Junge Frau mit einem Rosenkranz
Junge Frau mit einem Rosenkranz

17.08.2016

Auch ein Gespräch mit Gott bedarf der Übung Stiller Gruß, Klage oder Liebesgeflüster

Beten fällt Menschen oft schwer. Die einen fürchten, nicht die richtigen Worte zu finden. Andere vergessen es schlicht oder haben keinen Draht nach oben. Dabei kann man Beten lernen - nicht erst in der Not.

Zwischen Menschen gibt es ganz unterschiedliche Gespräche: Mal redet nur einer, und ein anderer hört zu. Mal tauschen zwei Informationen aus, und ein anderes Mal ist es eine hochemotionale Debatte. Mal ist es Liebesgeflüster, und bei der nächsten Gelegenheit ein gegenseitiges Anschweigen.

Genauso ist beten. Nicht schwerer und nicht leichter. Das Gebet ist ein Zusammenkommen von zwei Seiten, von Gott und Mensch. Und so, wie man in einem Gespräch mit einem anderen Menschen nicht im Voraus sagen kann, wie das Gespräch verlaufen wird, so kann man das auch im Gebet nicht sagen. So, wie man nicht alle Worte planen und vorbereiten kann, die man einem anderen sagen wird, so ist es auch mit dem Gebet.

Offenheit für den Anderen

Es ist auch gar nicht nötig, vorgefertigte Worte zu benutzen. Sie können - denkt man an den Gebetsschatz der Kirche - hilfreich sein, weil sie helfen können, sich vorzubereiten und in eine Atmosphäre des Gebets einzutreten. Aber diese Atmosphäre sollte dann geprägt sein von einer Offenheit für den Anderen, für Gott. So wie ein gutes Gespräch mit einem anderen Menschen davon lebt, dass das Gegenüber nicht nur bei sich bleibt, sondern sich auf die Gedanken und die Person des anderen einlässt, so lebt auch das Gebet mit Gott davon, dass beide Seiten offen sind füreinander.

Gott ist es jedem einzelnen Menschen gegenüber bereits. Er erwartet seine Gesprächspartner schon. Und ein Gespräch - und nichts anderes ist ein Gebet - wird gut, wenn der Mensch sich darauf einlässt. Wenn er nicht nur Gedanken und Worte ablädt und wieder verschwindet, sondern mit offenen Ohren und einem offenen Herzen da ist.

Hauptsache im Kontakt

Und je öfter man mit einander redet, je besser man sich kennt, desto intensiver und vielfältiger werden auch die Begegnungen und Gespräche. Vom stummen "Guten Morgen" in der Frühe des Tages bis zu den existenziellen Gesprächen in der Mitte der Nacht. Alles ist möglich, wenn man in Kontakt mit Gott bleibt. 

Dabei ist Gott vielleicht nicht immer ein ganz einfacher oder berechenbarer Gesprächspartner, aber dafür einer, der sich über jeden freut, der zu ihm kommt. Und gleichzeitig ist er überall anzutreffen: in der Kirche genauso wie zwischen den Töpfen in der Küche. Man muss nur anfangen mit ihm zu sprechen.

Angenehme Atmosphäre schaffen

Wie in einem Gespräch mit einem anderen Menschen, so kann es auch hier hilfreich sein, sich eine Atmosphäre zu schaffen, in der man gerne spricht. Eine Kerze kann das richtige Licht schaffen; ein vorformuliertes Gebet kann helfen, einen bewussten Gesprächsanfang zu setzen, eine Ikone kann wie ein Fenster zum Himmel sein, und eine Bibelstelle kann eine Anregung für das Gespräch sein. Hier gibt es kein Richtig und kein Falsch - erlaubt ist, was hilft. 

Und es ist noch nicht einmal gesagt, dass man beim Beten unbedingt still sitzen muss. So wie sich manches Gespräch besser im Gehen oder beim Autofahren führen lässt, so kennt auch die Kirche unterschiedliche Traditionen, in denen bewegt gebetet wird.

Gebete in Bewegung

Schließlich ist der Mensch ein Wesen aus Seele und Leib. Da kann es hilfreich sein, den Leib im Gebet einzubeziehen. Sei es durch eine bewusste Haltung wie Sitzen, Knien oder Stehen oder sei es durch verschiedene Bewegungen. Vom heiligen Dominikus etwa sind neun Gebetsweisen überliefert. Dabei betet der Heilige im Knien, mit ausgebreiteten Armen, auf dem Boden liegend oder am Tisch, wenn er Bücher studiert und meditiert.

Er breitet die Arme aus und streckt sich zum Himmel. Er richtet seinen Blick auf das Kreuz und wendet sich ab. Aber Dominikus betet auch, wenn er mit seinen Brüdern unterwegs ist und durch das Land wandert. Mal schweigend, dann wieder im Austausch über Gott und die Welt.

So ist es an jedem, seine persönliche Art des Betens zu finden und einzuüben. Denn so, wie man das Sprechen mit anderen manchmal üben muss, damit es gelingt, kann es auch gut sein, das Beten auszuprobieren und zu üben. Also nicht gleich das Handtuch werfen, wenn nichts passiert, sondern am Ball bleiben. Denn es lohnt sich, mit Gott im Gespräch zu sein, der die ganze Welt und jeden einzelnen geschaffen hat. Und er erwartet jeden einzelnen Gesprächspartner voller Freude.

Kerstin-Marie Berretz OP
(KNA)

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