Die Reiseroute bei der "Willkommenskultour"
Die Reiseroute
Jil Blume
Jil Blume

29.08.2015

Gelungene Flüchtlingsprojekte in Deutschland Wo ist die Gastfreundlichkeit?

Wie und wo funktioniert Willkommenskultur für Flüchtlinge in Deutschland? Mit dieser Frage im Gepäck fährt die junge Journalistin Jil Blume ab Montag quer durch's Land. Ein domradio.de-Interview zur "Willkommenskultour".

domradio.de: Was macht ihr auf eurer "Willkommenskultour"?

Jil Blume (Initiatorin der "Willkommenskultour"): Wir besuchen vier Wochen lang zehn Stationen in ganz Deutschland. Wir fahren am Montag in Köln los, zuerst in den Norden, dann in den Süden, schließlich in den Osten, und dann wieder zurück nach Köln. Unterwegs wollen wir Projekte betrachten, von denen wir glauben, dass sie im Umgang mit Geflüchteten besonders gelungen sind. Projekte, die eine Art Modellcharakter haben könnten. 

domradio.de: Ihr habt euch vorher schon schlau gemacht über die Projekte. Kannst du ein Beispiel nennen? 

Blume: An der Uni Osnabrück können sich zum Beispiel Geflüchtete Vorlesungen anhören. Da ist die Frage: Warum geht das in Osnabrück? Welcher Mensch an welchem Hebel muss da etwas machen? Muss da die Stadt mitmachen, sind da Ehrenamtliche gefragt, wer entscheidet das? Das schauen wir uns an.

domradio.de: Flüchtlingspolitik und Integration von Flüchtlingen ist ein ungeheuer komplexes Thema...

Blume: Genau. Es ist unheimlich schwer, da den Überblick zu behalten. Den haben auch wir nicht. Aber wir wollen bei unserer Tour durch die Städte die Frage stellen: Was ist wichtig, damit Willkommenskultur für geflüchtete Menschen in Deutschland gelingt? Bei den Projekten, die wir uns anschauen, stellen wir genau diese Frage. Wenn zum Beispiel in einer WG in Berlin Studenten gemeinsam mit Geflüchteten leben: Warum können die das? Und warum klappt das an anderen Orten in Deutschland noch nicht einmal, wenn die Geflüchteten in der Nachbarschaft leben?

domradio.de: Was glaubt du, warum läuft es an einigen Stellen mit der Integration von Flüchtlingen besser als an anderen?

Blume: Wir haben uns schon Flüchtlingsunterkünfte und -projekte angeschaut. Und wir glauben, dass da wo Frauen und Kinder involviert sind und die Bevölkerung nicht nur auf viele Männer trifft, die Akzeptanz in der Bevölkerung sehr viel besser ist. Außerdem spielen die Unterschiede zwischen Stadt und Land eine große Rolle. In der Stadt passiert generell immer etwas Neues. Deshalb kann es auch sein, dass Projekte mit Geflüchteten dort besser funktionieren.

domradio.de: Wollt ihr mit der Berichterstattung über Flüchtlingsprojekte, die gut laufen, ein Gegengewicht schaffen zu all den schrecklichen Bildern, die es zum Thema Flucht gerade in den Medien gibt?

Blume: Das auch. Es gibt ja im Vergleich zum letzten Jahr schon ganz viel Berichterstattung über positive Projekte. Wir denken aber: Die gelungenen Projekte wirken manchmal wie ganz viele kleine Punkte, die in Deutschland aufblitzen, die aber für sich stehen und vielleicht auch wieder verglimmen. Wir glauben allerdings, dass hinter diesen Projekten eine Systematik steckt. Wir wollen schauen, was die Projekte verbindet.

 

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(dr)

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