Symbolbild Kirchenaustritt
Viele Ostdeutsche können mit Kirche nichts anfangen

04.01.2018

Ostdeutsche bringen Kirche wenig Vertrauen entgegen Relikt der DDR-Zeit?

Die Menschen in Ostdeutschland schenken den christlichen Kirchen kein großes Vertrauen, wie eine aktuelle Forsa-Umfrage ergeben hat. Ursachenforschung betreibt unter anderem das Bistum Dresden-Meißen – und richtet den Blick nach vorne.

DOMRADIO.DE: Nur 13 Prozent der Menschen im Osten vertrauen der katholischen Kirche – im Westen sind es immerhin 30 Prozent. Überrascht Sie dieses Umfrageergebnis?

Thomas Arnold (Direktor der katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen): Nein, es überrascht mich tatsächlich nicht. Ich freue mich aber, dass 13 Prozent der Menschen im Osten Deutschlands der Kirche vertrauen, obwohl nur drei bis vier Prozent der Menschen im Osten dieser Kirche angehören. Das heißt, es wird einer Institution zumindest von Menschen Vertrauen entgegen gebracht, die sonst nichts mit Glauben und Kirche zu tun haben. Und das heißt positiv betrachtet auch, dass unsere Institution in die Gesellschaft hineinwirkt und wahrgenommen wird. Aber natürlich ist von 13 bis zu 100 Prozent noch ganz schön Luft.

DOMRADIO.DE: Können sie sich erklären, warum die Menschen im Osten den Kirchen so viel weniger vertrauen als im Westen?

Arnold: Tatsächlich spielen da verschiedene Faktoren rein. Mir hat einmal ein Kollege gesagt, die DDR habe nicht viel geschafft, aber was sie geschafft habe, sei, die Religion und den Glauben der Lächerlichkeit preiszugeben. Ich glaube, dass dies eine Erfahrung ist, die in dieser Region seit mehreren Generationen drin ist. Man wird einfach nicht ernst genommen. Es gibt nicht einmal eine große Gegnerschaft. Das ist ein Faktor.

Ein zweiter Faktor besteht darin, dass, wenn wenige Menschen in einer Gesellschaft einer Kirche angehören, natürlich auch weniger Menschen für diese Institution und den Glauben einstehen. Die Wahrnehmung ist einfach viel geringer als beispielsweise im Rheinland, wo irgendwie jeder mit Kirche in Verbindung steht und eine Meinung dazu hat.

Der dritte Punkt, bei dem wir uns auch selber Vorwürfe machen müssen, besteht darin, wo wir in den letzten Jahren und Jahrzehnten schuldig geworden sind. Die Medien haben in den letzten Jahren stark die Themen um den Limburger Bischofssitz mit Tebartz-van-Elst oder den sexuellen Missbrauch hochgebracht. Das hat auch den Vertrauensverlust verstärkt. Aber auch zu DDR-Zeiten haben Kirchen teilweise nicht nur Gutes getan, sondern sind eine unangenehme Verbindung mit dem Staat eingegangen, die dann auch als Verletzung mitgeführt wird und wo auch unwahrscheinlich viel Vertrauen verloren gegangen ist.

DOMRADIO.DE: Was will die Kirche denn im Osten nun dagegen tun?

Arnold: Am meisten überzeugt man mit einem authentischen Leben als Zeuge für Christus. Das ist die Aufgabe. Ich bin fest davon überzeugt, dass die pastoralen Konzeptionen hier im Bistum diesen Weg einschlagen, dass die Gemeinden in Dresden-Meißen, in Sachsen und im ganzen Osten herausgehen und auch lernen, aussagekräftig in einer Gesellschaft zu sein, die nichts mit Glaube zu tun hat. Es ist ja auf der anderen Seite auch erschreckend, dass eine Gesellschaft unwahrscheinlich viel Vertrauen Ärzten, also einer technischen Machbarkeit, entgegenbringt. Da müssen wir uns schon fragen, warum das Vertrauen diesen "Göttern in Weiß" entgegengebracht wird, aber nicht wirklich Gott selbst.

Das Interview führte Milena Furman.

(DR)

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