Studenten im Hörsaal
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08.01.2019

Liturgiewissenschaftler Kranemann fordert kritische Lehre "Theologie muss frei arbeiten"

Der Erfurter Liturgiewissenschaftler Benedikt Kranemann hat sich erneut für eine kritische Theologie an Hochschulen ausgesprochen. "Das Problem ist, dass die Kirche gerade heute eine kritische Theologie braucht", sagte Kranemann in einem Interview.

Er nannte als Beispiel die jüngste Studie zu sexuellem Missbrauch von Minderjährigen. "Ergebenheit gegenüber einer Institution ist nicht das, was eine Wissenschaft auszeichnet, sondern behindert", erklärte Kranemann gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Theologie dürfe nicht "domestiziert" werden. "Wer das ignoriert und die Freiheit der Wissenschaft nicht akzeptiert, schadet der Kirche selber. Rom kann nicht in Person des Papstes eine Revolution des Denkens ausrufen und dann verlangen, dass man sie bei der Bildungskongregation anmeldet", sagte Kranemann. Dass der Katechismus verändert werden könne, habe Papst Franziskus bewiesen, "als er im vergangenen Sommer festlegte, dass die Todesstrafe niemals zulässig sein kann. Das war bis dahin anders".

"Tradiertes anders hinterfragen"

Es kämen viele Fragen neu auf, "je mehr man den katholischen Glauben mit anderen Konfessionen und Religionen vergleicht oder Erkenntnisse über die historische Entwicklung von Riten und Glaubensaussagen gewinnt", so der Wissenschaftler. "Theologische Erkenntnisse verändern sich generell mit dem Fortschritt der Wissenschaften und auch mit der Mentalität einer Zeit."

Heute müsse Tradiertes anders hinterfragt werden, "und ich muss aus meiner Zeit heraus und vom heutigen Forschungsstand her kritisch sein", erklärte Kranemann. "Dieser permanente Prozess der Auseinandersetzung kann zu einer kritischeren Sicht führen, auf jeden Fall zu Differenzierungen, veränderten Einschätzungen - oder kann aber auch helfen, die Tradition neu zu betrachten und zu schätzen."

"Papst erwartet Unvoreingenommenheit"

Die deutsche Theologie sei mehrheitlich auf dem Kurs des Papstes, "der offensichtlich ein unvoreingenommenes Herangehen an theologische Probleme erwartet", sagte Kranemann. Doch sei die Frage, wie offen diskutiert werden könne, nicht beantwortet. "Dass immer wieder Theologinnen und Theologen mit römischen Behörden Ärger haben, passt nicht mit einer Theologie zusammen, die frei arbeiten muss."

(KNA)

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