Soldaten in Dhaka
Soldaten in Dhaka
Bei dem Geiseldrama in Dhaka starben viele Menschen
Bei dem Geiseldrama in Dhaka starben viele Menschen

02.07.2016

Islamischer Extremismus ist in Bangladesch kein neues Phänomen Kein gutes Jahr, kein guter Ort

Blogger, Aktivisten und Minderheiten haben in Bangladesch einen schweren Stand. Schon vor der blutigen Geiselnahme in einem Hauptstadtrestaurant war klar: Das Land hat massive Probleme mit religiös motivierter Gewalt.

Die Meldung sorgt weltweit für Betroffenheit. Bei einer Geiselnahme in einem Restaurant in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka sind in der Nacht zum Samstag Dutzende Menschen getötet oder verletzt worden. Die Täter sind allem Anschein nach islamistische Terroristen. So erschütternd der Vorfall ist: Überraschend kommt er nicht. Nach Einschätzung von Experten ist das südasiatische Land schon länger ein Brennpunkt religiös motivierter Gewalt.

160 Millionen Menschen leben in Bangladesch, 90 Prozent von ihnen sind Muslime. Der Islam ist Staatsreligion, doch anderen Religionen werden nach dem Prinzip des Säkularismus dieselben Rechte eingeräumt.

Todesliste

Seit Monaten jedoch kursiert eine Todesliste, die vermutlich von islamischen Extremisten stammt. Das "Ansarullah Bangla Team" gilt als Teil von Al-Kaida und wird für mehrere Morde an säkularen Bloggern verantwortlich gemacht. Mehr als 20 Namen standen zuletzt auf der Todesliste: Blogger und Autoren, Verleger und Aktivisten. Nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) leben die Betroffenen im Exil. Die Verfasser der Liste rufen die Regierung Bangladeschs dazu auf, diesen "Feinden des Islam" die Staatsbürgerschaft zu entziehen; andernfalls werde man sie auch im Exil verfolgen und töten. Auf der aktuellen ROG-Rangliste der Pressefreiheit belegt Bangladesch Platz 146 von 180 untersuchten Ländern.

Im vergangenen Jahr töteten die Islamisten sechs prominente Blogger. Einer von ihnen war Avijit Roy. Sein Blog "Mukto Mona", der kritisch über säkulare und wissenschaftliche Themen berichtet, erhielt wenige Monate nach seinem Tod einen Preis der Deutschen Welle. Seine Witwe, Rafida Bonya Ahmed, nahm ihn entgegen. Sie hoffe, dass die Auszeichnung "die Moderatoren und Schreiber nicht nur unseres Blogs ermutigt", sagte sie damals.

Blogger werden zur Zielscheibe

Die Aktivistin ging schon vor der blutigen Geiselnahme in Dhaka davon aus, dass sich die Lage in Bangladesch "weiter dramatisch verschlechtern" werde. Immer wieder habe es in den vergangenen Wochen tödliche Angriffe gegeben. Im April war es in der Hauptstadt zu Protesten und Straßenblockaden gekommen - nach einem Mord an einem islamkritischen Blogger. Kritiker werfen der Regierung vor, nicht entschieden gegen gewaltbereite Muslime vorzugehen.

Denn die Extremisten sind nicht das einzige Problem. Der Medienbeauftragte der Bischöfe des Landes, Joyanto Gomes, sagte vor kurzem dem asiatischen katholischen Pressedienst Ucanews, die Regierung wolle kritische Journalisten mundtot machen. So gab es in jüngerer Vergangenheit wiederholt Strafverfahren gegen Kritiker der regierenden Awami-Liga. Zuletzt wurde der prominente Redakteur Shafik Rehman verhaftet, was Menschenrechtler als Warnung an alle Kritiker interpretierten.

"nirgendwo mehr sicher"

Im vergangenen November forderte der UN-Hochkommissar der Menschenrechte, Zeid Ra'ad Al Hussein, die Regierung Bangladeschs auf, alles zu tun, um jene zu schützen, die von Extremisten bedroht werden. Dies betrifft nicht nur Medienschaffende: In den vergangenen Monaten wurden auch Christen, Schiiten und Hindus wiederholt Opfer von Angriffen. Säkulare Aktivisten, Lehrer und Angehörige von Minderheiten, so formuliert es Rafida Bonya Ahmed, seien "nirgendwo mehr sicher".

Paula Konersmann
(KNA)

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