Salesianerpater soll seliggesprochen werden
Salesianerpater soll seliggesprochen werden

01.10.2016

Fränkischer Missionar Lunkenbein soll seliggesprochen werden "Ein großer Mensch"

40 Jahre ist es her, dass der Salesianerpater Rudolf Lunkenbein umgebracht wurde. Der Einsatz für die Bororo-Indianer in Brasilien wurde dem Oberfranken zum Verhängnis. Nun läuft ein Verfahren für seine Seligsprechung.

"Ein bezahlter Killer hat Rudolf Lunkenbein erschossen. Der Mörder wurde nie zur Rechenschaft gezogen." Der 77-jährige Salesianerpater Georg Lachnitt erinnert sich an das Ereignis, als wäre es gestern gewesen. Dabei ist es 40 Jahre her, dass sein Weggefährte in der brasilianischen Missionsstation Meruri ums Leben kam. "Weil er sich aus seinem tiefen Glauben heraus für die Rechte der Indios eingesetzt hat", wie Lachnitt betont.

Als erster Märtyrer im Einsatz für Indios soll der Pater, der 1939 in Döringstadt im Erzbistum Bamberg geboren wurde, nun seliggesprochen werden. Der Salesianerorden hat den zuständigen Bischof von Barra do Garcas gebeten, den Prozess zur Anerkennung des Martyriums von Lunkenbein einzuleiten, was dieser auch tat.

"Er war ein großer Missionar"

In diesen Tagen ist Lachnitt mit zwei Mitbrüdern aus Brasilien nach Bayern gekommen, um Dokumente zum Leben des Mitbruders zu sammeln. Pater Paulo Jacomo ist Vizepostulator im Seligsprechungsverfahren, Pater Joao Bosco Maciel leitet die historische Kommission. Die drei Ordensleute sichten im Bamberger Diözesanarchiv Berge an Briefen, Zeitungsartikeln und persönlichen Dokumenten. Zuvor haben sie bei der deutschen Salesianerprovinz in München geforscht sowie in Buxheim bei Memmingen, wo Lunkenbein als Teenager im Internat der Salesianer Don Boscos lebte, und in Benediktbeuern. Dort studierte er Theologie und empfing 1970 die Priesterweihe.

Noviziat und Philosophiestudium absolvierte Lunkenbein in Brasilien. "1958 sind wir mit dem Schiff von Genua aus dorthin gereist", erzählt Pater Lachnitt. Der Zeitzeuge schildert den Mitbruder als einen immer freundlichen, munteren, fröhlichen Mann. "Ein großer Missionar" sei er gewesen, aber auch ein "großer Mensch". Und Jacomo ergänzt, dass "Pater Rodolfo das Evangelium in das Leben der Indianer übersetzt hat". Doch nicht nur den Glauben habe er verbreiten wollen. Er setzte sich auch für bessere Lebensbedingungen der Einheimischen ein, etwa in der Landwirtschaft und Gesundheitsfürsorge.

Vom Auftragskiller ermordet

Lunkenbein gehörte zu den Mitbegründern des Indianermissionsrates (CIMI) der brasilianischen Bischofskonferenz. Er half bei der politischen Durchsetzung eines Gesetzes, das den Indianern ihr eigenes Land zusprach. Damals schrieb er an seine Eltern nach Döringstadt: "In ein bis zwei Monaten wird das Indianergebiet vermessen, und dann wird die ganze weiße Bevölkerung aufgefordert, das Gebiet zu verlassen. In diesen Tagen kann es sein, dass es zu Schüssen kommt, einige haben schon gedroht."

Tatsächlich war der Pater in höchstem Maße gefährdet. "Er hätte sich versetzen lassen können, wollte aber bleiben", erklärt Pater Lachnitt. Als die von der Regierung eingesetzten Landvermesser ihre Arbeit aufnahmen, tauchten am 15. Juli 1976 etwa 70 weiße Siedler in der Missionsstation auf, um Pater Lunkenbein zur Rede zu stellen. Er notierte alle Namen der Grundbesitzer und sicherte ihnen zu, mit der Regierung zu sprechen. Dennoch entwickelte sich eine heftige Auseinandersetzung. Schüsse fielen. Der Indio Simao Bororo warf sich vor Lunkenbein, um ihn zu schützen. Beide starben im Kugelhagel.

"Es war eine absichtliche und keine zufällige Tötung, da der Mörder nicht auf der Namensliste stand", sagt Pater Lachnitt. Simao Bororo soll nach dem Willen des Salesianerordens nun mit Lunkenbein gemeinsam seliggesprochen werden. Die Verehrung der beiden Männer ist bis heute in Meruri und darüber hinaus lebendig: "Ihre Gräber werden viel besucht, sie sind eine richtige Pilgerstätte geworden", wissen die Patres.

Vorbild als Glaubenszeuge

Auch hierzulande wird das Gedächtnis an den Ordensmann gewahrt, wie der Provinzial der deutschen Salesianer, Pater Josef Grünner, betont. "Er war ein Vorbild als Glaubenszeuge und passt heute ganz in die Linie der Umwelt-Enzyklika 'Laudato Si' von Papst Franziskus."

 Marion Krüger-Hundrup

(KNA)

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