die sich über ein öffentliches christliches Gebet lustig gemacht hätten, so Pater Wallner. Gerade diese Politiker bräuchten das Gebet der Menschen. "Wir haben als Christen irgendwie ganz verlernt, dass Menschen, egal welcher politischen Richtung sie angehören, Hilfe von oben brauchen", so der Geistliche.

Die großen Gebets-Bewegungen der Geschichte Österreichs wie das Beten für den Papst 2013 zeigen, dass Beten hilft. In Österreich hat dies weiterhin große Tradition. Pater Wallner erinnert an mehrere politische Krisen, aus denen das Land erstaunlich gut und wunderbar herausgekommen sei.

Bei der Belagerung von Wien im Jahr 1683 wurde zum Rosenkranz-Gebet aufgerufen. Nach 1945 war Österreich geteilt, der Ostteil war sowjetische Besatzungszone. Da hat ein einfacher Franziskanerpater, Petrus Pavlicek, eine Gebetsbewegung gestartet, bei der eine Million Menschen für die Freiheit Österreichs gebetet hat. Daraus folgte ein Staatsvertrag im Jahr 1955. "Das dürfen wir durchaus dem Gebet zuschreiben und deshalb hat es eigentlich bei uns eine große Tradition", ist der Zisterzienserpater überzeugt.

Für alle und überparteilich

Hélène Cuenod bekräftigt, die Idee sei, überparteilich zu sein: "Wir haben beschlossen, für alle Menschen zu beten, die eine Verantwortung in Österreich tragen. Das ist uns wichtig. Ich habe eine politische Meinung, aber wir möchten darüber hinaus für alle beten, weil wir glauben, dass Gott einen Plan für jeden einzelnen hat. Von daher werden wir niemanden ausschließen."

Für dieses digitale Format hat sie sich entschieden, um viele Leute schnell zu erreichen. Man betet jedoch nicht auf der Internetseite, sondern diese bietet eine Einladung zum Gebet. Wie und wo die Menschen, die sich registrieren, beten, ist ihnen überlassen. Sie entscheiden, ob sie es im Stillen oder zum Beispiel in einer Kirche tun. Und auch, ob sie alleine beten oder sich die Beter zusammentun und gemeinsam für ihre Politiker beten. "Die Hauptsache ist, es wird gebetet!", so Hélène Cuenod.

(DR)

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