Abtransport des Flüchtlingsbootes aus dem Kölner Dom
Abtransport des Flüchtlingsbootes aus dem Kölner Dom
Robert Boecker
Robert Boecker
Flüchtlingsboot als Krippe in Köln
Flüchtlingsboot als Krippe in Köln
Fronleichnamsfeier in Köln
Flüchtlingsboot als Altar

03.11.2017

Flüchtlingsboot des Erzbistums Köln auf letzter Reise Angst und Enge in der Nussschale

Es hat Menschen über das Meer geschleust, diente Fronleichnam 2016 als Altar und machte eine Reise durch das Erzbistum Köln. Wie das Flüchtlingsboot aus Malta die Menschen bewegt hat, berichtet Robert Boecker von der Kölner Kirchenzeitung.

domradio.de: Was war das Ziel der Reise des Flüchtlingsbootes durch die Gemeinden?

Robert Boecker (Chefredakteur der Kölner Kirchenzeitung und Leiter der Abteilung Medien und Kommunikation im Erzbistum Köln): In der Abteilung Medien und Kommunikation, deren Leiter ich bin, haben wir uns intensiv damit beschäftigt, was wir mit dem Boot machen, wenn es am Ende des Jahres der Barmherzigkeit aus dem Dom herauskommt. Wir waren uns eigentlich einig, dass es zu schade wäre, dieses Boot in irgendeinem Museum oder in einer Lagerhalle zu verstecken. Da wurde die Idee geboren, den Gemeinden und Institutionen anzubieten, es für eine bestimmte Zeit zu beherbergen. Wir waren skeptisch und zurückhaltend, wie die Resonanz ausfallen würde. Aber wir waren dann wahnsinnig überrascht darüber, wie groß die Resonanz war.

Viele Gemeinden berichten, dass es zu bewegenden Gesprächen angesichts des Bootes gekommen ist. Denn das Besondere dieser Aktion ist, dass den Menschen sehr plastisch vor Augen geführt wird, was andere Menschen auf sich genommen haben, welche Ängste sie ausgestanden haben müssen, um in dieser Nussschale übers Meer zu fahren. Wir haben auch in Schulen und in Berufskollegs das Boot platzieren können. Da haben dann 70 Schüler versucht, sich in das Boot zu quetschen. Und wer das einmal gemacht hat und gesehen hat, welche Enge das ist, der entwickelt eine Vorstellung davon, was Menschen auf sich nehmen, um sich dem Leid, dem Elend und der Not in ihren Ländern durch diese gewagte Flucht zu entziehen.

domradio.de: Als der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki vor gut einem Jahr am Fronleichnamsfest die Messe mit dem Flüchtlingsboot als Altar gefeiert hat, gab es durchaus auch negative Reaktionen. Glauben Sie, dass durch diese Aktion mit dem Flüchtlingsboot das Verständnis für die Willkommenskultur gewachsen ist?

Boecker: Ich denke, die Leute, die in die Gemeinden gekommen sind, konnten ein Verständnis für das entwickeln, was auf dem Boot passiert ist. Natürlich gibt es Kritiker, die die gesamte Aktion in Frage stellen und sagen: "Lass mich mit dem Quatsch in Ruhe". Aber da muss man einfach Kardinal Woelki sehr loben, dass er diese Initiative ergriffen hat und sich dieser Kritik ausgesetzt hat, von der er wusste, dass sie kommen würde. 

domradio.de: Unter dem Titel "Rette sich, wer kann" steht das Flüchtlingsboot noch bis Sonntag in der Elisabethkirche Bonn. Die Elisabethgemeinde brachte das Boot in Beziehung mit dem Klimawandel als Fluchtursache. Inwiefern? 

Boecker: Wenn zum Beispiel in Afrika die Dürren zunehmen, die Menschen keine Lebensgrundlage mehr haben, dann machen sie sich auf den Weg dahin, wo sie glauben, noch Lebensgrundlagen zu finden. Und das ist eben Europa. Und deswegen muss es unser ganz großes Anliegen sein, dafür zu sorgen, dass sich die Lebensgrundlagen in afrikanischen Ländern oder sonstwo auf der Welt nicht dramatisch verschlechtern. Sonst sind Menschen gezwungen, diese waghalsigen Fluchten auf sich zu nehmen. Ich bin der Gemeinde in Bonn ganz dankbar dafür, dass sie sich als letzte Perle in dieser Kette bereiterklärt hat, im Rahmen ihrer Elisabethwoche das Boot zu beherbergen. Gleichzeitig hat die Gemeinde mitorganisiert, dass wir am Sonntag das Boot offiziell an das Haus der Geschichte übergeben. Denn dort wird das Boot in den nächsten Jahren im Mittelpunkt einer neuen Ausstellung stehen. 

Das Gespräch führte Mathias Peter.

(DR)

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