Kirchenasyl
Kirchenasyl

18.03.2018

Mehr Fälle von Kirchenasyl in NRW Ausgang meist positiv

Wer von Abschiebung bedroht ist, kann unter bestimmten Voraussetzungen Zuflucht bei der Kirche finden. In NRW gewähren die Gotteshäuser immer mehr Menschen Asyl - meist können die Flüchtlinge in der Folge bleiben.

Immer mehr von Abschiebung bedrohte Asylsuchende finden bei nordrhein-westfälischen Kirchen Zuflucht. Ende Februar befanden sich 160 Menschen in 129 Kirchenasylen, wie das Ökumenische Netzwerk Asyl in der Kirche in NRW auf Anfrage mitteilte. Das sind etwa ein Drittel mehr Menschen als noch im Sommer und fast doppelt so viele wie vor gut einem Jahr. Die Zahl steige seit Jahren, sagte Benedikt Kern vom Netzwerk in Münster. Herkunftsländer der Menschen seien vor allem Irak, Iran und Eritrea.

Die Kirchen in Deutschland gewähren Flüchtlingen Zuflucht, bei denen sie Leib und Leben durch eine Abschiebung bedroht sehen oder eine nicht hinnehmbare soziale und psychische Härte befürchten. Grund für die steigende Zahl der Kirchenasyle sei ein wachsender Abschiebedruck, schildert das Netzwerk.

Mehr Dublin-Abschiebungen

Kern sagte: "Die Zahl der Dublin-Abschiebungen hat sich fast verdoppelt im letzten Jahr". Die meisten Kirchenasyle befassten sich mit diesen Verfahren, bei denen die Asylbewerber in das EU-Land zurückgeschickt werden sollen, über das sie zuerst auf dem Weg nach Deutschland eingereist sind. Dort herrschten aber teilweise sehr schlechte Bedingungen für Flüchtlinge, kritisierte Kern.

Kirchenasyl komme auch in Betracht, wenn sogenannte Kettenabschiebungen drohten. Das sei zunehmend Thema. Asylsuchende müssten hierbei damit rechnen, nach ihrer Rückführung in das EU-Land dann weiter in das Fluchtland abgeschoben zu werden. In NRW gibt es aktuell etwa 130 Fälle, für die das Netzwerk noch Kirchengemeinden sucht. Untergebracht werden Flüchtlinge im deutschen Kirchenasyl nach Angaben der Ökumenischen Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche zum Beispiel in Kirchen, Gemeindezentren oder Pfarrhäusern.

Fast alle Fälle enden gut

Die Behörden dulden Kirchenasyle, obwohl es dafür keine gesetzliche Grundlage gibt. "Es ist vielmehr ein Rechtsbruch", räumte Kern ein. Gemäß einer Übereinkunft zwischen Staat und Kirchen informieren die Gemeinden die Behörden über Menschen im Kirchenasyl und schicken ein Dossier zur erneuten Prüfung an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Mit Kirchenasylen könne aber oftmals auch Zeit gewonnen werden: Denn nach einer Frist von sechs Monaten gehe die Zuständigkeit in Dublin-Verfahren auf Deutschland über, sagte Kern.

Die Aussichten für die Asylsuchenden stehen laut Netzwerk gut: In mehr als 90 Prozent der Kirchenasyle, die in den vergangenen zwölf Monaten in NRW beendet wurden, wurde positiv entschieden.

 

(dpa)

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