Syrische Flüchtlinge kommen per Fähre in Piräus nahe Athen an
Flüchtlinge kommen per Fähre in Piräus an
Flüchtlinge auf Lesbos
Flüchtlinge auf Lesbos

15.12.2015

Athenerin sieht verschuldetes Griechenland mit Flüchtlingen überfordert Der Flaschenhals ist zu

Die Flüchtlingskrise überfordert das kleine Griechenland. Das sagt Hilde Hülsenbeck, die in Athen erlebt, wie freiwillige Helfer in die Bresche springen. EU und UNHCR haben jetzt ein neues Hilfsprogramm für Flüchtlinge in Griechenland aufgelegt.

domradio.de: Wie würden Sie die derzeitige Situation für Flüchtlinge in Griechenland beschreiben?

Hilde Hülsenbeck (deutschsprachige evangelische Gemeinde in Athen): Es gibt nur ein Wort: dramatisch. Wir hatten alle damit gerechnet, dass möglicherweise durch Einbruch des Winters die Flüchtlingsströme aus der Türkei abnehmen. Das ist aber nicht so. Es nimmt lediglich die Zahl der Toten zu. Flüchtlinge kommen nach wie vor auf Lesbos an. Es gibt dort Hotspots, an denen sie registriert werden. Dann werden sie mit Schiffen nach Athen gebracht.

Athen ist im Moment der Ort, der sich offenbar am kritischten entwickelt. Das Flüchtlingslager an der Nordgrenze Griechenlands ist vor wenigen Tagen aufgelöst worden. 2.200 Menschen waren dort offiziell untergebracht. Sie sind mit Bussen nach Athen zurückgebracht worden und müssen genauso wie die nach wie vor von den Inseln antreffenden Flüchtlinge irgendwo untergebracht werden. Es gibt bislang offiziell drei Flüchtlingscamps in Athen. Eines entspricht den Anforderungen, die man an eine menschenwürdige Unterbringung stellen muss. Die anderen beiden Camps sind außerordentlich schwierig. Es hat dort schon schwere Verwüstungen durch Flüchtlinge gegeben. Es ist insgesamt sehr schwierig geworden. Vieles hängt jetzt an der Arbeit von freiwilligen Helfern, von denen es Gott sei Dank sehr viele gibt.

Nun müssen neue Unterbringungsmöglichkeiten geschaffen werden, denn die Zahl der Flüchtlinge steigt weiterhin. Das Wetter ist so, dass man nicht mehr auf irgendeinem Platz oder einer Bank übernachten kann. In Athen sind schon Hotels zur Verfügung gestellt worden.

domradio.de: Worauf führen Sie die Missstände zurück? Ist das eine Überforderung oder war man von Regierungsseite von vornherein nicht Herr der Lage?

Hülsenbeck: Griechenland ist ein Land in einer tiefen Wirtschafts- und Finanzkrise. Die Regierung hat sich im Februar gebildet und wird natürlich mit einem so außerordentlichen Problem überhaupt nicht fertig. Kann sie auch nicht, weil das Problem die Möglichkeiten dieses kleinen Landes völlig überschreitet. Wohnraum zu schaffen bedeutet Kosten. Die kann ein Land, das so verschuldet ist, im Moment überhaupt nicht stemmen. Trotzdem muss man sagen, dass die Zusammenarbeit mit den offiziellen Stellen relativ problemlos ist. Außerdem gibt es enorm viele Freiwillige, die mit einem wahnsinnigen Engagement helfen, die Sache halbwegs in den Griff zu bekommen.

Aber es gibt Probleme bei der Versorgung mit Lebensmitteln. In einem Camp werden die Menschen vom Militär versorgt und die Lebensmittel sind für die Flüchtlinge oftmals nicht bekömmlich. Zum anderen werden Unternehmen von der Regierung beauftragt, Lebensmittel zu stellen oder Mahlzeiten zu kochen, die dann nicht bezahlt werden können, weil die Mittel dazu fehlen.

Es besteht akuter Handlungsbedarf. Gott sei Dank haben sich viele Freiwillige gefunden, die in die Bresche springen. Aber auch da wird es langsam kritisch. Die Regierung muss mit den Freiwilligen enger zusammenarbeiten, damit es eine langfristige Lösung gibt. 

domradio.de: Es gibt jetzt das offizielle Programm der EU und des UNHCR. Was halten Sie davon: Kann es eine Erleichterung sein für die Gesamtsituation in Griechenland?

Hülsenbeck: Selbstverständlich. Alle Hilfe, die im Moment kommt - sei es über offizielle Programme oder durch private Initiativen -, hilft natürlich, die Not zu lindern. Aber es ist nur eine Linderung. Es bleibt jetzt zu hoffen, dass durch das große Paket [von EU und UNHCR, Anm.d.Red.] der notwendige Wohnraum geschaffen wird und dass die Menschen ärztlich und mit Nahrungsmitteln versorgt werden. Was sonst noch aus dem Programm abfallen könnte, um eine längerfristige Lösung zu schaffen, das ist ja noch ungewiss. Tatsache ist, dass immer mehr Flüchtlinge kommen. Der Strom reißt nicht ab, aber der Flaschenhals ist zu. Das ist ein Problem für so ein kleines Land. Im Sommer ist es leichter zu ertragen, aber im Winter weniger leicht.

Das Gespräch führte Dr. Christian Schlegel.

(DR)

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