Mönch mit Holzkreuz und Rosenkranz
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Bruder Paulus
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03.07.2018

Bruder Paulus zum Tag des Ungehorsams "Gehorsam befreit vom Egoismus"

Folgen oder widersprechen? Gerade im klösterlichen Leben spielt diese Frage eine Rolle. Bruder Paulus erzählt, wie ihm der Gehorsam geholfen hat – aber warum auch der Ungehorsam für Gläubige wichtig ist.

DOMRADIO.DE: Priester leisten dem Papst und dem Bischof gegenüber Gehorsam, Ordensleute legen ein Gehorsamsgelübde ab. Darüber spreche ich jetzt anlässlich des Tags des Ungehorsams mit dem Kapuzinermönch Bruder Paulus Terwitte. Was bedeutet das Gelöbnis des Gehorsams für Sie?

Kapuzinermönch Bruder Paulus Terwitte: Zum einen ist das ein Gelöbnis, dass ich Gott gegenüber mache, dass ich ihm gehorsam sein will und niemandem anderen sonst, das ist eine starke Gewissensbindung. Zweitens ist das keine Unterwerfung. Wer meint, er müsse sich Gott unterwerfen, der hat ein falsches Gottesbild.

Gott hat mich erschaffen, Gott möchte mich frei. So ist auch das Gehorsamsgelübde, dass ich Gott verspreche, im Orden zu leben. Ein Gelübde, dass ich neuen Ideen gegenüber offen sein will, neuen Anrufen. Es ist ein Weg aus meinem ständigen Kreisen um mich selber. Gehorsam befreit vom Egoismus.

DOMRADIO.DE: Gehorsam im Orden bedeutet ja auch, wenn Sie die Order kriegen, dass Sie ans Ende der Welt versetzt werden, dann haben Sie zu gehorchen, richtig?

Bruder Paulus: Bis zum Ende der Welt nicht gerade, dafür gibt es eine Ordensprovinz. Wenn man über Deutschland hinaus gesendet wird, muss man schon ganz anders gefragt werden. Aber innerhalb von Deutschland ist es so, dass der Obere kommt und sagt: Könntest Du Dir vorstellen, dass Du das machst? Und bis jetzt habe ich immer gesagt, dass ich es probiere.

Das sind dann oft Ideen, auf die ich vorher nicht gekommen wäre. Und weil ich ihnen gefolgt bin, hab ich etwas gemacht, was mich ganz neu und an Stellen herausgefordert hat, die ich ohne den Gehorsam gar nicht entdeckt hätte.

DOMRADIO.DE: Gab es auch Momente oder Situationen, wo Sie gedacht haben: Ich gehorche jetzt nicht, ich bin jetzt ungehorsam?

Bruder Paulus: Doch das gab es auch. Ich war ja zuerst in Frankfurt. Als ich gefragt wurde, ob ich von der Großstadt in ein kleines Kloster in einem Dorf weg gehe, habe ich schon geschluckt. Aber das waren auch nur fünf Sekunden. Ich habe mich dann gefragt, was ich davon habe, wenn ich das mache, was ich will. Weiß ich, ob das der Wille Gottes ist? Ich bin dann auch gerne diesem Anspruch gefolgt.

Der Gehorsam befreit mich von dem Zwang, immer das zu machen, was ich will. In der Ehe muss auch der eine dem anderen gehorsam sein. Wenn das nur zwei Ich-AGs sind, die möglichst wie CDU und CSU nur für sich sorgen wollen, dann kommt nichts dabei heraus. Man muss schon gehorsam sein.

DOMRADIO.DE: Welche Rolle spielt denn dann der Ungehorsam?

Bruder Paulus: Der Heilige Franziskus hat schon vor rund 800 Jahren geschrieben, dass die Brüder in allem gehorsam sein sollen, solange es nicht gegen die Seele und gegen das Evangelium gehe. Überprüfe, was man von Dir will. Frage Dich, ob das mit Deiner Seele, mit Deiner ganzen Lebensidentität, mit Deiner Entscheidung für Gott und mit dem Evangelium in Ordnung geht. Wir müssen selber nachdenken und dann aktiv gehorchen. Manchmal muss man dann in der Kirche oder der Welt sagen: Schön, dass ihr das von mir wollt, aber das ist einfach gegen meine Seele oder das Evangelium. Und dann muss man wieder in den Dialog eintreten.

DOMRADIO.DE: Das klingt wie ein Hintertürchen, oder? Wie kann man entscheiden, was da jetzt aus einem spricht: Die Seele oder der Wunsch, dass ich lieber hierbleiben will und nicht auf das Dorf?

Bruder Paulus: Gehorsam lädt mich ein, dass ich neu nachdenke. Ich muss es am Ende selber verantworten. Ich kann nie mein Leben in der Verantwortung eines anderen leben. Das finde ich unmöglich, das hat auch nichts mit dem christlichen Gehorsamsbild zu tun. Ich darf ungerechten Forderungen nicht gehorchen, natürlich nicht.

Ich bin zum Ungehorsam verpflichtet, wenn ich den Eindruck habe, dass die Kirche oder wer auch immer etwas von mir verlangt, was ich vor Gott nicht einsehe. Und dieses "Hier stehe ich nun, ich kann nicht anders" (Ein Zitat von Reformator Martin Luther - Anmerk. d. Red.) ist immer in der letzten Konsequenz im Gewissen des Einzelnen zu entscheiden. Er muss dann "ja" sagen. So muss ich auch zu dem "ja" sagen, was man von mir will, und nicht sagen: "Ich gehorche jetzt mal und dann mach ich mir einen lauen Lenz".

Das wurde lange Zeiten in Orden so praktiziert, auch in der Erziehung war das so. Das find ich unmöglich! Wenn Kinder sagen, dass sie ungehorsam waren, sag ich manchmal: Herzlichen Glückwunsch. Das ist der Anfang zu einer klaren eigenständigen Entscheidung.

(DR)

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