10.01.2011

Unterschiede zwischen Katholiken und Protestanten beim Verständnis der Eucharistie Hintergrund

Einig sind sich die christlichen Kirchen darin, dass Jesus von Nazareth das Sakrament des Abendmahls selbst begründete, als er am Gründonnerstag das letzte gemeinsame Mahl mit seinen Jüngern vor seinem Tod am Kreuz einnahm. Im Teilen von Brot und Wein wissen sich Christen Gott besonders nahe. Im Laufe der Geschichte entwickelten sie aber unterschiedliche Deutungen.

Welche Rolle hat das Abendmahl/die Eucharistie in den Kirchen? Katholisch: Die katholische "Eucharistie" (Danksagung) ist neben der Taufe das zweite Hauptsakrament unter den sieben Sakramenten. Die Feier der Eucharistie mit der Erinnerung an das Opfer Christi am Kreuz ("Messopfer") ist der Höhepunkt der Heiligen Messe. In katholischen Kirchen wird jeden Sonntag die Eucharistie gefeiert. Bei der Kommunion empfangen die Gläubigen dabei die Hostie.

Evangelisch: Im evangelischen Gottesdienst spricht man seit Martin Luther (1483-1546) vom Abendmahl. Die evangelische Kirche kennt nur die beiden Sakramente Taufe und Abendmahl. Das Abendmahl gilt Protestanten als "Heimathafen jeden Glaubens". Gottesdienste mit Abendmahl werden in evangelischen Kirchen meist einmal im Monat oder seltener gefeiert.

Wie ist Christus im Abendmahl präsent?
Diese Frage war jahrhundertelang ein Hauptstreitpunkt zwischen den Konfessionen und auch innerhalb des Protestantismus. Katholiken wie Lutheraner glauben heute gemeinsam, dass Jesus Christus in, mit und unter Brot und Wein wirklich gegenwärtig ist. Reformierte Christen, die sich vor allem auf den Reformator Calvin (1509-1564) berufen, deuten Brot und Wein im Abendmahl als Zeichen, die Christi heilbringende Gegenwart garantieren sollen. Für Zwingli (1484-1531) ist das Abendmahl ein reiner Gedächtnisritus.

Katholisch: Nach katholischem Glauben wandeln sich Brot und Wein in die "sakramentale Gegenwart" von Leib und Blut Christi, sobald der Priester die biblischen Abendmahlsworte spricht. Christi Gegenwart bleibt im Brot und Wein über den Gottesdienst hinaus bestehen. Daher werden übrig gebliebene geweihte und gewandelte ("konsekrierte") Hostien im Tabernakel, einem kostbaren Behälter, aufbewahrt.

Evangelisch: Die aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen einigten sich erst 1973 auf ein gemeinsames Abendmahlsverständnis:
"Wir bekennen die Gegenwart des auferstandenen Herrn unter uns." Spekulationen über die Art dieser Gegenwart werden abgelehnt - dies bleibt ein Geheimnis des Glaubens.

Wie wird das Abendmahl, die Eucharistie gefeiert?
Katholisch: In der Regel empfangen die Gottesdienstbesucher die Hostie durch die Hand des Priesters. Ihm können Kommunionhelferinnen und -helfer bei der Austeilung zur Seite stehen. Seit den 1960er Jahren ist auch die Austeilung des Weins im Laienkelch wieder an alle römisch-katholischen Christen erlaubt und erwünscht.

Evangelisch: Die Gemeinde versammelt sich meist in Gruppen um den Altar. Pfarrer oder Pfarrerin teilen Brotstückchen oder Oblaten aus.
Der Wein wird in einem Kelch mit Segensworten gespendet. Die Austeilung schließt mit dem Segen.

Wer darf am Abendmahl teilnehmen, die Kommunion empfangen?
Katholisch: In der Regel dürfen in der katholischen Eucharistiefeier nur katholische Christen die Kommunion empfangen. Ausnahmen gelten in "schweren Notlagen" wie etwa Todesgefahr. Katholiken ist der Empfang des Abendmahls in einer evangelischen Kirche verboten. Nach katholischer Lehre werden in den evangelischen Kirchen die Sakramente nicht gültig gespendet. In bestimmten und gut begründeten Ausnahmefällen können katholische Priester das Sakrament der Eucharistie auch anderen Christen spenden.

Evangelisch: Alle getauften Christen sind ohne Ausnahmen zugelassen, die auch in ihrer Heimatkirche zum Abendmahl gehen dürfen.

Wer darf die Abendmahls-/ die Eucharistiefeier leiten?
Katholisch: Ausnahmslos ein geweihter Priester. Die katholische Kirche leitet die Autorität ihrer Geistlichen durch eine ununterbrochene Folge von Bischofsweihen durch Handauflegung von der Zeit der biblischen Apostel bis heute ab.

Evangelisch: In der Regel ordinierte Pfarrer oder Pfarrerinnen. Im Ausnahmefall dürfen dies auch besondere, von der Kirche berufene und geschulte Personen. Nach evangelischem Verständnis darf grundsätzlich "jeder Christenmensch" die Feier leiten.

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