Michel Ruge liest in seinem neuesten Buch.
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14.04.2018

Türsteherlegende Ruge auf der Suche nach Spiritualität Vom Kiez zur Katholischen Kirche

Im Hamburger Kiez ist er groß geworden. Als jungen Mann zieht es ihn nach Berlin in die angesagte Clubszene und er wird zur Türsteherlegende. Nach einem wilden Leben sehnt sich Michel Ruge aber nach etwas Festem und wird katholisch.

DOMRADIO.DE: Du warst Türsteher, hast ganz viele Sachen gemacht, warst Schauspieler, machst Kampfsport. Du hast eine Schule gegründet mit Daniel Richter, das ist ein ganz wichtiger Künstler. Und dann kam im Jahr 2015 der Wille katholisch zu werden. Wie ist es dazu gekommen?

Michel Ruge (Autor, Körpertrainer): Ich habe fünf Jahre auf Facebook mit einem Pfarrer aus Köln gechattet und über Glauben generell gesprochen. Er wollte mich auch gar nicht vom Katholizismus überzeugen, sondern wir haben generell über spirituelle Erfahrungen gesprochen. Das war ein netter Austausch. Ich habe sehr religionsfern gelebt in Berlin. Weiter von Religion entfernt kann man nicht leben.

DOMRADIO.DE: Kam der Umschwung aus dir heraus?

Ruge: Irgendwann kam ich selber an den Punkt, wo ich dachte, ich brauche eine Struktur in meinem Glauben.

DOMRADIO.DE: Aber Du warst doch vorher Protestant?

Ruge: Nun ja, ich war Protestant und ich bin ab und zu in die Kirche, aber irgendwie hat mir etwas gefehlt. Ich sage heute immer und ich meine das gar nicht böse: Die evangelische Kirche ist der erste Schritt zum Atheismus. Ich habe mich dort überhaupt nicht gut aufgehoben gefühlt.

DOMRADIO.DE: Warum nicht?

Ruge: Ich hatte teilweise das Gefühl, die glauben gar nicht richtig. Es wurden oft politische Themen besprochen. Es hatte so wenig spirituelle Aspekte. Ich bin manchmal gegangen und habe gedacht: "Hat mich das jetzt Gott näher gebracht?" Nee.

DOMRADIO.DE: Wie hast Du die katholische Kirche kennengelernt?

Ruge: Ich bin dann in einen katholischen Gottesdienst gegangen. Dort wird viel gesungen, sich hingekniet, wir geben uns dort die Hände. Mich hat das alles sehr angefasst. Ich bin dann auch oft in die Kirche, wenn kein Gottesdienst war, habe eine Kerze angemacht und das hatte etwas sehr meditatives. Über die Wochen und Monate habe ich tolle Erfahrungen gemacht und das war dann auch der Grund, warum ich konvertiert bin.

DOMRADIO.DE: Hätte das denn vorher in Dein Leben gepasst - als Türsteher und in der wilden Szene?

Ruge: Ich bin ja auch jetzt noch kein perfekter Katholik. Ich bin vielleicht auf einem guten Wege. Das ist ja auch das Tolle. Ich erlebe immer wieder neue Sachen. Mein Leben ist Veränderung. Jetzt habe ich diesen Weg gefunden. Sonst hätte ich ihn vorher beschritten. Aber sicherlich hätte ich vorher so nicht leben können. Das war ein gegensätzliches Leben.

DOMRADIO.DE: Du bist auch Kampfsportler und sehr vertraut mit fernöstlicher Philosophie. Du hast Dich aber trotzdem eindeutig entschieden?

Ruge: Das Problem heute ist, glaube ich, dass viele sich wie im Supermarkt an einzelnen Philosophien und Religionen bedienen.  Aber niemand beschäftigt sich richtig intensiv mit einer Religion. Da gibt es mal eine negative Überschrift über die katholische Kirche, und dann lesen sie irgendetwas über den Buddhismus, was sich ganz toll anhört und dann kommt der Hinduismus und alle haben ihre Weisheiten. Wenn sich dann irgendwer toll anhört, dann fühlen sie sich da gleich eingeordnet.

DOMRADIO.DE: Gab es Kritik zu deiner Entscheidung?

Ruge: Ja. Als ich mich dann mit denjenigen aber unterhalten haben, habe ich gemerkt, wie wenig eigentlich hinter der Kritik steht, weil die sich nicht faktenbasiert informiert hatten.

Das Interview führte Heike Sicconi.

(DR)

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