Papst Franziskus spricht mit Maria Voce, Präsidentin der Fokolar-Bewegung
Papst Franziskus spricht mit Maria Voce, Präsidentin der Fokolar-Bewegung
Maria Voce, Präsidentin der Fokolar-Bewegung
Maria Voce, Präsidentin der Fokolar-Bewegung
Papst Franziskus betet in der Wallfahrtskirche Maria Theotokos in Loppiano
Papst Franziskus betet in der Wallfahrtskirche Maria Theotokos in Loppiano

07.12.2018 - 00:00

Vor 75 Jahren entstand die Fokolar-Bewegung Wie Millionen Menschen für Gott entbrannten

Der Name der in Italien gegründeten religiösen Laienorganisation erinnert an Flammen als Spender von Wärme und Geborgenheit. In der Geschichte der Fokolare war allerdings nicht immer alles loderhell.

Das ist für eine katholisch geprägte Organisation ja durchaus bemerkenswert: An ihrer Spitze steht laut Statut immer eine Frau. Die Rede ist von der Fokolar-Bewegung. Die religiöse Laienbewegung wird nun 75 Jahre alt. Ins Leben gerufen hat diese neue geistliche Gemeinschaft einst die italienische Volksschullehrerin Chiara Lubich (1920-2008). Ihr ist auch das "weibliche Postulat" zu verdanken, wie die deutsche Fokolar-Sprecherin Andrea Rösch (59) aus Ottmaring bei Augsburg erklärt: "Chiara wollte einerseits sicherstellen, dass die Fokolare immer laiengeführt sind, und andererseits die marianische Dimension zum Ausdruck bringen."

Das erste Fokolar

Derzeitige Präsidentin ist die italienische Theologin Maria Voce. Die 81-Jährige war noch ein Kind, als am 7. Dezember 1943 die Geburtsstunde der Fokolare schlug. Damals änderte die 23-jährige Lubich in ihrer norditalienischen Heimatstadt Trient den Vornamen: Sie wurde Mitglied des Dritten Ordens der Franziskaner – und aus Silvia wurde Chiara. Chiara zog daraufhin mit Freundinnen zusammen.

So entstand das erste Fokolar, das die Trienter Bevölkerung nach einem Wort für Herdfeuer benannte, in Anlehnung an die Wärme und Geborgenheit von Flammen und der sich darum sammelnden Familie.

"Alle sollen eins sein"

Gelodert hat es auch im Ur-Fokolar. Die Frauengemeinschaft entflammte für ein Leben im Dienste Gottes, und zwar getreu einem Satz aus dem Johannes-Evangelium: "Alle sollen eins sein." Daraus entwickelte sich unter den Fokolaren ein vehementer Einsatz für Respekt und Toleranz, für Verständigung und für ein friedvolles Miteinander aller Menschen in Geschwisterlichkeit.

Dieses Leitmotiv schlug zunehmend Funken. In den 1960er Jahren begannen die ersten ökumenischen Aktivitäten, die das Bild der Fokolare seither prägen. So gründeten sie im schwäbischen Ottmaring ein bis heute existentes Ökumenisches Lebenszentrum mit; erst im September tagte dort die Gemeinsame Arbeitsgruppe des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) und der katholischen Kirche. 1962 gab es eine erste päpstliche Bestätigung, zwischen 1964 und 2007 erhielten die Statuten des "Werk Mariens", so der kirchenrechtliche Name der Fokolare, mehrfach päpstliche Approbationen.

Weltweit rund 110.000 Mitglieder

Heute sind die Fokolare in 182 Ländern aktiv und zählen weltweit rund 110.000 Mitglieder, davon 3.500 in Deutschland. Zugehörig fühlen sich der Gemeinschaft nach eigenen Angaben noch deutlich mehr Menschen: 35.000 in der Bundesrepublik und auf der Erde zwei Millionen. Die meisten der im katholischen Kreis entstandenen Fokolare sind demnach nach wie vor papsttreu, nämlich 90 Prozent. Hinzu kämen aber 22.000 Christen aus über 350 weiteren Kirchen und kirchlichen Gruppen, 10.000 Menschen ohne religiöses Bekenntnis und 7.000 Angehörige anderer Religionen.

Aktuell befindet sich die Bewegung laut Sprecherin Andrea Rösch in einem Strukturwandel. Ursprünglich zentralistisch aufgebaut, nähmen seit dem Tod der Gründerin die lokalen und regionalen Gruppen immer mehr Verantwortung wahr.

"Vertiefte Ökumene"

Auch zum bisweilen erhobenen Vorwurf eines sektenähnlichen Personenkults um Lubich äußert sich Rösch. Die Kritik sei heute nicht mehr haltbar, aber früher teilweise begründet gewesen. "Auch gab es Schieflagen in unserer Führung", so Rösch weiter. "Manche haben Verantwortung mit Macht verwechselt. Deshalb haben wir in den vergangenen zehn Jahren neue Strukturen geschaffen. So besetzen wir Leitungsfunktionen nicht mehr dauerhaft, sondern nur noch für maximal zweimal sechs Jahre."

Für die Zukunft gehe es darum, sich verstärkt um die Menschen an den Rändern der Gesellschaft zu kümmern. Zudem sollten vor Ort tatkräftige Gruppen entstehen, um die lokalen Herausforderungen individuell meistern zu können. In Deutschland sei dies vor allem eine "vertiefte Ökumene". "Außerdem", ergänzt Rösch, "warten wir natürlich auf eines: Fortschritte im 2015 eröffneten Seligsprechungsprozess für Chiara. Die diözesane Phase im zuständigen Bistum Frascati steht nun vor dem Abschluss." Feierlichkeiten zum 75-jährigen Bestehen plane man übrigens nicht. Die werde es erst 2020 zum 100. Geburtstag Lubichs geben.

Christopher Beschnitt
(KNA)

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