MOAS-Rettungsaktion
MOAS-Rettungsaktion

05.09.2017

Kölner Pfarrer zum Aussetzen der MOAS-Einsätze "Kein Aufgeben, sondern Aussetzen"

Die Seenotrettungsorganisation MOAS setzt ihre Einsätze auf dem Mittelmeer ab sofort aus. Der Kölner Pfarrer Regamy Thillainathan steht in engem Kontakt mit MOAS. Im Interview erklärt er den Rückzug und blickt auf kommende Einsätze.

domradio.de: Sie waren selbst an Ostern auf dem Rettungsschiff von MOAS und stehen mit der Organisation in Verbindung. Warum setzt MOAS jetzt seine Einsätze zur Seenotrettung auf dem Mittelmeer aus?

Pfarrer Regamy Thillainathan (Leiter der Diözesanstelle "Berufe der Kirche" im Erzbistum Köln): In den letzten Wochen hat sich angebahnt, dass die Situation für MOAS, aber auch für alle anderen Nichtregierungsorganisationen, unübersichtlich wird. Die EU versucht die Menschen, die gerettet werden, zurück in Auffanglager nach Libyen zu bringen. Unklar ist, wie mit den Menschen umgegangen und ob die Menschenwürde eingehalten wird. Es ist kein Aufgeben von MOAS, sondern ein Aussetzen der Rettungsmaßnahmen. Die geretteten Menschen sollen nicht in eine größere Krise hingeführt werden, das entspricht gegen das Selbstverständnis.

domradio.de: "MOAS will nicht Teil eines Mechanismus werden, der Notrettung im Mittelmeer betreibt, wenn es keine Aufnahmegarantie an sicheren Häfen und Orten gibt", heißt es in der Erklärung´der Organisation. Was ist damit gemeint?  

Pfarrer Regamy: Es geht nicht darum, dass alle nach Europa müssen, wie immer vermutet wird. Wenn aber in Libyen die politische Lage nicht geklärt ist, wie können wir dann Menschen in Sicherheit bringen? Es kann uns nicht gleichgültig sein, was mit den Menschen passiert. Es ist noch schlimmer: Wenn wir genauer hinsehen und die Probleme ahnen, dann müssen wir auch handeln. 

domradio.de: MOAS ist die vierte Nichtregierungsorganisation, auch "Ärzte ohne Grenzen" hat aufgrund der politischen Entwicklungen seine Einsätze eingestellt. Was bedeutet das denn für die Flüchtlinge, die trotzdem noch übers Mittelmeer kommen und in Seenot geraten? 

Pfarrer Regamy: Frontex (Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache) und andere Organisationen, die von der EU Unterstützung bekommen, haben zugesichert, dass sie sich selbst vor Ort um die Problemlage kümmern werden. Das können wir kaum überprüfen, aber wir können denen auch nicht unterstellen, dass sie bewusst wegschauen werden. Wir hoffen, die EU nimmt ihre Verantwortung ernst und hält die Humanität hoch, wie es auch die Grundlage unserer gemeinsamen Vereinbarung ist. Alles andere müssen wir im Laufe des Jahres schauen. Wir werden weiterhin vor Ort beobachten, wie es sich entwickelt und ob eine Rückkehr möglich ist.

domradio.de: Ist das nicht auch ein Einknicken vor der EU-Politik, denen ja diese private Seenotrettung immer schon ein Dorn im Auge war?

Pfarrer Regamy: Es wird schwer sein, das nicht so zu sehen. Man hat natürlich das Gefühl, dass diejenigen, die von Anfang an dagegen gehetzt haben, das bekommen haben, was sie wollten. Deswegen hat MOAS ganz klar entschieden, dass das Aussetzen keine endgültige Entscheidung ist. Das Schiff ist jetzt unterwegs nach Südostasien, um dort weiterhin ein "Schlachtschiff der Hoffnung" zu bleiben.  

domradio.de: Dort kümmern sie sich um die Minderheit der Rohingya. Wieso ausgerechnet die Rohingya?

Pfarrer Regamy: Es existiert schon länger eine Verbindung zwischen MOAS und den Rohingya. 2015 war schon ein Schiff dort vor Ort, als die Krise gravierend eskaliert ist. Viele Rohingyas haben versucht, mit Booten nach Thailand rüberzusetzen. Sie wurden dann oft allein gelassen von der thailändischen Küstenwache. Schon damals hat MOAS dort humanitäre Hilfe geleistet. In den letzten Wochen hat die UN darauf hingewiesen, dass eine große Welle von Flüchtlingen versucht, nach Bangladesch zu gelangen. Dadurch hat die Organisation entschieden, zu helfen. 

Das Gespräch führte Milena Furman.

(DR)

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