Priesterseminar der Piusbruderschaft
Priesterseminar der Piusbruderschaft
Messe im Priesterseminar der Piusbruderschaft
Messe im Priesterseminar der Piusbruderschaft
Pater Davide Pagliarani, Generaloberer der Priesterbruderschaft St. Pius X.
Pater Davide Pagliarani, Generaloberer der Priesterbruderschaft St. Pius X.
...Bischof Bernard Fellay
Bischof Bernard Fellay
Erzbischof Marcel Lefebvre
Vor 25 Jahren starb Erzbischof Marcel Lefebvre

19.01.2019

Vatikan regelt Dialog mit Piusbrüdern neu Kommission "Ecclesia Dei" aufgelöst

Nun ist es offiziell: Die Kommission "Ecclesia Dei" für den Dialog mit den traditionalistischen Piusbrüdern wird aufgelöst. Die Glaubenskongregation soll übernehmen. Was bedeutet das für den Fortgang der Gespräche?

Drei Jahrzehnte lang war die Päpstliche Kommission "Ecclesia Dei" für den Dialog mit den traditionalistischen Piusbrüdern zuständig. Am Ende blieben "nur" noch Differenzen um Lehraussagen der Kirche - vornehmlich zu Ökumene, Religions- und Gewissensfreiheit. Das aber ist Sache der Glaubenskongregation, die nun die Angelegenheit selbst in die Hand nehmen soll, wie Papst Franziskus in einem am Samstag veröffentlichten Erlass ("Motu proprio") entschied.

Neue Sektion der Glaubenskongregation

Ein entsprechender Vorschlag lag bereits seit Mitte November 2017 auf dem Tisch. Franziskus erteilte wenig später dem Präfekten der Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Ladaria, seine Zustimmung. Deren Vollversammlung befasste sich im Januar 2018 mit der Umsetzung, die erst jetzt, ein Jahr später, vollzogen wird. Im Wesentlichen habe die Kommission ihre Aufgaben erledigt, hieß es in einem Kommentar der Vatikanzeitung "Osservatore Romano" (Samstag); der Dialog mit der Bruderschaft aber solle weitergehen.

Die Auflösung von "Ecclesia Dei", die Integration ihrer Aufgaben und Finanzmittel in die Glaubenskongregation begründet Franziskus wie folgt: Die Lage habe sich seit Einrichtung der Kommission durch seinen Vorvorgänger Johannes Paul II. geändert. Diese Maßnahme erfolgte im Juli 1988 nachdem der Gründer der Piusbrüder, Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991), unerlaubt vier Bischöfe geweiht hatte. Damit zogen sich Lefebvre und die Geweihten automatisch die Exkommunikation zu, also den Ausschluss aus der kirchlichen Gemeinschaft.

Eklat mit der Piusbruderschaft

In der Folgezeit kehrten etliche seiner Anhänger Lefebvre den Rücken und gründeten teilweise eigene Gemeinschaften. In denen pflegen sie die traditionelle Liturgie von 1962, erkennen aber - anders als die Piusbrüder - auch die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) an.

Spätestens seit 2007 fiel der Streit um die Liturgiereform fort, nachdem Benedikt XVI. mit dem Motu proprio "Summorum pontificum" die Feier der vorkonziliaren Liturgie in breiterem Rahmen gestattete. In dem Zusammenhang erhielt "Ecclesia Dei" auch die Zuständigkeit für jene Gruppen und Gemeinschaften, die diesen außerordentlichen Ritus praktizieren. Heute hätten sich Mitgliederzahl und Leben dieser Gruppen stabilisiert, heißt es in dem aktuellen Erlass von Franziskus. Was im Umkehrschluss weniger Arbeit für eine eigens dafür zuständige Kommission bedeutet.

Exkommunikation aufgehoben

2009 dann hob Benedikt XVI. die Exkommunikation der vier noch lebenden Bischöfe der "Priesterbruderschaft Pius X." auf. Damit fiel ein weiterer Konfliktpunkt weg. Gleichzeitig band er die Kommission "Ecclesia Dei" eng an die Glaubenskongregation. Die kurz zuvor entstandene Empörung, weil einer der vier wieder Aufgenommenen, Richard Williamson, den Holocaust leugnete, sorgte für andere Konflikte, die aber inzwischen beigelegt sind.

Franziskus schließlich bot den Priestern der Piusbruderschaft eine stärkere Einbindung in die Seelsorge an. Im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit 2015/2016 erlaubte er ihnen, auch Gläubigen, die nicht ihrer Gemeinschaft angehören, die Beichte abzunehmen und bei der Trauung zu assistieren. Ein Entgegenkommen des Papstes, das weiterhin gilt, auch wenn unbekannt ist, wie häufig es genutzt wird.

Davide Pagliarani folgt auf Bischof Bernard Fellay​

Im vergangenen Sommer wählten die Piusbrüder einen neuen Oberen. Auf den französischen Bischof Bernard Fellay folgte der italienische Priester Davide Pagliarani. Der erklärte nach seinem ersten Besuch bei der Glaubenskongregation im November: Solange die lehrmäßigen Differenzen nicht ausgeräumt seien, gebe es keine Fortschritte zu einer Einigung, die auch eine kirchenrechtliche Anerkennung der Bruderschaft umfassen könne.

Aus vatikanischen Kreisen ist zu hören, derzeit tue sich im Dialog mit den Piusbrüdern "überhaupt nichts". Es sei im Gegenteil eher eine Verhärtung zu beobachten. Zudem ist die Gruppierung ein Sammelbecken nicht nur für kirchlich, sondern oft auch politisch konservative Katholiken. Unter diesen gibt es etliche, die mit dem Kurs von Franziskus ihre Schwierigkeiten haben - für weitere Gespräche nicht gerade von Vorteil. Ob und wann die "Priesterbruderschaft Pius X." einen geregelten kirchenrechtlichen Status erhält, ist daher immer noch nicht absehbar.

Roland Juchem
(KNA)

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