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Bundespräsident Gauck
Bundespräsident Gauck

20.06.2015

Gedenktag für Opfer von Flucht und Vertreibung Gauck: Mehr Verständnis durch eigene Geschichte

Am Samstag gab es den ersten nationalen Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung. Bundespräsident Gauck mahnte die Deutschen: Erinnert Euch an die eigenen Erfahrungen und seid offen für die Flüchtlinge von heute.

Zum ersten Gedenktag an die Opfer von Flucht und Vertreibung hat Bundespräsident Joachim Gauck an deren Leid erinnert. Er selbst vermöge nicht ohne "eine gewisse Scham" an die fehlende Empathie für die deutschen Opfer nach dem Zweiten Weltkrieg zu denken, sagte Gauck am Samstag bei der Gedenkfeier im Berlin.

Erinnerung an eigene Flucht

Dabei sei er in den 50er Jahren wie die meisten Ostdeutschen durch westdeutsche Medien über die Schicksale von Vertriebenen informiert worden. Die Erinnerung an Flucht und Vertreibung der Deutschen sei fast immer schwierig und fast immer emotional gewesen.

Er wünsche sich, so Gauck weiter, dass das Erinnern an die Vertriebenen damals das Verständnis für Flüchtlinge heute vertiefe und zugleich die Auseinandersetzung mit den "Entwurzelten von heute" die Empathie für die Geflohenen von damals fördere. Gauck begrüßte vor diesem Hintergrund, dass mit der Gründung der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung im Jahr 2008 die Erinnerungsarbeit weitergeführt werde.

Nähe durch Offenheit

Zugleich sagte der Bundespräsident, dass Flucht und Vertreibung stets auch das Leben der "Aufnehmenden" oder "alten" Bewohner verändere. Offenheit für das Leid der Anderen führe zu Verständnis und Nähe. Das sei auch bei der Aufnahme von Flüchtlingen heute entscheidend, appellierte Gauck.

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) warnte davor, das Schicksal der Opfer von Flucht und Vertreibung - "in welcher Weise auch immer" - politisch zu instrumentalisieren. Diese Lehre müsse aus den Erfahrungen mit den deutschen Vertriebenen gezogen werden. Der Umgang mit diesen Opfern und deren Leid sei in den Nachkriegsjahren vielen schwer gefallen, da die Flucht auch die Folge des zuvor von Deutschen über Europa gebrachten Unrechts gewesen sei.

Lange Debatten

Auch wenn die Situation der Flüchtlinge von heute "grundsätzlich anders" sei, lägen die Einzelschicksale womöglich nicht so weit auseinander, bekräftigte der Minister. Die Betroffenen teilten das Gefühl von Entwurzelung, Angst um das eigene Leben und das Leben der Kinder, Hunger oder die Erfahrungen von Gewalt. "Wir arbeiten hart daran, neue Wege zu finden, aber einfache Lösungen wird es nicht geben", sagte de Maiziere mit Blick auf die weltweite Flüchtlingskrise.

Vor knapp einem Jahr hatte die Bundesregierung beschlossen, den 20. Juni zum nationalen Gedenktag für Vertriebene zu machen - und diesen an den Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen zu koppeln. Der Umgang mit der Erinnerung an die Vertreibung aus ehemaligen deutschen Siedlungsgebieten in Osteuropa hatte lange für emotionale Debatten gesorgt. Der Bund der Vertriebenen forderte jahrelang einen eigenen Gedenktag. Er vertritt die Interessen von 14 Millionen, im Zweiten Weltkrieg vertriebenen Menschen und ihren Nachkommen.

(KNA, dpa)

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