Nonnen winken Papst Franziskus zu, der auf dem Petersplatz eintrifft.
Ordensschwestern
Sr. Dr. Katharina Kluitmann osf
Sr. Dr. Katharina Kluitmann osf

13.06.2018

Neue Vorsitzende der Deutschen Ordensoberen blickt in die Zukunft "Imageproblem angehen"

Auch die Ordensgemeinschaften in Deutschland haben Nachwuchssorgen. Dies wird eines der Themen sein, mit dem sich Schwester Katharina Kluitmann als neue Vorsitzende der Deutschen Ordensobernkonferenz beschäftigen muss.

DOMRADIO.DE: Schwester Katharina, Ihre Mitgliederversammlung in Vallendar stand unter dem großen Oberthema "Berufung", denn an Berufungen mangelt es den allermeisten Orden. So wie es in Deutschland immer weniger katholische Priester gibt, so gibt es auch immer weniger Ordensfrauen und -männer. Viele Klöster müssen sogar dicht machen. Macht Sie das traurig?

Schwester Katharina Kluitmann (Provinzoberin der "Franziskanerinnen von der Buße und christlichen Liebe" von Lüdinghausen und Vorsitzende der Deutschen Ordensobernkonferenz): Das macht mich traurig, wenn ich merke, dass Dinge nicht gehen, die eigentlich schön wären, wenn wir sie tun könnten, wenn wir sie leben könnten. Auf der anderen Seite glaube ich, ist da auch historisch etwas passiert im 19. Jahrhundert, dass die Ordensgemeinschaften, gerade der tätigen Frauen, wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Und das war nicht der Normalfall der Kirchengeschichte. Mit einem anderen Frauenbild heute ist es auch okay, dass sich die Dinge verändern. Weil Frauen heute auch anders engagiert in der Kirche für die Sache Jesu einstehen können.

DOMRADIO.DE: Trotzdem machen Sie sich natürlich auch Sorgen um die Zukunft Ihrer Ordensgemeinschaften. Sie hatten sich jetzt für Ihre Versammlung einen Experten von BASF eingeladen, um sich mal anzuhören, wie ein so großer Betrieb das macht, neue Mitglieder zu gewinnen und die dann an sich zu binden. Waren jetzt auch Lösungsansätze dabei, die Sie sich als Ordensleute abgucken können?

Schwester Katharina: Das Beste an diesem Referat war, dass wir auf einmal aus unserer normalen Denke herausgeholt worden sind. Ich glaube nicht, dass sich die Ideen eins zu eins übertragen lassen. Aber ich glaube schon, dass es da Ansätze gibt. Zum Beispiel, sich wirklich zu fragen: Was bieten wir eigentlich an? Ist das, was wir anbieten, vielleicht gar nicht mehr zeitgemäß? Müssen wir also auf ein anderes Produkt umsteigen, wie der Herr von BASF sagte, oder vermarkten wir das Produkt nicht gut? Die Diskussion darüber, was wollen wir eigentlich, was ist eigentlich unseres?

Es gab das wunderschöne Bild von ihm: Wollen wir ein Mauerblümchen sein oder lieber eine Kapuzinerkresse, die ihre Samen überall ausbreitet? Das war die Antwort auf eine Aussage, die so aussah wie "wir möchten gerne ein Mauerblümchen sein". Und das möchte ich eigentlich auch nicht. Ich glaube, wir haben was zu bieten. Wir haben nicht immer was Lautes zu bieten. Wir könnten das nicht so anpreisen, wie der Herr von BASF das anbieten konnte. Aber ich glaube, wir haben tatsächlich etwas anzubieten.

DOMRADIO.DE: Was haben Sie anzubieten?

