Das Rettungsschiff "Sea-Watch 4"
Das Rettungsschiff "Sea-Watch 4"
Archiv: Heinrich Bedford-Strohm (2.v.l.) spricht bei der Schiffstaufe des Rettungsschiffs "Sea-Watch 4"
Heinrich Bedford-Strohm (2.v.l.) spricht bei der Schiffstaufe des Rettungsschiffs "Sea-Watch 4"
Liegen auf der Krankenstation des Rettungsschiffs für Flüchtlinge "Sea-Watch 4"
Liegen auf der Krankenstation des Rettungsschiffs für Flüchtlinge "Sea-Watch 4"

31.07.2020

Harte Worte von "Sea Watch" für Horst Seehofer "Das ist wirklich schäbig"

Auf dem Mittelmeer ist im Moment kein einziges Rettungsschiff unterwegs, und das deutsche Innenministerium untersagt dem Land Berlin Flüchtlinge aufzunehmen. Umso nötiger ist es, dass das von der EKD initiierte Rettungsschiff "Sea-Watch 4" seine Arbeit aufnimmt.

DOMRADIO.DE: Wie dringend wird das neue Rettungsschiff denn gebraucht?

Ruben Neugebauer (Pressesprecher der Senotrettungsorganisation "Sea-Watch"): Wir haben im Moment einen Seenotfall, der offen ist. Gestern Abend waren es schon über 60 Stunden, die diese Menschen im Prinzip ohne Hilfe auf dem Wasser getrieben sind, weil die europäischen Staaten immer häufiger die Hilfe verweigern, weil sie eben nicht retten und es dadurch eben auch immer wieder zu Toten kommt, obwohl Rettung eigentlich problemlos möglich wäre, auch von den europäischen Staaten.

Die haben die Schiffe, die haben die Möglichkeiten, eigentlich dort einzugreifen, tun das aber nicht, weil sie die Menschen lieber auf dem Meer ertrinken lassen, als dass sie europäische Küsten erreichen. Deswegen muss man eben alles selber machen. Und deswegen werden unsere Schiffe dringend gebraucht. Im Moment ist allerdings, aufgrund der vielen Schiffe, die in Italien festgesetzt worden sind, kein einziges Rettungsschiff auf dem Mittelmeer unterwegs. Deshalb wird die "Sea-Watch 4" so dringend benötigt.

DOMRADIO.DE: Zahlreiche Schiffe sind festgesetzt worden. Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm hat aber diese Woche nochmal deutlich gemacht: Sollte die Mission behindert werden, werden wir uns für die Crew und die geretteten Menschen einsetzen. – Wie sehr macht Ihnen diese Unterstützung Mut?

Neugebauer: Es ist super wichtig, dass wir diese breite zivilgesellschaftliche Unterstützung und die Unterstützung auch aus den Kirchen bekommen. Denn es ist ja ganz klar, dass gegen uns vorgeschobene Argumente verwendet werden, die nur dazu dienen, Rettungsschiffe aus dem Verkehr zu ziehen. Da ist es ganz wichtig, zu sagen, dass wir mehr sind und dass es in Deutschland zum Beispiel eine breite Mehrheit für die zivile Seenotrettung gibt. Die Menschen sind dagegen, dass man Menschen dort ertrinken lässt.

Deswegen ist es sehr wichtig, wenn Akteure wie die Kirche das dann auch noch mal klarstellen, den Verantwortlichen aus der Politik sagen, dass sie damit nicht durchkommen und dass diese Politik des Ertrinkenlassens ein Ende haben muss.

DOMRADIO.DE: Inwiefern, glauben Sie denn, könnte das politisch schon jetzt Wirkung zeigen?

Neugebauer: Es ist ja so, dass das einen Grund hat, dass die Italiener im Moment die Rettungsschiffe festsetzen. Es ist so, dass sich Italien alleingelassen fühlt von der Europäischen Union, weil es eben immer noch keinen gemeinsamen Mechanismus gibt, um die Seenotrettung gemeinsam zu organisieren und die Leute auch auf die europäischen Staaten zu verteilen. Es gab da mal die Malta-Erklärung. Die hat man still und heimlich auslaufen lassen.

Gleichzeitig ist es so, dass wir aber eine hohe Aufnahmebereitschaft haben. Es gibt zahlreiche Städte und Kommunen, Bundesländer, die sagen: Ja, wir können mehr Menschen aufnehmen. Da hat Herr Seehofer gerade im Prinzip dem Land Berlin verboten, Menschen aufzunehmen. Das ist wirklich schäbig. Das Land Berlin sagt: Wir haben die Bereitschaft, wir nehmen Leute auf, wir haben Platz, wir möchten sie aufnehmen – und das wird dann allerdings von der Regierung in Berlin, von Horst Seehofer verboten. Und diese Partei bezeichnet sich immerhin als christlich.

Deswegen ist es total wichtig, dass man die Kirche dann auch ganz klar sagt: Nein, so läuft das nicht. Wir können dieses Ertrinkenlassen nicht akzeptieren. Das ist wirklich wichtig, dass da dieses klare Signal kommt, weil es ja tatsächlich so ist, dass die Bevölkerung an ganz vielen Orten sagt: Wir haben Platz, wir können diese Leute aufnehmen. Das hat Herr Bedford-Strohm auch nochmal klargemacht. Das ist wirklich sehr hilfreich und das macht uns Mut.

DOMRADIO.DE: Das von der EKD initiierte Rettungsschiff wird derzeit in Spanien umgebaut. Sie waren kürzlich erst vor Ort und haben den aktuellen Stand der "Sea Watch 4" mitbekommen. Wie laufen denn die Vorbereitungen?

Neugebauer: Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Gleichzeitig ist auch schon jetzt die erste Crew an Bord. Es ist ja so, dass wir aufgrund der Pandemie relativ strenge Quarantänevorschriften einhalten, weil wir das sehr ernst nehmen. Deshalb geht die Crew dann in einem entsprechend langen Zeitraum vorher an Bord, um sicherzustellen, dass von uns das Virus nicht weiter verbreitet wird.

Gleichzeitig laufen an Bord die letzten Vorbereitungen. Es finden auch Trainings statt, damit die Crew auf dieses neue Schiff dann auch gut eingestellt ist. Ich kann sagen, es ist wirklich ein sehr gutes Schiff. Wir sind da wirklich bestens vorbereitet auf diese Situation und schauen da sehr optimistisch der ersten Mission entgegen. Zugleich sind wir natürlich besorgt darüber, dass im Moment die meisten Rettungsschiffe festgesetzt sind durch Italien. Das lässt uns natürlich auch ein Stück weit bangen, was dann mit der "Sea-Watch 4" passieren wird.

DOMRADIO.DE: Im August soll die "Sea-Watch 4" planmäßig auslaufen. Sieht es aktuell so aus, als würde das dann auch klappen?

Neugebauer: Ja, es sieht im Moment sehr gut aus. Wir haben jetzt keinen genauen Abfahrtszeitpunkt. Das ist bei solchen großen Projekten immer relativ schwierig, aber wir sind sehr optimistisch. Es hat natürlich einige Verzögerungen durch die Pandemie gegeben. Aber wir hatten jetzt auch letzte Woche eine Probefahrt, und das ist eigentlich sehr gut gelaufen. Deswegen sind wir sehr optimistisch, dass das losgehen kann.

Das Interview führte Julia Reck.

(DR)

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