Interreligiöser Dialog (Symbolbild)
Interreligiöser Dialog (Symbolbild)
CIBEDO-Leiter Timo Güzelmansur
CIBEDO-Leiter Timo Güzelmansur

19.10.2018

Seit 40 Jahren suchen Katholiken und Muslime das Gespräch CIBEDO feiert Geburtstag

Seit nun 40 Jahren hat die Deutsche Bischofskonferenz eine Fachstelle, kurz CIBEDO, die den Dialog mit Muslimen sucht. Was hat sich seitdem verändert und welche Herausforderungen stellen sich bei der Suche nach Gemeinsamkeiten?

DOMRADIO.DE: 1978 haben Sie die Arbeit aufgenommen und ich vermute, da war das Verhältnis von Christentum und Islam noch ein anderes, oder?

Timo Güzelmansur (Geschäftsführer der Christlich-Islamischen Begegnungs- und Dokumentationsstelle der Deutschen Bischofskonferenz, CIBEDO): In Deutschland auf jeden Fall. Als Anfang der 1960er Jahre als Folge des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei muslimische Gastarbeiter aus der Türkei und später auch aus dem ehemaligen Jugoslawien sowie aus Tunesien und Marokko nach Deutschland kamen, da begann in Deutschland praktisch ein neues Miteinander und ein Nebeneinander von zwei unterschiedlichen Religionen. Heute haben wir nach vierzig Jahren eine ganz andere Situation. 

DOMRADIO.DE: Sie kümmern sich um den Dialog zwischen den beiden Religionen. Wo kommt es denn am ehesten zu Konflikten? Können Sie das konkret machen? 

Güzelmansur: Zum Beispiel in Schulen, wenn unterschiedliche religiöse Traditionen aufeinandertreffen. Es kommt aus meiner Erfahrung zu Problemen, wenn etwa Vorurteile von den Heimatländern der Muslime nach Deutschland transportiert werden. Zum Beispiel was die Einstellung gegenüber Juden oder auch Christen angeht. Oder es gibt Schwierigkeiten, wenn es um Speisevorschriften geht. Die einen beharren darauf, dass sie nach den muslimischen Vorschriften vorbereitetes Essen bekommen und nicht jeder Einrichtung kann das wiederum gewährleisten. Da kann es zum Beispiel zu Konflikten kommen. 

DOMRADIO.DE: Jetzt ist der Dialog mit der Türkei, mit Ihrem Präsidenten Erdogan in letzter Zeit ziemlich schwierig. Gucken wir uns zum Beispiel die Eröffnung der Moschee in Köln an. Inwiefern wirkt sich so etwas auf Ihre Dialogarbeit aus? 

Güzelmansur: Das hat natürlich enorme Auswirkungen, weil das eine Symbolhandlung ist. Wenn eine deutsche Moschee in Deutschland etwa deutsche Politiker und Kirchen, die mit ihnen im Dialog stehen, erst im letzten Moment zur Eröffnungsfeier einlädt, dann hat das negative Auswirkungen auf das ganze Dialoggeschehen. Da fragt man sich, was macht man da eigentlich, wenn die Dinge so laufen, wie sie gelaufen sind. 

DOMRADIO.DE: Am Freitagabend gibt es bei Ihnen einen großen Festakt, bei dem unter anderem auch der Bundespräsident sprechen wird. Was erwarten Sie sich von Steinmeiers Rede?

Güzelmansur: Allein, dass der Bundespräsident kommt, zeigt die Bedeutung, die er dem ganzen Thema beimisst. Damit zeigt er, dass er den interreligiösen Dialog unterstützt. Ich glaube, dass er uns ermutigen wird, da weiterzugehen und auch beharrlich zu sein, wie wir das seit vierzig Jahren tun - nach vornezuschauen und positiv gestimmt in Dialog zu treten und zu bleiben. 

Das Interview führte Verena Tröster. 

(DR)

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