Alternative Form des Gottesdienstes im "Sendungsraum" der Kölner Innenstadt
Alternative Form des Gottesdienstes im "Sendungsraum" der Kölner Innenstadt
Pfarrvikar Thomas Frings bei der Eucharistiefeier in der Kölner Innenstadt
Pfarrvikar Thomas Frings bei der Eucharistiefeier in der Kölner Innenstadt
Musikalisch an den Bibeltext annähern: Die Gemeindemitglieder singen gemeinsam
Musikalisch an den Bibeltext annähern: Die Gemeindemitglieder singen gemeinsam
Initiator von "Mitte(i)lpunkt" Tobias Wolf
Initiator von "Mitte(i)lpunkt" Tobias Wolf
Gemeinsames Frühstück in der Herz Jesu-Kirche am Zülpicher Platz in Köln
Gemeinsames Frühstück in der Herz Jesu-Kirche am Zülpicher Platz in Köln

16.03.2019

Alternative Gottesdienstform in der Kölner Innenstadt "Das war heute überhaupt nicht peinlich"

Im sich gerade findenden "Sendungsraum" der Kölner Innenstadt werden bereits Konzepte für alternative Formen des Gottesdienstes ausprobiert, die Menschen wieder über ihren Glauben ins Gespräch bringen möchten.

Erik beißt genüsslich in sein Brötchen. Zusammen mit seiner Schwester Ida und dem kleinen Bruder Linus sitzt er an diesem Sonntagmorgen nicht am heimischen Küchentisch oder in einem Café, sonder mitten in der Herz Jesu-Kirche am Zülpicher Platz. Mutter Dorothy ist mit ihrem Mann und den Kindern extra aus Bonn angereist, um eine neue Form der Gottesdienstgestaltung mitzuerleben.

Experiment: alternative Formen des Gottesdienstes

Mitte(i)lpunkt heißt dieses Experiment und soll Frühstück, Austausch und Gottesdienst miteinander verbinden. Gemeindereferent und Initiator Tobias Wolf beschreibt das so: "Die Idee ist, dass die Menschen, die kommen, alle etwas Kostbares mitbringen. Und wenn wir das miteinander teilen, dann wird daraus etwas entstehen. Daraus ergibt sich auch der Gottesdienst."

Auch Carsten Kempen freut sich auf diesen Versuch, neue Impulse für das Gemeindeleben mitten im sogenannten "Kwartier Latäng" zu setzen. Er kennt die Gemeinden zwischen Zülpicher Platz und Griechenmarkt seit einigen Jahren.

Zusammentreffen und neuer Aufbruch

Nach dem Weggang von Pfarrer Dionysius Jahn wurde der kleinste Pfarrverband der Kölner Innenstadt zwei Jahre von Pfarrer Brocke aus St. Gereon mitbetreut. Nun gehört er zum sogenannten "Sendungsraum" der Kölner Innenstadt mit dem leitenden Pfarrer Dominik Meiering.

Kempen ist froh, dass es im etwas geschrumpften Gemeindeleben nun einen neuen Aufbruch gibt: "Kirche kommt zusammen. Kirche heißt ja auch: Zusammentreffen. Und das wird hier praktiziert."

Dem Bibeltext vielfältig nähern

Nach dem gemeinsamen Frühstück geht es um das Schriftwort von der Brotvermehrung. In kleineren Arbeitsgruppen können sich die etwa 80 Besucher mit dem Bibeltext auf verschiedene Arten auseinandersetzen. Die einen tauschen sich in einem Gesprächskreis aus, einige starten einen Bibliolog, also ein Gespräch aus der Sicht der biblischen Figuren, andere malen gemeinsam ein großes Bild zum Text und wieder andere nähern sich musikalisch.

Erik wählt mit seinen Geschwistern eine besondere Form der Annäherung: Das Comic-Zeichnen. Die ersten Bilder der Geschichte sind vorgegeben, den Rest zeichnet man selbst dazu.

Gemeinschaft steht im Mittelpunkt

"Die Leute, die die Geschichte gar nicht oder nicht mehr so gut kannten, konnten mehrere Versionen zeichnen. Das war sehr interessant, als wir dann die Bilder aufgehängt und uns darüber unterhalten haben", berichtet er.

Seine Mutter Dorothy stimmt ihm zu: "Hier keimt etwas auf von Kirche, was schon immer da war, aber nicht mehr in diesem alten Gewand, sondern in etwas liturgisch Neuem, wo aber im Mittelpunkt die Gemeinschaft steht und die Eucharistie den Höhepunkt bildet."

Was ist wichtig bei Kirche?

Diese abschließende Eucharistiefeier leitet Thomas Frings. Seit November 2018 ist er Pfarrvikar in der Kölner Innenstadt mit Schwerpunkt an den Kirchen Herz Jesu und St. Mauritius.

Nach seiner Auszeit als Pastor im Bistum Münster und seinem Buch "Aus, Amen, Ende?" ist er in der Kölner Innenstadt angetreten, um gerade nicht die alten Formen bis zum Aussterben weiter zu bedienen, sondern neue Möglichkeiten der Gottesdienstfeier für Gläubige und Suchende zu finden.

"Jugendliche wurden gefragt: Was ist wichtig bei Kirche? Und die sagten: Es sollte nicht peinlich sein! Und das war heute überhaupt nicht peinlich", resümiert er am Ende dieses Experimentes. "Kinder sind ein guter Indikator. Wenn die zweieinhalb Stunden am Sonntagmorgen in der Kirche sind und nicht nörgeln und sagen: 'Wann können wir endlich wieder gehen?', dann fragen sie sich mal, in welchem Gottesdienst sie das heute noch hinkriegen!"

Miteinander in Kontakt treten, etwas teilen und erleben

Auch Tobias Wolf zieht eine positive Bilanz dieses ersten Versuchs: "Ich hatte einfach das Gefühl, dass in dieser Gruppe etwas passiert ist, dass die Leute anders in diesem Gottesdienst gesessen haben als sie es sonst täten und dass wir miteinander in Kontakt waren, etwas miteinander geteilt und erlebt haben."

Jeder kann gemeinschaftlich mitmachen

Das sehen auch Erik und seine Geschwister so, die mit anderen Kindern während der Messe den Altardienst versehen haben.

Ihre Mutter Dorothy fasst den Vormittag so zusammen: "Das ist genau das, was wir uns unter Kirche vorstellen, auch gerade für die Kinder. Nicht: Vorne ist ein einzelner und unten ist der Rest, sondern hier wurde alles gemeinschaftlich gemacht und jeder konnte irgendwie mitmachen. Das war wirklich eine tolle Erfahrung!" Der kleine Linus ergänzt noch: "Und das war lecker!"

Der nächste Mitte(i)lpunkt findet am 17. März 2019 um 10 Uhr in der Herz Jesu-Kirche am Zülpicher Platz statt.

Marcel Buckan
(DR)

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