Flüchtlinge auf Lampedusa
Es kommen weniger Flüchtlinge nach Italien. Aber für welchen Preis?

31.08.2017

Kirchliches Engagement ist manchen ein Dorn im Auge Italien und die Einwanderer

Die Zahl der Migranten, die Italien erreichen, sinkt. Die Gründe dafür sind nicht unbedingt begrüßenswert. Dennoch bleibt die Debatte im Land oft polemisch. Die Kirche erhält für ihr Engagement Lob, aber auch Gegenwind.

Gegensätzlicher könnten die Bilder kaum sein.

Szene 1 am Flughafen Rom-Fiumicino

Im Beisein der Medien begrüßt Italiens stellvertretender Außenminister Mario Giro 35 syrische Flüchtlinge, die am Dienstagmorgen aus Beirut gekommen sind. Familien, die Kinder adrett gekleidet, mit einem Transparent "Willkommen in Italien" und unter den Klängen der italienischen Nationalhymne treten sie aus einem der Gates 56-61. Empfangen mit Freude, Stolz und guten Empfehlungen für ein neues Leben in Italien.

Treibjagd auf Flüchtlinge

Szene 2 spielt fünf Tage zuvor nahe des Hauptbahnhofs Termini.

Wasserwerfer der Polizei und Beamte mit Schlagstöcken treiben dunkelhäutige Männer und Frauen auseinander. Die hatten auf der Piazza dell'Indipendenza campiert, nachdem sie aus einem leerstehenden Bürogebäude in der Nähe vertrieben worden waren. Tagelang wurden in den Medien die Aufnahmen dieser Treibjagd wiederholt.

Spenden und Kirchensteuer zahlt Erstbetreuung

Die Szenen sind symptomatisch für die Reaktionen des Landes, das in der EU eine der größten Lasten der Migrationskrise trägt. Zum einen gibt es seit März 2016 ein Abkommen kirchlicher Organisationen mit der Regierung, das humanitäre Korridore für Flüchtlinge vorsieht. Vorreiter waren die Gemeinschaft Sant'Egidio, der Bund evangelischer Kirchen und die Kirche der Waldenser und Methodisten.

In Flüchtlingslagern machen Mitarbeiter der drei Organisationen besonders schutzbedürftige Flüchtlinge ausfindig. Deren Namen teilen sie der zuständigen italienischen Auslandsvertretung mit. Die prüft ihre Identität, ob die Kandidaten eine Chance auf Asyl haben und erteilt ein Visum. In Italien werden die Ankömmlinge von Freiwilligen für einige Zeit betreut. Den Staat, so betonen die Organisatoren, koste das keinen Cent. Finanziert werden dies durch Spenden und die italienische Form der Kirchensteuer.

Italien kann nicht mehr

Seit März 2016 sind so 900 Flüchtlinge nach Italien gekommen und - wie es heißt - gut integriert. Das ist aber nicht einmal ein Prozent der Menschen, die allein in diesem Jahr nach Italien gekommen sind. So erinnerte Vizeminister Giro bei der Begrüßung am Flughafen an Italiens sonstige Prioritäten: eine Änderung des Dublin-Abkommens, die Aufnahme von mehr Migranten in anderen EU-Staaten sowie die Zusammenarbeit mit Partnern in Afrika. Da geht Italien eigene Wege - vor allem in Libyen, seinem ehemaligen Kolonialgebiet.

So berichten das Nachrichtenportal "Middle East Eye" und die "New York Times", Rom bezahle libysche Milizen, damit sie Menschenschmuggler und Flüchtlinge hindern, von Libyen aus gen Italien in See zu stechen. Zudem will man über den von Innenminister Marco Minniti vorgelegten Verhaltenskodex private Rettungsschiffe besser kontrollieren.

Gefährliche Konsequenzen

Die Strategie scheint zu wirken: Kamen im August 2016 noch 21.294 Menschen übers Meer nach Italien waren es in diesem August nur 3.194 - 85 Prozent weniger! Auch für die am Montag in Paris versammelten Regierungschefs Angela Merkel, Emmanuel Macron, Paolo Gentiloni und Mariano Rajoy eine gute Nachricht - mit unschönen Nebenwirkungen.

Zum einen schwächen von Italien unterstützte libysche Milizen die ohnehin wackelige Regierung in Tripolis. Mit der aber will die EU stärker zusammenarbeiten. Zum anderen kann das Schicksal der in Libyen abgewehrten Migranten einem auf Menschenrechte pochenden Europa nicht egal sein. Aus libyschen Lagern berichten Menschenrechtsorganisationen wahre Gräuel.

Faschisten mischen sich ein

Die katholische Kirche will sich für konkrete politische Maßnahmen nicht vereinnahmen lassen. Gleichwohl fordert sie immer wieder Solidarität mit Migranten sowie sachliche Debatten und Gewaltverzicht. So mahnte nach der unschönen Räumung der Piazza dell'Indipendenza gar Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin zur Mäßigung.

Manchen Rechten bleibt dies ein Dorn im Auge. Nicht nur verwahren die sich gegen die jüngste Papstbotschaft zum Welttag des Flüchtlings als "Einmischung in innere Angelegenheiten", so ein Abgeordneter der konservativen "Direzione Italia". Als jüngst der Pfarrer eines Ortes afrikanische Jugendliche nach getaner Freiwilligenarbeit ins Schwimmband einlud, ernteten er und die Jungs zwar Lob, aber auch gehässige Kommentare. Man werde ihn am Sonntag in der Messe besuchen und schauen, ob er sie auch richtig feiere, drohten örtliche Mitglieder der rechtsradikalen "Forza-Nuova". Ein katholischer Twitter-Kommentar dazu: "Früher haben uns die Faschisten nur verprügelt, heute wollen sie uns die wahre katholische Lehre beibringen."

Roland Juchem
(KNA)

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