Pfingsten: Zentrales Symbol für den Heiligen Geist ist die Taube
Pfingsten: Zentrales Symbol für den Heiligen Geist ist die Taube

02.06.2017

Pfingsten: Ein Fest, dessen Hintergründe für viele schwer zu fassen sind Nur ein freier Tag für lau?

"Zu Pfingsten sind die Geschenke am geringsten", spottete einst Bert Brecht. Dabei ist Pfingsten eine praktische Sache: Es gibt zum Beispiel einen freien Tag zusätzlich. Vor allem aber gilt: Mehr Geist hat noch kaum jemandem geschadet. 

Es gibt Tage, die die Bundesbürger besonders gern mögen - auch wenn sie meist gar nicht verstehen, warum sie nicht zur Arbeit müssen: kirchliche Feiertage. So wird aus dem Todestag Jesu Christi, dem Kar-Freitag (althochdeutsch für "Kummer" oder "Klage") der "Car-Freitag", der für Raser und Autoschrauber die Saison der illegalen Straßenrennen einläutet.

Auch andere Kirchenfeste sind heute vor allem Grill- und Event-Tage: Christi Himmelfahrt, vor allem als "Vatertag" bekannt, oder Fronleichnam (mittelhochdeutsch "Herrenleib"), ein mittelalterliches Schaufest zu Ehren des Leibes Christi. Oder Pfingsten - was soll das eigentlich?

Pfingsten ist schwer zu fassen

Anders als die Migrationsströme unserer Tage suggerieren könnten, entstand Pfingsten nicht im niederländischen Zeeland. Man muss zurückgehen in den schillernden religiösen Kosmos des antiken Nahen Ostens, um die Entstehung dieses Festes der Ausgießung des Geistes verstehen zu können. Wie schon der Aggregatzustand von "Geist" nahelegt, ist Pfingsten schwer zu fassen: keine Deko, kein Produkt-Marketing. Nur "Geist"... Geht es da mit rechten Dingen zu?

Zeitlicher Ankerpunkt für das christliche Osterfest, also die Auferstehung Christi, war das jüdische Pessach-Fest, das Jesus beim sogenannten Letzten Abendmahl am Gründonnerstag in Jerusalem mit seinen Jüngern feierte. Es war der Vorabend seiner Kreuzigung. 50 Tage nach Pessach (pentekoste = griechisch "fünfzig") feierten die Juden "Schawuot", das sogenannte Wochenfest - eben sieben Wochen nach Pessach. Schawuot ist zugleich ein Erntedank, da es den Abschluss der Weizenernte markiert.

Sprachenwunder als Geburtsfest der Kirche

Die Jünger Jesu, die natürlich weiter den jüdischen Festkalender pflegten, waren an diesem Tag versammelt. Die Apostelgeschichte berichtet, wie sie durch das Pfingstwunder "mit Heiligem Geist erfüllt wurden und begannen, mit anderen Zungen zu reden". Jeder in Jerusalem, auch die Fremden aus anderen Ländern, konnten sie in ihrer Sprache reden hören.

Dieses sogenannte Sprachenwunder, das als das Geburtsfest der Kirche gilt - damals wuchs die Jerusalemer Gemeinde von 120 auf über 3.000 an -, deuten Theologen so, dass die Verkündigung der christlichen Botschaft überall verkündet werden solle. Der Geist als eine der drei Personen Gottes (Vater, Sohn, Heiliger Geist) ist nach kirchlicher Lehre in die Welt gesandt, um die Botschaft Christi lebendig zu halten. Zugleich ist er Kraftquelle und Verkündigungsauftrag für alle Christen, der die 50-tägige Osterzeit abschließt.

Volkskundliche Bräuche

Volkskundlich gesehen ist Pfingsten ein Frühlingsfest, ähnlich dem 1. Mai. Bräuche, die mit Wachsen, Blühen und Wiedererwachen der Natur zu tun haben, tauchen vor dem nahenden Sommer noch einmal auf. Flurumritte, Grenzabschreitungen und Prozessionen sollen der neuen Saat Segen bringen.

Bunte Triebe sind das Schmücken des Pfingstochsen, Geißbockversteigerungen oder der sogenannte Pfingstquack: eine Verballhornung des lateinischen Wortes für "fünfzig", bei dem im Elsass, in der Pfalz oder im Saarland junge Männer mit Handkarren durchs Dorf ziehen, um Speis und vor allem Trank einzutreiben. Schließlich gingen vor der neuen Ernte allmählich die alten Vorräte zur Neige. Kaum noch praktiziert wird der Umgang des Schnoocks oder Maimanns, einer Laubgestalt zur Winteraustreibung.

"Fehler des Aufhörens"

Was die Apostelgeschichte aus dem religiös aufgeheizten Jerusalem vor 2.000 Jahren berichtet, ist heute freilich nicht mehr eins zu eins zu übertragen. Wer heute glossolalierend, also ohne vernehmbaren Sinn sprechend, durch die Straßen liefe, würde im besten Fall belächelt, im schlechtesten wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses festgenommen. Selbst damals fühlte sich der Apostel Petrus genötigt zu beteuern, dass diese Männer nicht "vom süßen Wein betrunken" seien, sondern dass sich hier die Prophetie des Joel erfülle.

Manche christlichen Pfingstgemeinschaften sprechen heute vom "Fehler des Aufhörens" - und meinen die moderne rationalistische Ablehnung religiöser Ekstase und eine Verschließung gegenüber göttlichen Offenbarungen, etwa im Gottesdienst. Ohne solche Formen religiöser Entäußerung moralisch bewerten zu wollen: Mehr internationale Verständigung und etwas zusätzlicher Geist können gerade unserer Zeit sicher nicht schaden.

Alexander Brüggemann
(KNA)

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