Küster Kaster
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Welcome to Heaven
Welcome to Heaven

13.08.2017

St. Pauli Kirche ist eine Insel in Hamburg Kirche zwischen Blaulicht und Rotlicht

St. Pauli ist eine Ausnahmewelt: Zwischen Amüsierviertel, Schanzenviertel und Fischmarkt liegt die kleine Gemeinde mit ihrer 200 Jahren alten St. Pauli Kirche mitten in Hamburg. Das Gotteshaus ist Anlaufstelle für Menschen aller Religionen.

Wie eine Insel sei die Kirche für die Menschen in der Gemeinde, beschreibt Pastor Siegard Wilm das 200 Jahre alte Gotteshaus aus rotem Backstein in St. Pauli. In jüngster Vergangenheit wurde das besonders deutlich, als die "Welcome to Hell Demo" während des G-20-Gipfels Anfang Juli zwischen Demonstranten und Polizei in der Nähe der Kirche eskalierte. Die Kirche öffnete ihr Türen und sowohl Polizisten als auch Demonstranten fanden Zuflucht auf dem Gelände. "Hier lagen Schwerverletzte. Überall war Tränengas auf dem Kirchhof und die Hauptarbeit war, alle zu beruhigen", erzählt der Küster Philippe Köster.

Welcome to Heaven

Das Motto der Kirche war während des G-20-Gipfels friedlicher gestimmt. Zwischen den alten Bäumen auf dem Kirchengelände spannt immer noch ein großes Transparent: "Welcome to Heaven". "Wir hätten ja nicht einfach schließen können, während vor der Türe die ganze Welt auf die Straße geht", erzählt Pastor Siegard Wilm. "Unter diesen wunderschönen uralten Bäumen auf dem Kirchgelände diesen Frieden zu haben, das war großartig. Aber permanent auch gestört durch Auseinandersetzungen unmittelbar vor unserer Haustüre und wabernden Wolken von CS-Gas. Die Gewalt war furchtbar und sehr erschreckend."

Die politische Aufarbeitung der G-20-Krawalle läuft noch, während in den Straßen längst wieder Ruhe eingekehrt ist. St. Pauli bleibt aber ein Viertel, das jährlich von bis zu 20 Millionen Touristen besucht wird, wo aber nur 21.000 Menschen leben. "Wir sind wie Insulaner", beschreibt  Pastor Siegard Wilm die Situation. Die St. Pauli Kirche sei ein ganz wichtiger Ort nicht nur für Gemeindemitglieder, sondern auch für unreligiöse Menschen oder auch Menschen anderer Religionen. "Man vertraut der Kirche und fühlt sich dort eben zu Hause. Wir sind innerhalb dieser Ausnahmewelt St. Pauli selber eine Ausnahmewelt."

In der Vielfalt zusammen sein

Besonders im Kirchenchor wird deutlich, dass in der Gemeinde sehr unterschiedliche soziale Schichten vertreten sind, beobachtet Kirchenorganistin Tina Schneeweiß. "Da prallt eigentlich alles aufeinander und trotzdem funktioniert´s total gut. Das finde ich an St. Pauli auch so toll. Da kann einfach jeder kommen, egal ob er Arzt, Jurist ist oder Künstler oder Hartz IV-Empfänger." Das Konzept sei, sich gegenseitig wertzuschätzen und in der Vielfalt zusammen zu gehören, sagt Pastor Wilm. Auch Katholiken würden zu den Gottesdiensten kommen und auch willkommen geheißen, für Wilm ein wichtiges Zeichen innerhalb der Ökumene dafür, dass Christen zusammen gehören. 

"Heute leben hier mehr Menschen, als noch vor 10 Jahren", erzählt der Pastor. Das spiegele sich auch in der Gemeinde mit ihren 4700 Mitgliedern wider. Dennoch gebe es auch in St. Pauli viele Kirchenaustreter. Für die Zukunft sieht der evangelische Pfarrer dennoch nicht schwarz: "Die Kirche wird immer noch gebraucht. Es zerfällt ja alles in Kleinstgrüppchen und Gesinnungen, die wenige Menschen binden können. Und da kann die Kirche eigentlich immer noch sehr viele Menschen binden und auch aus sehr unterschiedlichen Milieus: Wir bringen Menschen zusammen, die sich normalerweise im Alltag nicht treffen würden."

Stephan Kern
(dr)

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