Integration als "historische Aufgabe"?
Fachleute geben Tipps zur besseren Integration von Zuwanderern

22.11.2018

Fachleute geben Tipps zur besseren Integration von Zuwanderern Wie Angebote für Migranten auch Einheimischen helfen können

Seit Januar haben 15 Experten aus Wissenschaft und Praxis im Rahmen des Tutzinger Diskurses "Wege der Integration" gesucht. Nun stellten sie in München ihre Ergebnisse vor.

Integration könnte so einfach sein: Da fehlen etwa in vielen Regionen Deutschlands Grundschullehrerinnen und Erzieher. Zugleich aber gibt es Zuwanderer mit entsprechender Fachausbildung und hervorragenden Deutschkenntnissen. Da dürfte es doch kein Problem sein, Nachfrage und Angebot zusammenzubringen? "Leider ist das nicht so einfach, denn es geht um die Frage der Anerkennung von Abschlüssen und die Abstimmung von Behörden untereinander", sagt Merima Dzaferovic. Die Wissenschaftlerin mit bosnischen Wurzeln leitet an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz eine Brückenmaßnahme für zugewanderte Akademikerinnen.

"Win-win Situation für alle Seiten"

Sie weiß von einer Griechin mit Master-Abschluss in Erziehungswissenschaften und sehr guten Deutschkenntnissen auf dem Niveau C1. Trotzdem darf diese Frau nicht als Erzieherin in einer Kita arbeiten, sondern nur als niedriger eingruppierte interkulturelle Fachkraft. Deshalb plädiert Dzaferovic bei Migranten für eine Anerkennung von fachlichem Wissen und Können jenseits rein formaler Kriterien: "Das wäre für alle Seiten eine Win-win-Situation."

Dzaferovic gehört der im Januar gebildeten Gruppe des Tutzinger Diskurses zum Thema "Wege der Integration" an. An dem vom bayerischen Sozialministerium geförderten Projekt beteiligten sich 15 Wissenschaftler und Praktiker, die an der Akademie für Politische Bildung in Tutzing aus über 220 Bewerbungen ausgewählt wurden. Darunter sind Praktiker wie Annette Komtheuer, Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte der Stadt München, und Uwe Kraus, der die Sozialen Dienste des Diakonischen Werks Schweinfurt leitet.

Einige haben einen Migrationshintergrund wie Erdogan Karakaya, früher Referent der Eugen-Biser-Stiftung und nun wissenschaftlicher Mitarbeiter des Polizeipräsidiums Südosthessen. Auch die Berliner Anwältin Armaghan Naghipour ist Teil der Gruppe. In fünf mehrtägigen Workshops setzte diese sich interdisziplinär, ohne Scheuklappen und durchaus kontrovers mit den vielen Facetten des Themas auseinander. Es ging darum, wie Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt in einer Migrationsgesellschaft funktionieren können, wie Menschen mit und ohne Migrationshintergrund einander überhaupt treffen können oder wie man mehr Bildungsgerechtigkeit schafft.

15 zentrale Forderungen

Bei der Abschlussveranstaltung am Dienstagabend in München liegt bereits ein Band mit Handlungsempfehlungen vor, der 15 "zentrale Forderungen" enthält. Basis ist eine "offene Gesellschaft mit diversitätssensiblen und nicht-demütigenden Institutionen, in denen Vielfalt wertgeschätzt wird". Die Gruppe wünscht sich eine Kompetenz- statt einer Defizitorientierung. Nicht einfach Werte vermitteln, sondern dies in einem dialogischen Prozess tun. Außerdem solle Bayerns Integrationsgesetz im Sinne eines Partizipationsgesetzes weiterentwickelt werden.

Weiter sprach sich der Tutzinger Diskurs dafür aus, für alle den Zugang zu Sprachkursen, Arbeitsmarkt und Ausbildung möglich zu machen, die dies wünschten - auch für Menschen ohne Migrationshintergrund. Denn Integrationsangebote kämen letztlich allen Bewohnern zugute. So gebe es in Deutschland rund sieben Millionen Menschen, die kaum lesen könnten. Alphabetisierungskurse könnten auch ihnen helfen. Letztlich gelte es, den Einzelnen wahrzunehmen mit seinen ganz besonderen Erfahrungen und Eigenschaften, die ihn zu dem Menschen machten, der er sei.

"Gelebte Demokratie"

Michael Spieker, Initiator der Reihe der Tutzinger Diskurse und mittlerweile Professor für Politikwissenschaft an der Katholischen Stiftungshochschule München, nennt solche Diskurse "gelebte Demokratie". Zum Abschluss lädt er die rund 120 Gäste denn auch gleich zu zwei Runden mit Teilnehmern der Diskurs-Gruppe an Zehnertischen ein. Statt der Frontalpräsentation von Ergebnissen gibt es also eine Kurz-Diskussion.

Ursula Münch, Direktorin der Akademie für Politische Bildung, resümiert: "Es war schwierig, ganz unterschiedliche Positionen zusammenzubringen. Was bleibt, ist unter anderem das Verständnis für diejenigen, die andere Vorstellungen haben."

Gabi Riffert
(KNA)

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