Ordensgemeinschaften stehen im Fokus
Ordensgemeinschaften sprechen über ihre Zukunft
Pater Alois Schlachter
Pater Alois Schlachter

13.07.2018

Konferenz über Zukunft von Ordensgemeinschaften Junge Leute und die Sehnsucht nach Ewigkeit

Die Zahl der Ordensleute in Deutschland geht rapide zurück. Mit dieser Entwicklung hat sich jetzt eine Tagung von Vertretern aus Klöstern befasst. Pater Schlachter erklärt, warum er glaubt, dass Lebensformen wie die seine eigentlich hochaktuell sind.

KNA: Gab es vor 20 Jahren rund 41.000 Ordensleute in Deutschland, sind es heute noch etwa 19.000. Rund 100 Klostervertreter sprachen nun auf einer Tagung in Ottmaring bei Augsburg über die Zukunft ihrer Gemeinschaften. Sie haben die Veranstaltung moderiert. Was ist das Ergebnis der Tagung - wie wollen Sie das Ordensleben in die Zukunft retten?

Pater Alois Schlachter (Mitglied der Missionare vom Kostbaren Blut aus dem schwäbischen Wallfahrtsort Maria Baumgärtle): Wir sind bei unserer Konferenz darauf gekommen, dass es zuerst um das Charisma eines jeden Menschen geht, nicht um eine bestimmte Lebensform. Jeder von uns hat eine Ausstrahlungskraft, die Gott ihm geschenkt hat. Jeder Getaufte - nicht nur wir Ordenschristen - ist also im Prinzip ein Gottgeweihter.

KNA: Was heißt das?

Schlachter: Dass die Idee der Nachfolge Jesu Christi, um derentwillen wir Ordensleute einmal in unsere jeweiligen Gemeinschaften eingetreten sind, auch weiter besteht, wenn eine Gemeinschaft sich von bisherigen Aufgaben wie einer eigenen Schule zurückzieht oder wenn sie ganz an ihr Ende kommt. Auch dann kann der Einzelne mit seinem Charisma weiter am Aufbau des Reiches Gottes mitarbeiten, indem er sich etwa gegen Ungerechtigkeit einsetzt oder das Evangelium verkündet.

KNA: Klöster braucht es also gar nicht?

Schlachter: Doch, sie sind Orte des besonders konzentrierten Glaubens und Gott-Suchens. Es wird sie immer geben, sie sind wesentlich für die Kirche. Aber die Klöster und Ordensleute werden weniger, zurzeit jedenfalls. Deshalb müssen sich die, die es noch gibt, mit Veränderungen befassen.

KNA: Zum Beispiel?

Schlachter: Zum Beispiel mit Fusionen. Wir Missionare vom Kostbaren Blut haben in Europa vier Provinzen. Diese zusammenzuschließen, würde uns viel Verwaltung ersparen. Auch ihre Weltsicht sollten einige von uns überdenken. Es gilt, die Welt so anzunehmen, wie sie ist - nicht, wie sie sein sollte. Ein verstärktes Nach-draußen-Gehen hülfe dabei, der heutigen Gesellschaft das Christuszeugnis zu buchstabieren.

Nehmen Sie das Kirchenasyl, das ja auch Orden anbieten können. Die Willkommenskultur mag vorbei sein. Aber Christen helfen jedem in der Not - auch bei flüchtlingskritischer Stimmung. Also: Offenheit gegenüber dem Jetzt ja, aber mitunter mit prophetischem Widerspruch.

KNA: Im Jetzt ist die Rolle der Frau ein großes Thema. Bei den Ordensleuten auch?

Schlachter: Allerdings und völlig zu Recht! Immerhin sind rund drei Viertel der etwa 19.000 Ordenschristen in Deutschland weiblich. Wir haben bei unserer Tagung einen größeren Austausch von Männer- und Frauengemeinschaften verabredet. Wir hoffen, einander auf diese Weise zu bereichern. Es ist überfällig, dass sich Klostergeschwister auf Augenhöhe begegnen. Lange Zeit waren Frauen in diesem Milieu ja so etwas wie die Dienstmägde für den männlichen Klerus. Ich begrüße sehr, dass sich das ändert und dass es einen Weg hin zu mehr Raum für Frauen in der kirchlichen Hierarchie zu geben scheint.

KNA: Vorhin sagten Sie, die Klöster würden weniger, "zurzeit jedenfalls". Glauben Sie, es könne auch mal wieder anders kommen?

Schlachter: Ich glaube jedenfalls, es ist falsch zu sagen, die Chance für neue Berufungen wäre vorbei. Es gibt immer noch junge Leute mit der Sehnsucht nach Ewigkeit, nach dem ewigen Gott. Denken Sie an die Augsburger "Mehr", die seit einigen Jahren Tausende Jugendliche anzieht - eine Konferenz, bei der es um das Thema Glauben geht! Wir Ordensleute sollten versuchen, von solchen Formaten zu lernen, wie sie Begeisterung schaffen. Vielleicht kann uns das auch gelingen.

Womöglich ist dafür aktuell sogar die rechte Zeit. Denn die Welt ist so kompliziert und unstet geworden - da sehnen sich viele Menschen nach klaren und verlässlichen Strukturen. Wir bieten sie.

Das Interview führte Christopher Beschnitt.

(KNA)

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