11.05.2019

Pilgern auf deutschen Routen wird immer beliebter "Wohnortnah und schöpfungskompatibel"

Beim Stichwort Pilgern denken viele zunächst an den Jakobsweg. Aber auch hierzulande gibt es zahlreiche Möglichkeiten. So hat das Bistum Trier gerade eine eigene Broschüre über Pilgerwege veröffentlicht.

KNA: Herr Vierbuchen, beim Stichwort Pilgern denken wohl die meisten zunächst an den Jakobsweg. Für wen ist Ihre Broschüre über Pilgerwege im Bistum Trier gedacht?

Wolfgang ​Vierbuchen (Herausgeber ​der Broschüre): Wir stellen eine Auswahl von zehn Pilgerwegen in unserem Bistum vor. Es sind alles Wege, die Menschen seit Jahrhunderten gehen. Dabei handelt es sich beispielsweise um den Mosel-Camino (160 Kilometer), den Martinus-Pilgerweg (mit einem Wegenetz von insgesamt rund 2.500 Kilometern) und die Wege der Matthiaspilger mit einem wohnortnaher Start im Bistum bis zum Apostelgrab in Trier. Eine Ausnahme ist ein Weg bei Wasserliesch an der deutsch-luxemburgischen Grenze. Das ist ein kleiner Weg, der dem Bedürfnis der Menschen, mit wenig Zeitaufwand wohnortnah zu pilgern gerecht werden will.

KNA: Empfehlen Sie auch Tagestouren, oder "muss" ein Pilgerweg ein Mindestmaß von Wegstrecke und Tagen haben?

Vierbuchen: Man sollte das nicht an einem Minimum festmachen. In unserer Broschüre nennen wir auch tagesfähige Wege - Etappen einer mehrtägigen Tour. Viele Wege kann man unterteilen, so dass man sich dort auch mal nur ein paar Stunden oder einen Tag lang bewegen kann. Auch so können Pilgernde schon die Kraft spüren, die solche Wege ausstrahlen.

KNA: Für wen eignen sich die von Ihnen vorgestellten Wege?

Vierbuchen: Diese wie auch andere regionale Pilgerwege in Deutschland eignen sich für Menschen, die nicht die Möglichkeit haben, sich auf den langen Jakobsweg zu machen. Man kann das vielleicht vergleichen mit der Idee der Labyrinthe in den gotischen Kirchen des Mittelalters: Die Menschen haben damals in dem Kirchenlabyrinth die Chance bekommen, symbolisch einen Weg zu gehen, der ortsnah und jederzeit zugänglich war und angelegt, zu innerer Ruhe und göttlicher Nähe zu führen.

KNA: Pilgern auf deutschen Wegen andere Menschen als etwa auf dem Jakobsweg?

Vierbuchen: Die Menschen, die in Deutschland pilgern, unterscheiden sich wohl kaum von denen in Spanien. Manche, die bereits Jakobsweg-Erfahrung haben, suchen auf den deutschen Wegen ähnliche Erlebnisse. Und andere bereiten sich dort für den Jakobsweg oder andere ausländische Pilgerwege vor.

KNA: Pilgert es sich auf unbekannteren Wegen anders?

Vierbuchen: Nicht unbedingt anders. Aber dort sind oft Menschen unterwegs, die noch mehr die Ruhe suchen und in der Heimat das wieder erleben möchten - und auch für ihren Alltag benötigen, was sie auf den großen Wegen bereits einmal erlebt haben.

KNA: Macht der Ruhe-Aspekt auch den Reiz aus, abseits von großen Routen unterwegs zu sein?

Vierbuchen: Der Jakobsweg birgt in der Tat die Gefahr, dass das Pilgern touristische Ausmaße annimmt. Pilger, die in Deutschland unterwegs sind, suchen vielleicht noch mehr eine Auszeit und Ruhe, um zu sich selbst zu kommen. Denn beim Laufen in der Natur reduziert sich das Leben auf das Wesentliche. Und ungestört kann man natürlich am besten über sich und das Leben nachdenken.

KNA: Das heißt, die meisten laufen dort eher alleine?

Vierbuchen: Nein, es gibt auch in Deutschland zahlreiche Pilgerführer, die Gruppen begleiten. In diesem Frühjahr sind gerade Pilgerbegleiter für den Hildegardweg bei Bingen, für den Naturpark Hunsrück-Hochwald und andere Wege im Bistum Trier geschult worden.

Denn manche Pilger suchen auch ein besonderes Gemeinschaftserlebnis mit Gleichgesinnten, das sie vielleicht an ihrem Heimatort oder ihrer Heimatpfarrei nicht mehr so finden: gemeinsam unterwegs zu sein und ein gemeinsames Ziel zu haben.

KNA: Was unterscheidet eigentlich einen Pilgerweg von einem Wanderweg?

Vierbuchen: Wir bilden im Bistum Trier seit 2013 Pilgergruppenleiter aus. Es ist uns immer wichtig gewesen, dass das nicht nur Wanderführer sind, sondern geistliche Begleiter. Das heißt, dass sie den Menschen, die mit ihnen auf dem Weg sind, zuhören, etwas spiegeln können und möglicherweise einen Teil ihres eigenen Glaubens weitergeben können. Ich glaube, dass manche Menschen mit dem Wandergedanken beginnen; und wenn sie auf dem Weg sind, merken sie, da gibt es noch mehr...

KNA: Spielt beim Pilgern vor der Haustür inzwischen auch die bessere Ökobilanz eine Rolle?

Vierbuchen: Durchaus, ein wohnortnahes Pilgern ohne große Anreise ist auch schöpfungskompatibler. Da kommen verschiedene Aspekte zusammen:

Ich kann mir und meinem Körper mit gutem Gewissen etwas Gutes tun, ohne einem anderen etwas wegzunehmen oder der Natur zu schaden.

Seitdem das Thema Klimaschutz in den Medien immer stärker durchschlägt, steigt das Bewusstsein, dass man beim Pilgern auf deutschen Wegen - also ohne aufwendige Anreise an ein weiteres Ziel - der Umwelt weniger schadet.

KNA: In den vergangenen Jahren sind hierzulande einige Wege neu erschlossen worden. Haben Sie einen Lieblingsweg, den Sie empfehlen können?

Vierbuchen: Mein Favorit ist und bleibt der Jakobsweg. Dort habe ich meine ersten Pilgererfahrungen gemacht, es waren meine eindrucksvollsten Erlebnisse. Der Jakobsweg stand bei mir nicht am Ende, sondern am Anfang meines Pilgerlebens. Er war sozusagen ein Türöffner und hat mich neugierig gemacht, auch zu Hause pilgern zu gehen. Für mich wird jeder Weg zum Pilgerweg, wenn ich ihn mit der entsprechenden Motivation und Offenheit angehe.

Das Interview führte Angelika Prauß.

(KNA)

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