Schwester Katharina: Wir haben die Grundidee, anzubieten, dass es etwas Gutes in jedem Menschen gibt. Dass Gott in jedem Menschen lebt, dass er eine Idee hat für uns. Und dass durch diese Idee, die in uns eingepflanzt ist - wie so eine DNA, die noch ausbaufähig ist - dass dadurch Leben geschieht, dass dadurch Menschen angesteckt werden können und das Leben ziemlich bunt wird. Und das fand ich das Tolle an dem Studientag.

Es ging eben nicht nur darum, wie gewinnen wir Mitglieder, sondern auch: Wie können wir, auch wenn wir schon was älter sind, also so alt wie ich, 53, oder 85, trotzdem weiter wachsen in unserer Berufung? Das hört nicht auf. Auch unsere Mitarbeiter, also Laien-Mitarbeiter, die uns helfen, die haben eine Berufung. Jeder hat eine Berufung - fragt sich nur, welche. Und wir sind manchmal, glaube ich - wenn's gut geht - so was wie Experten darin, nach innen zu hören und zu gucken, was steckt da drin, was wäre noch möglich?

DOMRADIO.DE: Würden Sie denn sagen, wir Orden in Deutschland haben trotzdem eine Art Imageproblem? Die Leute verstehen nicht richtig, was wir wollen, was wir anbieten können?

Schwester Katharina: Ja, das glaube ich. Ich glaube, wir haben nicht ganz so schlimm ein Imageproblem wie die bischöflich verfasste Kirche. Wir haben schon auch noch hohe Sympathien. Wir haben eine hohe Faszination durch so etwas Exotisches. Aber ja, wir kriegen es oft nicht gut übergebracht, dass das eine Lebensmöglichkeit ist. Das hat auch mit der Überalterung zu tun. Für eine junge Frau ist es vielleicht auch ein bisschen schwierig, in eine Gemeinschaft einzutreten, deren Durchschnittsalter bei 82 liegt.

DOMRADIO.DE: Da muss man natürlich fragen: Was lässt denn junge Frauen oder junge Männer davor zurückschrecken, in einen Orden einzutreten? Ganz sicher nicht nur das nicht mehr ganz so niedrige Alter der Mitbrüder oder -schwestern. Sind auch der Verzicht auf Heirat oder Zölibat Gesichtspunkte, die eine Rolle spielen?

Schwester Katharina: Ich glaube, der Verzicht auf die Ehe ist nicht ausschlaggebend, weil Menschen, die Ordensleben leben wollen, festgestellt haben, dass der Platz, der sonst in ihrem Leben einem Partner oder einer Partnerin gehören würde, von Gott besetzt ist. Sie möchten das aber nicht alleine leben, als Einsiedler zum Beispiel, sondern sie möchten das in Gemeinschaft leben. Das ist, glaube ich, nicht das Problem.

DOMRADIO.DE: Dann ist das Problem, dass die Gemeinschaften, die sie sehen, ihnen nicht attraktiv genug erscheinen?

Schwester Katharina: Das kann oft der Fall sein, ja. Ich glaube, das hat tatsächlich auch mit dem Alter zu tun, aber manchmal auch mit einer Verknöcherung. Wir dürften uns noch viel mehr an neuen Formen, an Vernetzung auch untereinander, an gemeinsamen Konventen und so weiter leisten.

DOMRADIO.DE: Das Patentrezept werden Sie natürlich nicht entwickeln können, aber haben Sie einen ganz konkreten Denkanstoß, was sich da ändern könnte, damit das vielleicht auch für junge Leute wieder ein bisschen attraktiver wird?

Schwester Katharina: Ich glaube nicht, dass wir es verändern werden. Wenn es jemand verändert, dann ist es der Heilige Geist und der wirkt im Allgemeinen nur, wo Kommunikation ist. Ich glaube, das Beste, was wir tun können, ist, uns weiter zu vernetzen, in Kommunikation zu bleiben - untereinander, mit unserer Gesellschaft, mit Fragen, die da kommen, mit so Leuten wie dem Personaler von BASF. Ich glaube, es wird etwas entstehen - nicht groß, aber wichtig.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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