30.04.2016

Orthodoxe Kirche in Russland fordert Abtreibungsverbot Petition "Für das Leben"

Russland hat eine der höchsten Abtreibungsraten weltweit. Mit einer Petition will die orthodoxe Kirche dieser "schweren Sünde" nun ein Ende setzen.

Mit einer landesweiten Unterschriftenaktion für ein Abtreibungsverbot will Russlands erstarkte orthodoxe Kirche Druck auf die Politik machen. An diesem Wochenende, dem orthodoxen Osterfest, sollen nach den Gottesdiensten bis zu eine Million Unterstützer für die Petition "Für das Leben" gewonnen werden. Im Kampf gegen die hohe Abtreibungsrate setzt die Kirche jedoch nicht nur auf eine Gesetzesänderung. Sie baut auch ihre Hilfsangebote für schwangere Frauen aus.

Gerade an Ostern sind die Gottesdienste gut besucht. Mehr Gläubige trifft man in den Kirchen des Riesenreichs an keinem anderen Tag an. Ein idealer Termin also, um Unterschriften zu sammeln. Zwar rief der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. die Gläubigen bislang nicht persönlich auf, die Petition zu unterschreiben. Aber die Kirchenleitung unterstützt die Kampagne laut den Organisatoren.

Abtreibung ist "größtes Problem"

Kyrill I. hatte die "riesige Zahl" von Abtreibungen im vergangenen Jahr in einer Ansprache vor dem Parlament als eines der größten Probleme Russlands bezeichnet. Die Tötung ungeborener Kinder sei eine schwere Sünde. Im Februar sprach sich das Kirchenoberhaupt dafür aus, dass Eheleute bei der kirchlichen Trauung schwören, dass sie nicht abtreiben werden.

In einem TV-Interview, das an diesem Sonntag ausgestrahlt werden soll, fordert das Kirchenoberhaupt den Klerus nun auf, schwangere Frauen stärker zu unterstützen. "Wir bauen Unterkünfte für Mütter", kündigt er an. Dort könnten Frauen drei Monate kostenlos wohnen, wenn sie sich in einer schwierigen Situation befänden und sich gegen eine Abtreibung entschieden. Die Kirche betreibt landesweit bereits 29 Zentren für schwangere Frauen und Mütter. Mehr als 5.500 Bedürftige meldeten sich den Angaben zufolge im vergangenen Jahr dort. Ein Dutzend weiterer Hilfestellen seien nun geplant.

Hoge Dunkelziffer

Staatlichen Statistiken zufolge wurden in Russland zuletzt jährlich rund eine Million Abtreibungen registriert. Auf 100 Geburten kommen demnach etwa 50 Schwangerschaftsabbrüche. Doch gerade Abtreibungsgegner zweifeln diese Zahlen an. Experten gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Schwangerschaftsabbrüche mindestens doppelt so hoch ist. Grund:Nur staatliche Kliniken würden Abtreibungen melden. Demzufolge würde jede zweite Schwangerschaft abgebrochen.

Russlands Regierung ist das "demografische Koma" schon länger ein Dorn im Auge. Allein um dieses zu beenden, will sie nach eigenen Angaben die Zahl der Abtreibungen bis 2020 um zehn Prozent reduzieren. Am Freitag meldete das Gesundheitsministerium bereits einen ersten Erfolg. 2015 habe es 13 Prozent oder 65.000 weniger registrierte Schwangerschaftsabbrüche als im Vorjahr gegeben. Gegenüber 2011 sei die Zahl sogar um 39,2 Prozent oder 288.000 zurückgegangen.

Gesetzesverschärfungen

Seit 2012 sind in Russland Abtreibungen grundsätzlich nur noch in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen erlaubt. Zudem schreibt das Gesetz eine Bedenkzeit der Schwangeren zwischen der Beratung durch einen Arzt und ihrer Entscheidung für eine Abtreibung vor. Diese Vorschrift wird russischen Medien zufolge jedoch häufig missachtet.

Illegale Schwangerschaftsabbrüche können mit Geldstrafen geahndet werden. Bis 2013 durften in Russland Arztpraxen und Kliniken für Abtreibungen werben. Auch das ist inzwischen verboten.

Geburtenregelung im Kommunismus

Abtreibungen waren während des Kommunismus in Russland die wichtigste Methode der Geburtenregelung. Damals wurden noch bis zu fünf Millionen Schwangerschaftsabbrüche pro Jahr registriert. 2004 waren es 1,8 Millionen.

Im Parlament sorgte zuletzt vor allem der Vorschlag des Abgeordneten Alexander Scherin von den nationalistischen Liberaldemokraten für Aufsehen. Er schlug vor, schwangeren Frauen umgerechnet 3.400 Euro zu zahlen, sollten sie von einer geplanten Abtreibung absehen. Die Kinder sollten nach der Geburt in ein Waisenhaus kommen. Kirchenvertreter begrüßten den Vorschlag.

(KNA)

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