Der Würzburger Bischof Franz Jung
Der Würzburger Bischof Franz Jung

10.01.2019

Bischof Jung: Kirche steht vor radikalem Wandel "Bin ich das wirklich, was ich verkünde?"

Die katholische Kirche in Deutschland muss sich nach Worten des Würzburger Bischofs Franz Jung auf einen Umbruch einstellen. "Vieles, auf das wir uns vielleicht auch zu sehr verlassen haben, wird wegbrechen", so Jung in einem Interview.

Die Kirche werde in Zukunft mit weniger Geld und hauptamtlichem Personal auskommen müssen; das gelte nicht nur für Priester, sondern auch für Pastoral- und Gemeindereferenten, sagte Jung der katholischen Wochenzeitung "Die Tagespost". "Wir werden auch nicht mehr alle Gebäude unterhalten können", fügte der Bischof hinzu.

"Die Frage ist dann: Was bleibt?", sagte Jung und beantwortete sie gleich selbst: "Meine Hoffnung ist, dass Gebet, erneuerte Glaubensverkündigung und der Dienst an den Armen der Reichtum einer institutionell ärmeren Kirche sein werden." Es werde darauf ankommen, die Einrichtungen fortzuführen, die sich aus dem Glauben heraus mit Inhalt füllen ließen.

"Mission beginnt mit Selbstmission"

"Wir verlassen uns noch auf zu viele Hilfskonstrukte, die uns am Ende nicht helfen werden", sagte der Bischof und verwies auf das kirchliche Arbeitsrecht: "Das wird von den Gerichten gerade Schritt für Schritt ausgehöhlt." Weiterhelfen könnten nur Menschen, die von der Kirche und ihrem Glauben überzeugt seien und daraus ihre Arbeit gestalteten.

Jung legte seinen seelsorglichen Mitarbeitern nahe, sich selbst zu überprüfen. Er beobachte bei Priestern und Hauptamtlichen eine große Bereitschaft zum Engagement. "Aber vielleicht kommt die Begegnung mit dem Herrn manchmal zu kurz." Mission beginne bei der Selbstmission.

"Wenn jemand Kinder missbraucht, dann hat sich alle Verkündigung verledigt"

"Ich muss mich im Gebet der eigenen Lebenswirklichkeit stellen und mich fragen: Bin ich das wirklich, was ich verkünde, oder bin ich nur Funktionär." Priester etwa müssten selbst beichten gehen, um Beichte hören zu können. "Die Menschen merken, ob etwas aufgesetzt ist", so Jung. Von daher gelte es, neue Formen der Glaubensvertiefung zu finden.

An Gelegenheiten zur Verkündigung bestehe kein Mangel, sagte der Bischof. So seien Beerdigungen "missionarische Situationen par excellence. Da erreichen wir Menschen, die sonst nie da sind." Bevor die Menschen der Botschaft glaubten, stelle sich die Frage nach der Glaubwürdigkeit des Boten. Die Kirche gebe derzeit angesichts von Finanzskandalen und Missbrauchsfällen kein gutes Bild ab. "Wenn jemand Kinder missbraucht, dann hat sich alle Verkündigung erledigt."

(KNA)

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